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Besorgte Liebespriesterin: Wie Peaches das Finale der Centraltheater-Konzerte zelebriert

Besorgte Liebespriesterin: Wie Peaches das Finale der Centraltheater-Konzerte zelebriert

Feierbereite Menschen mit Getränken in der Hand, die sich vor dem Centraltheater sammeln und in der Schwüle des Sommerabends darauf warten, dass die Veranstaltung beginnt, verbreiten Clubatmosphäre; an der Kasse versuchen die Letzten erfolglos, Karten zu bekommen: Das Gefühl, dabei zu sein, wenn eine Ära würdevoll zu Ende geht, lag am Donnerstag beim letzten Act des Hartmann'schen Centraltheater-Musikprogramms in der Luft.

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Bass, Brüste, Sektduschen: Peaches und zwei Anti-Gogos im Centraltheater.

Quelle: Rolf ArnoldCT

Dafür hat man mit der Kanadierin Peaches eine in den letzten Jahren die Berliner Offspaces prägende Figur verpflichtet. Aus der Breite künstlerischen Ausdrucks, den man mit der Musikerin, Performerin, DJ, Produzentin und Theatermacherin verbindet, steht am heutigen Abend ein "DJ Set Extravaganza" auf dem Plan. In der Hinterbühne angekommen und froh, an der endlos langen Barschlange doch noch einen Drink ergattert zu haben, lauscht man dem Support Simonne Jones, einer von Peaches selbst als zukunftsweisend betrachteten Künstlerin aus L.A.

Ziemlich beeindruckend und wegweisend für den restlichen Abend sind deren kraftvoll-weibliche Attitüde und körperliche Präsenz. Die Spannung der Wartenden löst sich jedoch erst in Konzentration, als Peaches die Bühne betritt, auf der sie den Rest des Abends wie eine zugleich entrückte und zugewandte Priesterin agieren wird, der man einfach folgen muss. Auf den programmatischen Einstieg "She's a Maniac" folgt eine Performance, in der Peaches ihr DJ-Können, ihre Stimme und ihre Phantasie unter Beweis stellt: In Riesenperücke, Brüstekostüm oder Lederweste spielt sie mit Geschlechter- und Rollenklischees, heizt die Crowd an und bleibt auch Erwartetes wie "Talk To Me", "I Feel Cream" und "Fuck the Pain Away" nicht schuldig.

Das zentrale Element des Geschlechter­identitäten-Spiels wird von zwei Tänzerinnen perfektioniert, die als Anti-Gogos vor allem ihren eigenen Spaß und das Ausleben individueller Sexualität im Sinn haben, ohne sich normierten Vorstellungen zu beugen: In mal ästhetischen, mal brutalen Kostümen entziehen sie sich als lesbische Geishas oder Satyrn mit stilisierten Riesenbrüsten und angedeuteten Penissen allen (hetero)normierten Vorstellungen weiblicher Sexualität.

Das Publikum liebt die drei Frauen für ihr positioniert sexbetontes und trotzdem gewalt- und herrschaftsfreies Tanzen und Feiern, von Peaches in der Aussage "I need love and sex" pointiert. Stets besorgt um die tanzende und stampfende Menge vor ihr - zur Aufmunterung gibt es immer mal wieder und am Ende noch mehr Sektduschen - erkundigt sie sich regelmäßig, ob noch alle dabei seien: "Leipzig, are you still with me?"

Natürlich ist ein Theater auch hinter der Bühne kein Club, aber gut geraved wird trotzdem - definitiv sind alle dabei, die das tun wollen, was hier in Vollendung gelingt: Tanzen und Spaß haben, jedoch nicht ohne nachzudenken. Eine schwangere Freundin verlässt nach zehn Minuten Peaches am DJ-Pult die Veranstaltung und berichtet später vom scheppernden Interieur im Foyer zwei Etagen tiefer.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.06.2013

Eva Finkenstein

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