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Besser als Berlin: Leipziger Slam-Poeten gewinnen Wettstreit in der MuKo

Besser als Berlin: Leipziger Slam-Poeten gewinnen Wettstreit in der MuKo

Seit einigen Jahren rollt da eine Welle über uns hinweg: Leipzig muss man plötzlich nicht nur gesehen haben, sondern am besten gleich herziehen. Allerorten jubiliert man über so viel Freiraum, günstige Mieten und Hipness im Allgemeinen.

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Berliner Slam-Poet Paul Weigl in der Leipziger MuKo.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Was vor zehn Jahren an der Spree ging, soll nun auch hier funktionieren, nur noch besser. Berlin ist voll 2000er, Leipzig kommt (jetzt aber wirklich). Da schien es am Donnerstagabend in der ausverkauften MuKo an der Zeit, diese ganze "Hypezig"- und "Better Berlin"-Sache beim Slam-Battle mal in einem standesgemäßen Wettbewerb auszufechten.

Fünf gegen fünf treten die Poeten mit ihren eigenen Texten gegeneinander an, die Zeit ist wie immer knapp und Requisitenbenutzung strengstens verboten. Um Einhaltung der Regeln und Addition der Jury-Punkte sorgt sich einmal mehr Plaudertasche Christian Meyer, der heute im überdurchschnittlich retro wirkenden Tweed-Mehrteiler pichelt. Dank zweier Taschenrechner und der Hilfe des passionierten Lehrers aus Reihe drei kann er nach der Hauptrunde trotz seines Germanistikstudiums eine marginale Punktedifferenz ausmachen, im Finale stellt Leonie Warnke die Zeichen allerdings auf Heimsieg für die Leipziger Slammer.

Für diese macht sich das junge, heterogene Startteam also bezahlt. Linn Micklitz sortiert in ihrem Text melancholische Erinnerungen, und Bleu Broode möchte das gleichschenklige Dreieck seiner Mathelehrerin sehen. Der als "Skandalautor" angekündigte Julius Fischer - sein Verlag ging just in Berufung gegen das "Wanderhuren"-Urteil - hasst mal wieder Menschen, erhält aber Besuch von einem Götterboten mit Exotic-Bonbon, während Leonie Warnke Pornos und Liebesfilme auf ihren Realitätsgehalt vergleicht. Erfolgsgarant André Herrmann wagt sich mit einem Roast - von ihm treffend als "Anti-Laudatio" beschrieben - in den Ring und teilt beherzt ein paar Runden aus. Zwar könne man Berlin-Dissen damit vergleichen, auf einen ausgemergelten Junkie einzutreten, aber sei's drum, ist ja ein Battle.

Obwohl ausgerechnet die Hauptstädter auf solche Affronts nicht vorbereitet scheinen, fällt die Entscheidung am Ende denkbar knapp aus, denn auch Maik Martschinkowskys Entwurf eines Gewürz-Fantasyromans, Sarah Bosettis Geschichte von kiffenden Pubertierenden und Paul Weigels Allmachtsfantasien finden einiges Wohlwollen. Slam-Dino Wolf Hogekamp liest einen Text darüber, was alles nicht vorkommt, und als Gewinner der Herzen geht Sebastian Lehmann aus der Arena, der Spieleabende nur mit reichlich Wein aushält und aufgrund seines juvenilen Äußeren befürchtet, vom Fleischer mit scheibchenweise Gesichtswurst beschenkt zu werden.

Nicht nur zwei Metropolen, sondern auch Hoch- und Subkultur treffen da in Lindenau aufeinander. Das funktioniert meist gut, weil für die entspannte Atmosphäre eine kleine Live-Band der MuKo sorgt, der in der "My Fair Lady"-Kulisse ein Plätzchen freigeräumt wurde. Sängerin Sabine Töpfer dagegen überrascht zwar mit einer Version des "Supergeil"-Werbeliedes, schießt mit aus der Zeit gefallenen Ostrock-Nummern und der Einladung zur nächsten, "anspruchsvolleren" MuKo-Premiere sonst aber recht weit am Publikum vorbei.

Der Stimmung tut das keinen Abbruch. Häufig wackeln weißhaarige Köpfe beim Lachen, das studentische Publikum ist amüsiert und die fröhliche elfjährige Zuschauerjurorin wirft großzügig mit Punkten um sich. Am Ende geht die Sache eindeutig für Sachsen aus, und bis zum Rück-Slam in Kreuzberg kann Leipzig jetzt zumindest zeitweise behaupten, besser als Berlin zu sein - erwiesenermaßen.

Rückrunde im Berliner Club SO36 (Oranienstraße 190, Kreuzberg) am 22. April, 19 Uhr

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.04.2014

Theresa Wiedemann

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