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Bessere deutsche Volksmusik: Leipziger Band Tempi passati am Donnerstag in der Nato

Bessere deutsche Volksmusik: Leipziger Band Tempi passati am Donnerstag in der Nato

die Zeit vergeht. Ob der alte Lateiner-Seufzer eher Bedauern oder Erleichterung ausdrückt, ist nicht wirklich zu sagen. Tempi passati nennt jedenfalls Raik Hessel seine Band.

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Seit drei Jahren vergeht die Zeit gemeinsam: Raik Hessel, Andreas Schneider, Johannes Uhlmann, Christoph Bley und André Heyer (von links).

Quelle: Rainer Justen

Tempi passati. Die feiert am Donnerstag mit einem Konzert in der Nato ihr dreijähriges Bestehen - und nebenher auch Hessel seinen 50. Geburtstag.

Mit 47 noch mal eine Band gründen - das klingt schon ein wenig nach einem Akt der Midlife-Crisis. Weswegen gleich zu Beginn des Gesprächs mit Raik Hessel die dolle kritische Frage gestellt sei: Ist Tempi passati ein Krisenprodukt?

"Tja, wahrscheinlich", grinst Hessel: "Die andere Sache ist - Musik gemacht habe ich ja schon immer. Und es gab da eben diesen Haufen Songmaterial, der sich über ein Jahrzehnt angesammelt hat. Das allerdings alles - und da kommen wir wieder zur Midlife Crisis - ohne Texte. Die kamen plötzlich hinzu. Oder besser: das Bedürfnis, welche zu schreiben. Und das wohl wirklich, weil man sich inzwischen über Sinn und Unsinn des Lebens anders Gedanken macht als mit 18."

Dieses "Gedanken-Machen" ist bei Tempi passati eines der ruhigen Reflektionen und Beobachtungen. Und diese wiederum kleiden sich in einen Sound, der dafür wie maßgeschneidert wirkt. In eine Melange aus Tex Mex, Country, Blue Grass, Polka. Als Americana etikettiert man derlei gemeinhin. Bei Tempi passati nun entäußert sich das auf eine Art, die indes tatsächlich weniger importiert, also aufgepfropft, wirkt als vielmehr wie in Ruhe und Natürlichkeit gewachsen.

Klar, auch das hat was mit Altersreife zu tun. Aber der Umstand, dass das bei Tempi passati klingt, als wäre Americana die bessere deutsche Volksmusik, liegt eben nicht nur daran, dass Hessel seine Texte konsequent in Deutsch singt. Aber woran liegt es dann? Hessel: "Dass wir so klingen, wie wir klingen, schuldet sich eher einer Art Wesensverbindung zu diesen Musikstilen. Das ist eine Mentalitätsfrage. Die Musik entspricht mir und der Band. Deshalb und weil die Band gut ist, klingt dann auch die Musik gut."

So einfach mag das tatsächlich sein. Neben Sänger und Gitarrist Hessel sind dafür noch André Heyer (Bass), Christoph Bley (Gitarre), Johannes Uhlmann (Akkordeon) und Andreas Schneider (Schlagzeug) verantwortlich. Ein Quintett, oft durch René Richter an der Trompete zum Sextett verstärkt, das für ein Klang-Amalgam zwischen Fernweh und Bodenständigkeit sorgt. Blick zum Horizont und doch fest geerdet. Eingängig in den Melodien. Dezent effektvoll in den Arrangements.

Auf fünf Videos, zwei CDs und zahlreichen Konzerten ist das bisher zu erleben. Im Radio, gerade auch überregional, inklusive Deutschlandfunk, wird man gespielt. Die Kritiken sind gut, wie der Publikumszuspruch bei Konzerten. Dass Tempi passati dabei in mehrfacher Hinsicht keine Band der großen Töne ist, versteht sich. Aber sie ist eine für Leute, die noch zuhören und dabei etwas wiederentdecken können, was eigenen Lebenserfahrungen entsprechen mag.

Womit man noch mal bei den Texten landet. Bei deutschen zumal: "Man darf die einfach nicht nur Wolle Petry oder Helene Fischer überlassen", sagt Hessel: "Ich würde gern mit dieser Sprache so umgehen können wie der leider ja schon gestorbene Nils Koppbruch. Und auch, wenn ich ohne eine Band wie Fink im Hinterkopf selber nie Texte geschrieben hätte, bleibt da immer dieser Stachel: Ein Literat bin ich echt nicht."

Muss auch nicht sein. Der einfache Song, in dem sich Text und Musik verschmelzen zu den drei magischen Minuten, funktioniert auch ohne tiefschürfende Alexandriner. Was Tempi passati heute Abend erneut zeigen werden. Mit Gästen, unter anderem der "wunderbaren Sängerin Diane Labrenz" (Hessel), vielen alten und brandneuen Liedern.

Tempi passati, Donnerstag, 20 Uhr, Nato (Karl-Liebknecht-Straße 48), Eintritt 10/8 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.04.2014

Steffen Georgi

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