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Bewerber Matthias Jung hält das Finale spannend

Leipziger Thomaskantorat Bewerber Matthias Jung hält das Finale spannend

Matthias Jung ist der vierte Kandidat für die Nachfolge im Thomaskantorat, der zu einer Probewoche mit dem Thomanerchor nach Leipzig eingeladen wurde. Am Freitag hielt er mit seinem Dirigat einer gehaltvollen Motette das Finale weiter spannend.

Freitagsmotette in der voll besetzten Thomaskirche.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Aller guten Dinge sind vier – zumindest für den Thomanerchor könnte diese abgewandelte Variante des Sprichworts gelten. So bildete die Freitagsmotette in der voll besetzten Thomaskirche den musikalischen Auftakt zur Vorstellung von Matthias Jung als vierten und letzten Bewerber um das hochrangige Amt des Leipziger Thomaskantors. Dass auch diese Vorstellung des 1964 in Magdeburg geborenen Chorleiters gespanntes Interesse hervorrief, verriet bereits die sich über den Thomaskirchhof windende Besucherschlange.

Als vierter im Bunde aus Dresden angereist, wo er mit Knaben- und Motettenchor gleich für zwei Ensembles Verantwortung trägt, ergriff er sogleich die Gelegenheit, eigene programmatische Akzente zu setzen. In der geschickten Gegenüberstellung von Heinrich Schütz’ frühbarocken Psalmvertonungen zum zeitgenössischen Alleluia des langjährigen Leiters der Londoner Kirchenmusik an der Westminster Kathedrale Colin Mawby schimmerte Jungs künstlerische Handschrift gleich mehrfach hindurch.

Nicht nur die einstige Dresdner Hofkirchenmusik hat er bis in zahlreiche Winkel ausgeleuchtet, sondern auch zeitgenössischen Vokalwerken zur Uraufführung verholfen. In beiden Genres fühlt er sich wohl und besticht durch fabelhaft stiltreue Interpretationen. Gerade diese Mischung tut Altbekanntem wie Modernem gut, die Stile unterschiedlicher Jahrhunderte befruchten einander gegenseitig. Und nicht nur das: Auch der Himmel schien beglückt von so viel musikalischem Gotteslob und schickte passend zum Textabschnitt des 98. Psalms „denn er tut Wunder“ ein strahlendes Licht durch die hohen Fenster der Thomaskirche.

Selten erscheint eine vierhundert Jahre alte Psalmvertonung so agil, griffig und lebensbejahend wie unter Jungs Dirigat. Gleichsam vermag er die tragenden Phrasierungen im Harmoniegewebe dieser Musik zwischen Spätrenaissance und Frühbarock klar herauszustellen. Sehr schön treffen Chor und Dirigent anschließend den etwas nachdenklicheren Ton der Schütz-Motette „Ich bin ein rechter Weinstock“, den Pfarrer Martin Hundertmark in seiner Ansprache aufgreift, in der er unter dem Eindruck des gegenwärtigen Satire-Sturms zur Versöhnung durch Worte gemahnt.

Gleichsam gelingt es bei Colin Mawbys Auferstehungsmotette von 1986, die Ohren auf neue klangliche Sphären einzustimmen. Aus dem spannungsreich gestalteten Geflecht disharmonischer Sequenzen lässt Jung mit glasklarem Sopran der Thomanerknaben ein feinstes tonmalerisches Gebilde gen Himmel entschweben. Ebenso individuell setzt er bei den zwei geistlichen Chören aus der Feder Max Regers an, wenngleich hier der Gestaltungsspielraum noch Luft nach oben lässt.

Nicht immer ist ersichtlich, ob sich die teils energischen Bewegungen Jungs auch in konkreten musikalischen Effekten niederschlagen. Auch in der Intonationsvorgabe für die einstimmigen Litaneien wie den Lobpreis ist Kandidat Jung stimmlich die Anspannung deutlich anzumerken. Besser macht er es im eindrucksvollen Magnificat, einem puristisch anmutenden einstimmigen Kirchengesang.

Stefan Kießling an der Orgel erinnert in dieser freitäglichen Motettenstunde mit einer plastisch ausgestalteten Fantasie g-moll und einem leichtfüßigen Präludium in d zudem an den Vorgänger der jetzigen Kantorenkandidaten: Bach und seinen norddeutschen Lehrer Buxtehude. Ohne großes „Aha“ gelingt Matthias Jung jedoch eine gehaltvolle Motette zum Wochenausklang, die das Finale um das Kantorenamt weiter spannend hält.

Von Torsten Fischer

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