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Beyoncé stoppt auf ihrer Welt-Tour in Berlin: "Ich will meine Spuren hinterlassen"

Beyoncé stoppt auf ihrer Welt-Tour in Berlin: "Ich will meine Spuren hinterlassen"

Es ist gar nicht schwer, Beyoncé furchtbar zu finden. Ein paar diskothekenfreundliche Lieder, dazu ein Perfektionsstreben, das schnell unerträglich wird, könnte man argumentieren.

Berlin. Die Sauberfrau der Pop-Musik, in Kombination mit Ehemann Jay-Z, einem er erfolgreichsten Rapper, angeblich inzwischen milliardenschwer. Sie singt für Barack Obama, für Dutzende Millionen Zuschauer beim Superbowl. Sie strahlt von der Vogue und der Elle. Unantastbarkeit scheint ihr Ziel zu sein, sie singt selbst: "Ich will meine Spuren hinterlassen, im Sand der Zeit".

Donnerstagabend in der Berliner O2-World, eins von drei Deutschlandkonzerten. 12.500 Menschen haben Karten erstanden, weil sie Beyoncé nicht furchtbar finden. Die Deutschlandtour war in wenigen Minuten ausverkauft. Der Bass ist zu Beginn unfassbar tief und laut, eine Videoprojektion zeigt die 31-Jährige aristokratisch, erhaben, vor allem fernab der Realität vieler Zuschauer, die die Kartenpreise (75 bis Hunderte Euro, je nach Platz) teils mühsam erspart haben. Dann fährt sie einfach aus dem Boden herauf, steht auf der Bühne. Kein spektakulärer Auftritt, wie ihn die großen Popstars heute oft zelebrieren. Beyoncé selbst soll das Spektakel sein, da braucht es keinen Knalleffekt zu Beginn. "Who run the World?", deutsch: "Wer führt die Welt an?", fragt sie, und antwortet selbst: "Girls!". Dann ist (leider anfangs etwas im Bass wegsuppender) Alarm. Beyoncé will Frauenpower sein. Sie ist vor allem Power.

Alle Register einer Arena-Show

Es ist der Beginn eines zweistündigen Konzerts, dass alle Register der Arena-Show zieht. Pyro, ständig, selbstverständlich. Nebelmaschinen, Windmaschinen, die Sängerin selbst wird zur Sing-Tanz-"Danke Berlin"-Maschine. Laser, Licht und das zentrale Element aller Beyoncé-Songs: Liebe. "Ich liebe dich bis ans Ende der Zeit" ("End Of Time"), "Du machst, dass ich aussehe, als wäre ich verrückt vor Liebe" ("Crazy In Love"), "Dir ist es egal, aber mich interessiert es noch immer" ("I Care"). Schmalz? Vielleicht. Aber Liebe schreibt die größten Songs.

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Donnerstagabend in der Berliner O2-World, eins von drei Deutschlandkonzerten.

Quelle: Parkwood Entertainment

Beyoncé singt meistens fantastisch, wenn sie es gerade nicht tut, tun es die Background-Sängerinnen, weil Beyoncé synchron versucht, sich um den Verstand zu tanzen. Wenn sie "I Will Always Love You" von Whitney Houston anstimmt, klingt das nur auf Papier gruselig, weil die Stimme live so perfekt ist wie der Rest: Die Outfits. Die Videoprojektionen, die zwischen Pop-Art und avantgardistischem Ballett alles abdecken. Die Stimmung bis zum Oberrang. Diese Frau regiert die Masse, die Bühne scheint ihr Lebenselixier zu sein, die Vermittlung dessen ans Publikum erfreulich glaubhaft.

Rückblick: Beyoncé beim Super Bowl

Beeindruckend ist vor allem, dass Beyoncé im Effekt-Overkill nie verschwindet. Egal, wie viele Feuerwerke zünden, die Rakete singt im knappen Kleidchen das spärlich instrumentierte, aber ungleich mitreißendere Stück Pop-Geschichte namens "Single Ladies". Fast wünscht man sich, dass alles herum verschwindet, Beyoncé auf Pomp und Pyro verzichtet, spätestens wenn sie mit "Love On Top" und "Halo" die Songs singt, die in 30 Jahren auf Oldie-Wellen unverzichtbar sein werden. Dann, wenn diese sonderbar skandalfreie, aber unfassbar talentierte Frau hoffentlich immer noch touren wird. Das Talent, irgendwann eine Tina Turner zu sein, hat Beyoncé, die Show drum herum bräuchte sie gar nicht - auch wenn sie enorm unterhält.

Egal, wie furchtbar Beyoncé mancher finden mag, der in Perfektion vor allem Langeweile sieht - kaum jemand im Popgeschäft macht es derzeit besser. Das Gegenteil von furchtbar ist in Berlin: beeindruckend.

Sebastian Scherer

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