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Bilder aus Aleppo suchen eine feste Bleibe in Leipzig

Bilder aus Aleppo suchen eine feste Bleibe in Leipzig

Als das Atelier von Zakwan Khello in Aleppo zerstört wurde, war völlig klar: Nur im Ausland könnten seine Malereien in Sicherheit sein. In seinen Bildern verarbeitet er seinen Schmerz, den Schmerz über das Leid des syrisches Volkes.

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Matthias Sterba, Samer Assaf, Tarek Khello und Matthias Schluttig schauen sich die geretteten Bilder aus Aleppo in der Villa an.

Quelle: André Kempner

Im Krieg gibt es keinen Platz für Kunst, nur für das Lebensnotwendige. Aber wohin könnte er die 17 Bilder senden? Und wie? Die Lösung fand der 32-jährige Syrer mit seinem jüngeren Bruder Tarek, der seit Dezember 2013 in Leipzig wohnt.

Tarek konnte über das deutsche UN-Kontingent mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern aus Syrien nach Deutschland fliehen. Aber Zakwan nicht. Trotz der Trennung bleiben sie in Kontakt durch den Internet-Messenger Whats-App. "In einer Nachricht berichtete mir Zakwan von seiner Idee, die Kunstwerke nach Leipzig zu verschicken. Er dachte, dass ich durch meine deutschen Kontakte eine Galerie finden könnte", erinnert sich Tarek Khello. "Aber wegen der Sprachbarriere war es schwierig." Als der 30-jährige Asylbewerber an einem Projekt von Ost-Theater-Passage und Soziokulturellem Zentrum "Die Villa" teilnahm, redete er über das Problem und zeigte die Malereien seines Bruders. Daraufhin entstand eine richtige Solidaritätskette.

Die kleine Truppe suchte jemanden, der plante, in die Türkei oder nach Syrien zu fliegen. Sie fand Samer Assaf. "In dieser Zeit besuchte ich Flüchtlingslager im Libanon und in Syrien, um Forschungsmaterial für meine Masterarbeit in Psychologie zu sammeln. Vor Ort musste ich Daten über die Folgen des Krieges auf die Psyche von Jugendlichen erheben", erklärt der gebürtige Syrer, der seit acht Jahren in Leipzig lebt. Für Zakwan und Tarek war es ein Glücksspiel: Sie kannten Samer Assaf nicht und mussten ihm trotzdem vertrauen.

"Erst brachte Zakwan seine Bilder zum nächsten Busbahnhof und bezahlte den Fahrer, damit er das Paket nach Latakia abliefert. Ihm wurde nicht gesagt, dass es um Kunstwerke ging. Er dachte, dass er Stoffe transportiert. Die Bilder wurden nicht gerahmt, sondern einfach nur zusammengerollt", erzählt Tarek. Als das Paket in Latakia in West-Syrien ankam, stand der schwierigere Teil noch aus: die Bilder außer Landes zu bringen. "Zwischen Latakia und der libanesischen Grenze gibt es 14 Checkpoints", betont Assaf. Das Risiko war groß. In seinem Gepäck gab es viele illegale Materialien: die Bilder von Zakwan sowie etwa 10000 Fragebögen, die er ohne Sicherheitsgenehmigung gesammelt hatte. Mit Hilfe eines Freundes, der als Polizist in Syrien arbeitet, konnte Samer Assaf die Kontrollposten passieren, ohne untersucht zu werden.

Aus dem Libanon flog er nach Deutschland zurück. Als er endlich in Leipzig ankam, war es Nacht. Trotzdem wollte Tarek die Malereien sofort abholen. "Ich konnte kaum glauben, dass die Bilder meines Bruders wirklich hier waren", erinnert sich Tarek. Für Samer Assaf war es eine große Verantwortung und sehr riskant. "Ich konnte mir vorstellen, wie wichtig es für Zakwan war. Ich hatte die Gelegenheit, etwas Gutes für meine Heimat und meine Landsleute zu machen."

Nun haben die 17 Kunstwerke Unterschlupf im Leipziger Soziokulturellen Zentrum "Die Villa" in der Lessingstraße gefunden. Das Team ist aber immer noch auf der Suche nach festen Ausstellungsorten oder Galerien, wo die Bilder gezeigt werden können.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.01.2015
Adeline Bruzat

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