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Blankvers und Beach-Party: Wunderbares Sommertheater "Was ihr wollt!?" im Werk 2

Blankvers und Beach-Party: Wunderbares Sommertheater "Was ihr wollt!?" im Werk 2

Am Mittwoch hatte Shakespeares "Was ihr wollt" als Jugend-Sommer-Theater von Werk 2 und Cammerspielen Premiere. Unter freiem Himmel zeigte sich auf kleiner Bühne ein Planschbecken-Illyrien samt Fototapeten-Palmenstrand, und es lag nicht nur daran und am passend sonnigen Wetter, dass man nach etwas über einer Stunde Spielzeit bestens gelaunt applaudierte.

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Narr als Bademeister: Patricia Machmutoff vor dem Shakespeare-Personal.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Shakespeares "Was ihr wollt" gilt vielen als dessen beste, "reinste" Komödie. Und schon eine nur knappe Plot-Angabe dieses Irrwitz-Kuddelmuddels ist eine Herausforderung: Bei einem Schiffbruch wird Viola von ihrem Zwillingsbruder Sebastian getrennt und strandet an der Küste des pittoresken Illyrien.

Sich Cesario nennend, tritt Viola dort als Mann verkleidet in die Dienste des Herzogs Orsino. Der nun ist ungefähr so unsterblich in die Gräfin Olivia verliebt, wie es Viola bald, freilich heimlich schmachtend, in Orsino ist. Dass sich wiederum Olivia in "Cesario" verknallt, macht es nicht unkomplizierter - und als auch noch Sebastian auf der Bildfläche erscheint, dreht die ganze Sache vollends ab.

Am Mittwoch nun hatte diese Abgedrehtheit als Jugend-Sommer-Theater von Werk 2 und Cammerspielen Premiere. Unter freiem Himmel zeigte sich auf kleiner Bühne ein Planschbecken-Illyrien samt Fototapeten-Palmenstrand, und es lag nicht nur daran und am passend sonnigen Wetter, dass man nach etwas über einer Stunde Spielzeit bestens gelaunt applaudierte.

Dass nun unter der Leitung Susann Schreibers der Text radikal gekürzt wurde, ist allerdings schon mal ein erster Pluspunkt. Nein: Nicht, dass in diesem Stück auch nur ein Nebensatz überflüssig wäre. Das Problem aber noch jeder Shakespeare-Komödie ist, dass man deren Anforderungen ans Spiel-Tempo heute inszenatorisch einfach nicht mehr gewachsen scheint.

Da ist Timing allemal irgendwas zwischen Hektik und Zähigkeit - ein Umstand, der auch in Schreibers Fassung spürbar wird. Und dennoch ignorierbar ist. Es verdankt sich allerdings nicht nur der kurzen Spieldauer, dass dieses "Was ihr wollt" so charmant und kurzweilig gerät.

Allein schon, dass das Publikum zu Beginn wählen darf, welcher der Darsteller welche Rolle übernehmen soll, hat seinen Witz. Moderierend steigt dafür Patricia Machmuttoff vom (auch noch auf der Bühne stehenden) Badestrandwachturm. Im Baywatch-Fummel gibt sie den shakespeareschen Narren und ist somit die einzige, die hier nicht irre ist und deshalb (neben Julia Reer als Sebastian) auch ihre Rolle nicht wechseln wird.

Genau das nun gilt eben nicht für Luise Heller, Elisabeth Pohle und Jonas Meyer, die - je nach Publikumsvotum - von Vorstellung zu Vorstellung zwischen Orsino-Viola-Olivia switchen. Ein Spiel-im-Spiel, das nicht nur seinen Reiz hat, sondern Sinn ergibt. Auch, weil Shakespeare ja mit diesem Stück ganz offensichtlich seine eigenen Komödien persiflierte. Und das so wunderbar überkandidelt und absurd, dass es völlig passend ist, wie dieses Illyrien jetzt die Aura eines Baggersees atmet, man mit Wasserpistolen ballert, sich falsche Bärte anmalt und im Planschbecken wälzt, bis nicht nur kein Auge mehr trocken bleibt. Dass die Musik wiederum nervig nach Ballermann klingt, ist nur konsequent. Nein, Blankvers und Beach-Party widersprechen sich nicht zwangsläufig.

"Was ihr wollt!?", wieder Donnerstag und Freitag, jeweils 19 Uhr, Werk 2 (Kochstraße 132, Freifläche hinter Halle A), Eintritt 9/7 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.07.2014

Steffen Georgi

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