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Kultur Blue October faszinieren im Werk 2 Leipzig
Nachrichten Kultur Blue October faszinieren im Werk 2 Leipzig
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16:09 11.02.2019
Mitreißendes Konzert im Werk 2: Justin Furstenfeld zog das Leipziger Publikum in seinen Bann. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Der Mann braucht Liebe. Vor allem zu Beginn des Konzerts vergewissert sich Justin Furstenfeld immer wieder, ob die Verbindung zwischen ihm und dem Publikum stabil genug ist: „Are you with me?“, fragt er mehrfach ins Werk 2 hinein. Die laute Bestätigung wirkt wie Treibstoff für den Sänger von Blue October. Oh ja, 700 Menschen sind bei ihm, sind ganz dicht dran, folgen ihm durch die in Songs gegossenen Leidensgeschichten bis hin zur Erlösung. Die Wellen aus Wut, Verzweiflung und Glückseligkeit erfassen jeden, der die persönliche Entwicklung des Frontmanns kennt.

Der pure Seelenstriptease

Ein außergewöhnlicher Sonntagabend also mit Furstenfeld und seiner Band. Wobei Außergewöhnlichkeit in Verbindung mit diesem Typen aus Texas quasi gesetzt ist, der seine Kämpfe gegen innere Dämonen in Songs übersetzt hat. Der heute 43-Jährige litt unter Depressionen, verfiel Alk und Drogen. Herausgekommen sind berührende Stücke wie „Hate Me“ oder „Stay (The Feel Again)“ – und wütende wie „The End“ oder „The Flight“. Schuldgefühle, Verlassenwerden, Hass, Selbsthass, Suizidsehnsucht – ein Seelenstriptease, der in den USA Gold- und Platinstatus einbrachte und nur ganz allmählich Anhänger in Deutschland fand. 2009 spielten Blue October in der Moritzbastei vor 50 Leuten. Ein Zeitraum, in dem Justin besonders tief unten war, weil seine Beziehung kriselte, die Sucht ihn erneut beherrschte und er ohne Psychopharmaka nicht lebensfähig war.

Geistig und körperlich entgiftet

Schon damals verströmte er diese faszinierende, mitreißende Aura. Zehn Jahre später steht ein geistig und körperlich Entgifteter da vorn, der vor Kraft sprüht und das Publikum in seinen magischen Bann zieht.

Es liegt übrigens am wenigsten an dem, was Blue October seit „Sway“ von 2013 im Studio produziert haben, dass diese Show voll ins Herz trifft. Neue Familie, Versöhnung mit der Ex und Drogenabstinenz haben dem Künstler ein neues Leben geschenkt, allerdings auch unangenehm schlichte „Friede-Freude-Eierkuchen“-Zeilen und eine Menge beliebige Melodien generiert.

Druckvoll in die Magengegend

Das arg Gefühlsduselige bricht jedoch erst im Finale des Abends richtig auf. Zuvor haben die Jungs geschickt immer wieder raue, kantige Brocken über die Bühne gewuchtet, an denen man sich lustvoll schubbern kann. Klar, der Klassiker „Say It“ knallt stets verlässlich rein. Dass aber „Daylight“ vom Neuling „I Hope You’re Happy“ dermaßen druckvoll in die Magengrube donnert, überrascht. „Fear“, der Song über die Befreiung von Ängsten und Schatten, geht unter die Haut. Wenn dann noch Ryan Delahoussaye die ultimative Gefühlsverstärkung aus der Violine streicht, sprießt kollektiv die Gänsehaut.

Furstenfeld liebt die beschwörenden Gesten, verführt, protzt, zieht Fratzen, wackelt mit den Hüften und stellt sich in theatraler Pose als Schattenriss vor die Bühnenwand, die Faust gereckt. Ganz großes Kino im Rock’n’Roll-Geschäft. Furstenfeld ist saukomischer Entertainer, wenn er von seinen Kindern erzählt, die ihm das geplante Liebesspiel mit deren Mutter verhageln. Er ist Romantiker, wenn er vom Familienleben schwärmt. Und er ist glaubwürdig, wenn er den Fans für Treue und Zuneigung auch in schweren Zeiten dankt. Der Mann braucht Liebe, und überschäumend gibt er sie zurück.

Kein Zufall natürlich, dass der solo an der Akustikgitarre gespielten Selbstzerfleischung namens „Hate Me“ direkt „Worry List“ folgt – macht euch keine Sorgen, alles ist endlich in Ordnung, so die Botschaft. Der Rest der Show? Schmalz pur. Über den man aber schon deshalb hinwegsehen kann, weil die Augen noch feucht schimmern.

Von Mark Daniel

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