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Kultur Blutiger, schmutziger „Macbeth“
Nachrichten Kultur Blutiger, schmutziger „Macbeth“
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10:00 24.10.2015
Macbeth (Michael Fassbender) vor seiner schottischen Burg. Quelle: Studiocanal
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Leipzig

Schottland im 11. Jahrhundert. Eine düstere, wüste Welt der Clans und Krieger, blutigen Schlachten und Throne, die auf tönernen Füßen wackeln. Wer da in den Sog der Macht gerät, der kann schon mal leicht zum mörderischen Tyrannen werden. So wie der Than Macbeth, der für seinen König Duncan einen Widersacher besiegt – und auf dem Schlachtfeld an drei Hexen gerät. Die verwirren ihn mit ihrer Weissagung: Er selbst wird bald der König von Schottland sein.

Als der treue Feldherr, dem nichts so fern liegt wie Verrat, erfährt, dass König Duncan seinen unfähigen Sohn Malcolm inthronisieren will und daheim von Lady Macbeth angestachelt wird, ermordet er nachts Duncan – und tötet dessen Diener als angebliche Meuchelmörder.

Endloses Massaker

Der Anfang eines endlosen Massakers. Wer zu viel über diesen Macbeth weiß, muss sterben. Wer auch nur den Anschein von Widerspruch erweckt, erlebt den nächsten Tag nicht mehr. Bald wird es immer einsamer um den König, zerfressen ihn Machtgier und Misstrauen, wird er von Ängsten und Ahnungen gequält, tauchen Geister von Toten auf, verfällt Lady Macbeth dem Wahn und stirbt. Eines Tages rückt das Heer des überlebenden Königsohns Malcolm vor Schloss Dunsinane, angeführt von Macduff, der Rache für den Tod von Frau und drei Kindern will.

Ein grandioses, wuchtiges Drama aus Schlamm, Dreck, Dunkelheit und Blut. Ein lichtloses Epos um Schuld und Sühne, Macht und Männlichkeit, Gewissen und Gier, Willkür und Wahnsinn. Der australische Regisseur Justin Kurzel hat Shakespeares „Macbeth“ von 1606 gegeben, was dieser Griff von Shakespeare in die menschlichen Untiefen braucht.

Flammende Leinwand

Eigentlich schien nach der Version von Roman Polanski (1971) alles auserzählt und illustriert – bis Justin Kurzel kam. Der nahm nicht nur die Blankverse blank, der gab ihr auch eine drastische Bebilderung, der jede Art von Weichzeichner völlig fremd sind. Seit Kenneth Branaghs „Henry V.“ (1989) ist Shakespeare nicht mehr so explosiv, entfesselt und entflammt auf die Cinemascope-Leinwand gekommen.

Da leuchten die Schlacht-Panoramen rot. Da brennt die Landschaft im Aufeinandertreffen der Heere. Da kriecht Nebel durch die Kriegerreihen, die in Hass und Schmutz und aufeinander losgehen. Die Kämpfe sind so grandios fotografiert wie die Menetekel, die immer wieder durch sie hindurch gehen. Eine Welt, die aus jeder Ordnung geraten ist, taumelt am Abgrund, während glühende Feuerfunken als Regen über Bäume und Rüstungen niedergehen.

Mitten im Chaos: Michael Fassbender als Macbeth, der nicht anders kann als seinem mörderischen Schicksal zu folgen, das ihn in den Untergang treibt. Bis die winterlichen Wälder verkohlt sind und die Landschaft mit Leichen übersät ist. Das Zeichen, das der Tod von Lady Macbeth war, übersah Macbeth: Auch ihn führten Visionen ins Verderben. Für Seelen, die Trost suchen, ist dieser „Macbeth“ weiß Gott nichts.

Kulturpremiere am 25. Oktober, 17 Uhr, in den Passage Kinos Leipzig

Von Norbert Wehrstedt

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