Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur „Brüder Karamasow“ in Kurzfassung
Nachrichten Kultur „Brüder Karamasow“ in Kurzfassung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:00 16.03.2018
Nicht zimperlich: „Die Brüder Karamasow“ in der Mühlstraße. Quelle: Foto: André Kempner
Anzeige
Leipzig

Fjodor Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasow“ hat so ziemlich alles – einen selbstsüchtigen Vater, seine sehr unterschiedlichen Söhne, die Frauen, die diese Söhne lieben und Betrachtungen über die damalige russische Gesellschaft. Dazu kommen Überlegungen über Gut und Böse – und nicht zuletzt ein Mord. Der Mammutaufgabe, diesen Roman auf die Bühne zu bringen, stellte sich das Theater Eumeniden am Donnerstag bei ihrer Premiere in der Mühlstraße 14.

Die Eumeniden führen das Epos nicht zum ersten Mal auf, Premiere hatte es schon einmal vor rund zwei Jahren. Das Stück, bei dem Janna Kagerer Regie führt, ist aber inzwischen stark gekürzt von über vier auf etwa zwei Stunden. Das bedeutet natürlich, dass man Prioritäten setzen muss – denn so sehr sich Literaturfans wünschen, ihre Bücher exakt auf Leinwand oder Bühne gebracht zu sehen, es ist oft nicht möglich. In diesem Fall liegt der Fokus zunächst auf der Gerichtsverhandlung, die mit dem Eintreten des Hauptverdächtigen beginnt: Der älteste Sohn Dmitrij soll den Vater ermordet haben. Ihm folgen die anderen Charaktere, alle in Schwarz gekleidet. Dmitirij und sein Vater buhlen um eine Frau, Gruschenka. Es kommt zur Eskalation zwischen den beiden vor den anderen Brüdern, Iwan und Aljoscha. Dennoch will Dmitrij die Frau heiraten, muss dafür aber das Geld zurückzahlen, das er von seiner eigentlichen Verlobten Katerina erhalten hat. Aber hat er den Vater im Kampf um Geld und Liebe getötet?

Der minimalistische Bühnenaufbau ermöglicht eine gelungene Mischung aus Szenen der Verhandlung und Rückblenden, die zeigen was zuvor passiert ist. Während einige Stühle frontal zum Zuschauer stehen, sind die anderen an der Seite der Bühne entlang platziert. Die darauf sitzenden Darsteller sehen aus wie Geschworene. Das hat eine erzählerische Funktion: Genau wie große Teile der Geschichte befinden sich die Personen und Aspekte, die nicht beleuchtet werden, für das Publikum im Dunkeln. So entsteht ein interessanter Krimi mit der Frage, wer nun den Mord am alten Karamasow begangen hat. Zentrale philosophische Fragen des Buches, das jeden der Brüder als Verkörperung einer Idee zeigt, finden ebenfalls innerhalb des begrenzten zeitlichen Rahmens einen Platz. Es geht insbesondere um die persönlichen Bindungen, mit dem immer verständnisvollen Aljoscha als roter Faden, der von einem Botengang zum nächsten geht.

Die Handlung ist insgesamt spannend und nachvollziehbar, auch wenn es vereinzelt für Zuschauer ohne Vorwissen an Kontext fehlt. So taucht gegen Ende eine wichtige Figur auf – ohne Erklärung, wer genau sie ist. Trotz der Tragik gibt es dafür auch einiges zu lachen. Das liegt vor allem an der ausdrucksstarken und sehr witzigen Mimik von Katharina Geyer, die in dieser komplett weiblichen Besetzung den Dmitrij spielt. Hier sitzt alles bis zum letzten Augenrollen. Auch Lisa Pawula als Olga Chochlakowa sorgt durch ihre überdrehte Art für lustige Momente und bringt somit Kurzweil in den Vatermord.

Weitere Vorstellungen der „Brüder Karamasow“ am 22., 23. und 24. März um jeweils 20 Uhr in der Mühlstraße 14, Eintritt 10/ermäßigt 8 Euro.

Von Miriam Heinbuch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Kultur 60 Jahre „Love Me Do“ - Imagine... John Lennon würde noch leben

Vor 60 Jahren schrieben Lennon/McCartney ihren ersten gemeinsamen Song. „Love Me Do“ wurde ein Welterfolg. Zeit für ein Gedankenexperiment: Wäre John Lennon heute ein anstrengender Politrocker? Oder eine Stimme der Vernunft?

16.03.2018
Kultur Testen Sie ihr Wissen - Bilderquiz zur Leipziger Buchmesse

Ein unheimlicher Krieger, gelbe Bücher und ein Zauberspiegel: Finden Sie heraus, wo diese Bilder aufgenommen wurden?

16.03.2018

Clemens Setz nähert sich in seinem Buch „Bot“ dem Thema künstliche Intelligenz auf originelle Weise. Damit ist er auch auf der Leipziger Buchmesse zu Gast.

16.03.2018
Anzeige