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Nachrichten Kultur Bryan Adams verzaubert die Arena in Leipzig
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22:59 28.11.2018
In Bestform: Bryan Adams (l.) mit Gitarrenkollege Keith Scott bei seiner Ultimate Tour 2018 in der Arena in Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Es gab Zeiten, da haben Ankündigungen von letzten Tourneen genervt. Weil man sie nicht mehr ernst nehmen konnte. Paradebeispiele sind im Schlager Howard Carpendale, im Hardrock die Scorpions. Haben ordentlich Kohle gemacht mit melodramatischer Farewell-Attitüde, um nach einem Langeweilchen doch weiter zu machen. Konsequent sind vor allem die, die vorher nicht groß von Abschied sprechen. AC/DC zum Beispiel. So gesehen könnten sich Fans von Bryan Adams Sorgen machen, dass er bald in den Sack haut. Zwar ist der Kanadier erst 59, wirkte bei seinem Auftritt am Mittwochabend in Leipzig drahtig wie stets und hat nie ein Ende angekündigt – aber bei einem Typ wie dem weiß man nie.

Zumindest spielt er verstohlen mit dem Ende, wenn er seine Konzertreise „The Ultimate Tour“ nennt. Bekanntermaßen mag Adams kein Vor und Zurück, keine Sperenzchen – weder in seinen Texten oder in seinen Saitenläufen noch in seiner Fotografie, diesen sehr puren Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Alles ohne großen Schnickschnack.

Für diese Eigenschaft wird der Frauenschwarm geliebt, und genauso beginnt dieser Abend in der mit 7000 Menschen gefüllten Arena Leipzig, elf Jahre nach Adams’ letztem Besuch an der Pleiße. „Ultimate Love“, einer der wenigen neueren Songs auf der Setlist, knallt sofort in die Magengrube und beweist wieder mal, wie krachend Live-Konzerte des Stars sind, den Nörgler immer wieder als Schmuserocker abtun. Wobei Adams auch kräftig an dem Image feilte, als er Anfang der 1990er zu denen gehörte, die die Schnulzendichte über das gesunde Maß hinaus erhöhte: Nach dem Welthit „Everything I Do“, Soundtrack aus dem Costner-Hollywood-„Robin Hood“, und „Please Forgive Me“ gab es eine Menge zu vergeben, zumal zeitgleich eine US-Band aus New Jersey zu viel Schmalz zwischen die Saiten schmierte – der seichte Bon-Jovismus grassierte.

Bryan Adams Konzert in Leipzig am 28. November 2016.

Aber egal, hier und jetzt rockt Bryan, dass es ein Genuss ist. Auch für ihn und die Kollegen, alle in schwarzen Jacketts über Blues Jeans. Erstaunlich früh verballert er dabei zwei seiner mitreißendsten Party-Knaller: das treibende „Run To You“ und die Hymne an die Unschuld und Power der Jugend, „Summer of 69“.

Stücke mit klarem Sehnsuchts-, Höhepunkt- und Zugaben-Status als Aufwärmer – scheinbar ein dramaturgischer Fehler. Denn das Konzept des Abends gibt ihm Recht. Schließlich gibt’s noch „Back To You“ oder „The Only Thing That Looks Good On Me Is You“ – und ein intimes Finale.

Der im Privatenleben so zurückhaltende Veganer und Tierschützer ist auf der Bühne ein charmanter, witziger Entertainer, bringt die Leute zum Tanzen und hält ein Plädoyer für das Ausleben von Träumen. Die Menge johlt und feiert ihn dafür, vor allem aber für seine Soundtracks, die er in die Biografien der Anwesenden gespielt hat.

„Can’t Stop This Thing We Started“, die Knutschvorlage „Heaven“ oder „Somebody“. Und alles fließt von diesen irre druckvollen Stimmbändern, diesen vokalen Raspelspänen, mit denen man Autos abschmirgeln kann.

Bei seinen Soli biegt sich Adams in Rückenlage zum Fragezeichen, gestützt vom Sound seiner hervorragenden Band, allen voran Gitarrist Keith Scott. Zwischendurch und am Schluss steht er beim Akustik-Set ganz allein da, nur die Gitarre und er. Da bedient er sich bei The Crickets („I Fought the Law“) und covert „I Hear You Knocking“ von Smiley Lewis, ehe er die Show mit Eigenem beschließt und alle mit „All For Love“ nach Hause schickt. Behutsam und schmusig und melancholisch. Und wahrhaft berührend, schwelgerisch. Genau so, wie es die Nörgler hassen. Aber die sind ja nicht da.

Wenn es ein nächstes Mal gibt, dann gern trotzdem „Summer of 69“ wieder am Ende – mit hoffentlich nicht erneut elf Jahren zwischen den Leipziger Konzerten. Dann wäre der Typ 70. Aber eigentlich ... egal.

Tipp: Die Galerie Camera Work zeigt in Berlin Bryan Adams’ Foto-Ausstellung „Exposed“ vom 8. Dezember bis 9. Februar (Kantstraße 149).

Von Mark Daniel

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