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Buchmesse Leipzig beginnt mit wirtschaftlichem Optimismus und kulturpolitischer Hoffnung

Buchmesse Leipzig beginnt mit wirtschaftlichem Optimismus und kulturpolitischer Hoffnung

Am Mittwochabend wurde im Gewandhaus die Leipziger Buchmesse feierlich eröffnet - die Pressekonferenz am Mittag war geprägt von wirtschaftlichem Optimismus und kulturpolitische Hoffnung.

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Quelle: dpa

Die Wetterprognose ist eigentlich immer ein paar Worte wert auf der Eröffnungspressekonferenz der Leipziger Buchmesse. Diesmal sagt Martin Buhl-Wagner, er empfinde "ein leichtes Gefühl des entstehenden Regens".

Perfekt also für den Sprecher der Geschäftsführung der Leipziger Messe, ideal nämlich, um an vier Buchmessetagen in überdachten Hallen auf Entdeckungstour zu gehen. Hier darf ein Augenzwinkern mitgedacht werden, denn richtungsweisend ist die Wetterlage nicht.

Zumindest nicht die meteorologische. Die politische hingegen schon. Die hat Buhl-Wagner im Blick, wenn er eine Bestätigung dafür sieht, "dass Leipzig immer für eine öffentliche Diskussion stand zwischen Literatur und Politik". Und wenn er sagt, dem Wort werde wieder mehr Gewicht verliehen in diesen Tagen.

Alexander Skipis hätte es gern lauter. Als Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels lenkt er die Aufmerksamkeit auf Umsatzzahlen und Buchpreisbindung und nicht zuletzt auf die Meinungsfreiheit. Die sei nicht verhandelbar, sagt Skipis. Und sie "realisiert sich nur dann, wenn wir sie wahrnehmen und wenn wir sie verteidigen". Doch "wir alle" waren "in der Vergangenheit etwas zu leise", was die Verteidigung der Werte unserer Gemeinschaft angeht.

Am Mittag übergab er im Namen des Börsenverein einen Scheck von 1000 Euro zur Unterstützung des weißrussischen Verlegers Ihar Lohvinau. Der gilt als einer der wichtigsten unabhängigen Verleger Weißrusslands, ist wegen angeblich rechtswidrigen Verkaufs von Büchern zu einer Geldstrafe von umgerechnet 58 000 Euro verurteilt worden. Zudem bittet der Börsenverein den weißrussischen Präsidenten, die Strafe zurückzunehmen und dem Verleger die schon mehrfach beantragte Lizenz zu erteilen.

Was die Umsätze betrifft, zeigt sich Skipis deutlich optimistisch, Rückgänge von knapp zwei Prozent wie im vergangenen Jahr "beunruhigen überhaupt nicht". Vielmehr stimme froh, dass der stationäre Buchhandel seinen Anteil am Handel um knapp ein Prozent steigern konnte, was für Skipis die Bedeutung der kleineren Buchhandlungen am Ort unterstreicht. Digitalisierung und Internet wurden "als Chance für die Buchbranche erkannt und umgesetzt", da "haben wir unsere Hausaufgaben gemacht" und erkannt: "Wir können es besser als Amazon." Zudem seien sich "reflektierte Buchkäufer über die Konsequenzen ihres Kaufverhaltens im Klaren".

Weniger im Klaren sei man sich möglicherweise über die Bedeutung der Buchpreisbindung als Garant für Qualität und Vielfalt. Hier erwarte der Börsenverein von der EU-Kommission eine verbindliche Zusage, die Preisbindung aus den Verhandlungen zum Freihandelsabkommen auszuklammern. Sie sei auf dem zweitgrößten Buchmarkt der Welt (nach den USA) "Existenzgrundlage kultureller Vielfalt".

Von einer "sehr politischen" Buchmesse spricht deren Direktor Oliver Zille auch mit Verweis auf die Gäste aus Israel. Dem Land ist im 50. Jahr der deutsch-israelischen Beziehungen ein Schwerpunkt gewidmet, den über 40 Autoren gestalten, unter ihnen Amos Oz und Meir Shalev, die heute in der in der "Langen Nacht der deutsch-israelischen Literatur" im Schauspielhaus zu Gast sind. "Wir werden etwas erfahren über den Zustand der israelischen Gesellschaft", sagt Zille, "aber auch etwas über uns selbst". Er wünscht sich, dass "von unserer Messe ein Signal ausgeht" für das freie Wort, gegen Ausländerhass und Antisemitismus, für demokratische Werte. Und er hoffe auf "respektvoll und fair" geführte Debatten.

Sich auszutauschen über Standpunkte, vertraut zu machen mit der Literatur des jeweils anderen Landes - darin sieht auch Adi Farjon, Sprecherin der Botschaft Israels, eine Chance und die Buchmesse als "perfekte Möglichkeit".

Wie auch immer das Wetter nun tatsächlich wird - zum Beginn regnet es auch diesmal Preise. Beim Festakt zur feierlichen Eröffnung wurde gestern Abend im Gewandhaus der rumänische Autor Mircea Cartarescu mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung geehrt, ausgezeichnet für seinen Roman "Die Flügel", in dem Leipzigs Kulturbürgermeister Michael Faber eine "weltliterarische Sensation" sieht.

Heute Nachmittag entscheiden die Juroren, welche 3 der 15 Nominierten ab 16 Uhr die Preise der Leipziger Buchmesse in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essay und Übersetzung erhalten.

Um 10 Uhr öffnen sich die Türen auf der Neuen Messe - für vier Tage voller Optimismus und auch Nachdenklichkeit, Spaß am Buch, an der Literatur, an gewichtigen Worten und neuen Welten. Für ein starkes Gefühl des sich Regens.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.03.2015

Janina Fleischer

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