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Büchnerpreisträgerin Felicitas Hoppe fasziniert mit Witz und Sprache

Büchnerpreisträgerin Felicitas Hoppe fasziniert mit Witz und Sprache

Sie hätte gern ein rotes Porsche Cabrio. Und ein Plakat: Hoppe vor Sportwagen und darunter der Schriftzug: „Büchnerpreisträgerin". So träumt Felicitas Hoppe von Hoppe.

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Büchnerpreisträgerin Felicitas Hoppe.

Quelle: Armin Kühne

Leipzig. Manchmal spricht die Privatperson von der Schriftstellerin in der dritten Person. Doch schafft das überraschenderweise nicht Distanz, sondern Nähe. Im Mendelssohn-Saal des Leipziger Gewandhaus wächst Felicitas Hoppe dem Publikum geradezu ans Herz.

Zum Vergnügen trägt unbedingt auch Gastgeber Thomas Bille bei. Er pflegt am Montag in der von Volkshochschule und Sparkasse veranstalteten Reihe „Leipziger Gespräche", die im Übrigen ab sofort vom Manhattan Radio Trio musikalisch begleitet wird, die Kunst einer Unterhaltung, die kundig und souverän vom Privaten zum Literarischen kommt und dabei aktuelle Debatten streift. Er bezeichnet Hoppe als „schwierige Schriftstellerin", die nicht das tut, was erwartet wird. Womöglich wirkt sie genau aus diesem Grund so erfrischend.

„Gute Literatur funktioniert aus dem Unglück", sagt Hoppe, die als Kind ihren vier Schwestern und Brüdern eigene Geschichten vorlas, die so grausam waren, dass die Geschwister weinten. „Über das Glück lässt sich eigentlich gar nichts erzählen." Schreiben sei für sie Kommunikation und Abgrenzung zugleich.

Im Publikum sitzt Andreas Anter, heute Politikwissenschaftler an der Uni Leipzig, Mitte der 90er Lektor im Rowohlt-Verlag und dort Hoppes Entdecker, als er 1996 ihrem Prosa-Debüt „Picknick der Friseure" zur Veröffentlichung verhalf und der Autorin zum „Glückstag des Kindes, das glaubte, vom Unglück leben zu können".

Mit folgenden Sätzen betrat sie damals die literarische Bühne: „Kein Zweifel, mein Geliebter will nicht mehr Hand an mich legen, und es ist Zeit, daß ich mich nach neuen Handlangern umsehe. Ich ging auf die Straße und rümpfte die Nase, denn die hohe Kunst des Beweinens habe ich nicht gelernt." Anter hat, sagt er, sofort gedacht: „Das ist große Literatur!" Wegen eines bestimmten Tons, einer bestimmten Melodie in den Sätzen. Hoppe weiß, dass sie eine „Gabe für den richtigen Moment" hat. Zu wissen, wann ein Satz der richtige ist, habe mit Inhaltsgefühl zu tun und mit Musikalität.

All das beweist sie in ihren Romanen, Erzählungen und Essays. Und dazu einen besonderen Humor. Darum gab es für den ersten Kurzgeschichtenband den Aspekte-Literaturpreis, viele Auszeichnungen und Stipendien folgten, Hoppes Lieblingsehrung aber ist der Rattenfänger-Literaturpreis ihrer Heimatstadt Hameln, wo sie 1960 geboren wurde und in einer „wortreichen Familie" aufwuchs.

Am 27. Oktober bekommt Felicitas Hoppe den mit 50.000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis, weil, wie die Jury befindet, ihre „sensible und bei allem Sinn für Komik melancholische Erzählkunst das Geheimnis der Identität" umkreist. In „Hoppe" zum Beispiel, einer fiktiven Autobiographie, die „alles und nichts zugleich" ist. Was genau, „das entscheiden am Ende die Leser", sagt Hoppe, die sich in dem Buch selbst befragt über ihr Leben, ihre Arbeit. „Unser Leben ist zum großen Teil bestimmt von dem, was wir wünschen, träumen, gern getan hätten", sagt sie. Auch das: In einem roten, offenen Sportwagen durch die Gegend zu fahren, auf dem Rücksitz zwei Säcke voller Geld.

Janina Fleischer

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