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Buh-Rufe: Hartmann-Inszenierung von Clemens Meyers „Im Stein“ provoziert in Stuttgart

Buh-Rufe: Hartmann-Inszenierung von Clemens Meyers „Im Stein“ provoziert in Stuttgart

Die ersten gehen nach einer Stunde. Nach der Pause sind die Reihen im Stuttgarter Schauspielhaus deutlich gelichtet. Die Uraufführung der Bühnenfassung des preisgekrönten Rotlicht-Epos’ „Im Stein“ des Leipziger Autors Clemens Meyer provoziert und spaltet das Publikum.

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Die Bühnenfassung des preisgekrönten Rotlicht-Epos’ „Im Stein“ des Leipziger Autors Clemens Meyer wurde in Stuttgart uraufgeführt.

Quelle: Ilja DuronSchauspiel Stuttgartdpa

Stuttgart. Am Ende des weit ausholenden, streckenweise brutalen Stücks stellt sich der Autor am Samstagabend gegen Buh-Rufe, stürmt auf die Bühne und umarmt demonstrativ Regisseur Sebastian Hartmann, den früheren Intendanten des Centraltheaters Leipzig. Die Zuschauer, die dann noch bleiben, feiern die beiden und das Ensemble dann doch ausgiebig. 

„Im Stein“ ist eine tiefdunkle Reise in die Schattenwelt einer Großstadt im Osten Deutschlands. Nach der Wende boomt das Geschäft mit dem Sex. Es geht um Markt und Moral in einem gigantischen Wirtschaftszweig, um Aufstieg und Fall der Könige der Nacht. Um kaputte und aalglatte Unternehmer, um Alkohol, Drogen, Menschenwürde. Brutal, hundsgemein, teils surreal und erschütternd präzise wird das Geschäft mit der Prostitution beschrieben. Zu brutal? Zu grausam? Erinnerungen werden wach an den Skandal um das frühere Minderjährigen-Bordell in Leipzig und den sogenannten Sachsensumpf. „Aufschwung Ost auf die brutale Tour“, schrieb der „Spiegel“ zu Meyers Roman.

Meyer hat für sein 550 Seiten dickes Werk mehrere Auszeichnungen eingeheimst, darunter der Preis der Leipziger Buchmesse. „Im Stein“ stand auch auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Er wolle keine Bebilderung seines Romans auf der Bühne sehen, hat Meyer gesagt. Vielmehr wolle er „den Geist“ erkennen können. Den hat Hartmann aus seiner Sicht offenbar aus dem „Stein“ gemeißelt: Meyer springt am Ende auf die Bühne, umarmt Hartmann und reckt wieder und wieder den Gefällt-mir-Daumen in die Höhe.

„Literatur muss wehtun. Sonst ist es doch nichts wert“, hat Meyer mal gesagt. „Dafür kann ich auch ins Kino gehen“, sagt eine ältere Zuschauerin, die zur Pause ihre Sachen packt. In der Tat fühlt man sich fast die kompletten gut dreieinhalb Stunden wie in einem Kino. Die Handlung wird per Video auf einen riesigen, sich drehenden Quader projiziert. Gespielt ist aber nahezu alles live - allerdings auf engstem Raum im Quader. Im Stein, aus dem das Entkommen so verflucht schwer ist. Erst nach und nach wird das dem Zuschauer klar.   

An den Darstellern liegt es sicher nicht, dass der Unmut des traditionell liberalen und aufgeschlossenen Stuttgarter Theaterpublikums an diesem Abend ungewöhnlich deutlich ist. Manolo Bertling, Manja Kuhl, Horst Kotterba oder Holger Stockhaus spielen makellos, vor allem, wenn man dann weiß, dass eben doch alles live und nicht zusammengeschnitten ist. Tiefgehende und packende Monologe von Prostituierten über ihre Träume und Fantasien sind dabei. „Will nie wieder liegen. Will nie wieder unten sein“, sagt eine. Manches Mal fühlt sich der Betrachter auch in einer Endlosschleife gefangen.

lvz

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