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Buntmetal: In Flames, Papa Roach und Kollegen im ausverkauften Haus Auensee

Buntmetal: In Flames, Papa Roach und Kollegen im ausverkauften Haus Auensee

Ein international besetzter Buntmetal-Abend im ausverkauften Haus Auensee: Dem klassischen Metalcore von While She Sleeps aus Sheffield folgen Wovenwar aus dem kalifornischen San Diego.

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Ein Zeitreisender aus den 80ern würde auf dem Bild keine Metalband erkennen: Anders Fridén und Björn Gelotte von In Flames im Haus Auensee.

Quelle: André Kempner

Die sind der klangvolle Rest von As I Lay Dying, sie bieten mit blitzsauberem, harmonischem Satzgesang eine Art Melodie-Core an: sehr gekonnt und professionell, mit drei Gitarren nebst dem obligatorischen Bass auch breit aufgestellt.

Danach rocken Papa Roach den kompletten Kontrast. Sie gehörrten zu den Überfliegern des Nu Metal und haben, ohne die Ursprünge aus dem HipHop-Crossover vergessen zu lassen, eine Art Symbiose aus Ami-Punk und Hau-Drauf-Metal entwickelt. Beides hat mit dem dritten Akkord seine spieltechnische Grenze erfolgreich erreicht, ihre knackigen Songs brauchen auch nicht mehr für ihre Botschaft. Die Jüngeren im angenehm durchmischten Publikum drängen nach vorn, feiern die nahezu durchweg stadiontauglichen Refrains frenetisch ab. Die Älteren wippen interessiert mit, zeigen aber doch Skepsis ob der allzu einfachen Strickmuster.

In Flames aus Göteborg sind der Gegenentwurf dazu. Ihre Bandgeschichte hin zu den letzten Alben rechtfertigt das ungewöhnliche Stilgemisch im Vorprogramm: Sie waren Mitte der 90er mal die Vorreiter des Melodic Death Metal, haben seinerzeit den dunkelbösen skandinavischen Genrekollegen gezeigt, dass das alles sehr schön klingen kann mit zwei harmonisierten Lead-Gitarren wie weiland bei Iron Maiden. Inzwischen haben sie sich aller Stil-Grenzen entledigt.

Sänger und Kultfigur Anders Fridén kommt im weißen Hemd und mit Base-Cap auf die Bühne. Das allein ist schon Affront für jene, die der Düstermetal-Vergangenheit wegen gekommen sind. Er gönnt sich etliche Monologe, gänzlich posenfrei, mit seinem nicht zu übersehenden Oberlehrer-Image kokettierend.

Was die Band hinlegt, stellt alles vorherige weit in den Schatten. Die Gitarren finden immer noch zu herrlichen Unisono-Läufen, darunter rumpelt ein fetter Bass und ein Schlagwerker, der mit seinem unglaublichen Doublebass-Drumming die ganze Halle in abenteuerliche Tieftonschwingungen versetzt. Die stilistische Bandbreite der Songs reicht von der mitreißenden Ballade bis zum bitterböse durchgemeterten Todesblei: einfach sehr intelligenter Heavy Metal, wie er 2014 klingen darf und muss.

Von der schieren Brutalität der ersten Alben sind sie zu komplexer gemachten, in den Refrains dann schwer eingängigen - Kritiker meinen: gefälligen - Songs gekommen. Schwachpunkt: Sie haben, im Unterschied zu den Vorgängerbands, nur einen Sänger. Fridéns Stimme wird für die hymnischen Gesänge zunächst mit fettem Hall gestützt und dann meistens mit breiten Chören von der Festplatte untersetzt. Wer beim Metal noch die Ehrlichkeit in der Performance sucht, mag so etwas gar nicht. Aber der Gesamtsound klingt so eben nah am Tonträger, und die jubelnde Menge scheint's genau so hören zu wollen.

Typisch für In Flames: Sie verzichten auf die genreüblichen theatralischen Finals in den Stücken, das Ende ist immer abrupt. So auch im Konzert. Sie stehen noch auf der Bühne nach dem letzten Song, da wird bereits bei gleißender Blender-Beleuchtung AC/DC eingespielt. Zeichen für die Fans, dass hier nichts mehr zu holen ist und ein außergewöhnlicher Abend ein ebensolches Ende gefunden hat.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.10.2014

Lars Schmidt

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