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"Charmant scheitern": Die Leipziger Band Kühles Hemd im Interview

"Charmant scheitern": Die Leipziger Band Kühles Hemd im Interview

Mit der Begrüßung "Hey, Kühles Hemd" beginnt ein bitterböses Lied der Goldenen Zitronen über belanglosen Party-Smalltalk ("0:30, Gleiches Ambiente"). Kühles Hemd ist auch der betont uncoole Name einer vierköpfigen Leipziger Band, die am Sonnabend in der Kulturlounge im Leipziger Osten zu erleben ist, zusammen mit dem Duo Brome aus Berlin.

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"In Trümmern toben": Katja Berger und Daniel Hechler von der Band Kühles Hemd.

Quelle: www.thomasrommel.com

Leipzig. Frank Schubert sprach mit Sängerin und Gitarristin Katja Berger über deutsche Texte und dilettantische Auftritte vor schick gekleideten Kunststudenten.

Frage: Ihr bezeichnet eure Musik als "Artifical Non-Pop", singt aber wie die Goldenen Zitronen auf Deutsch. Sind die Hamburger für euch ein Vorbild?

Katja Berger:

Die Goldenen Zitronen sind auf jeden Fall eine Band, auf die wir uns alle einigen können. Die Art des Gesangs, des Sprechens, wie Schorsch Kamerun das macht, ist schon interessant für uns. Obwohl man es natürlich nicht nachmachen will. Immer wenn unsere Musik zu sehr nach den Goldenen Zitronen klingt, muss was geändert werden.

Seht ihr euch auch als eine politische Band?

Nein, gar nicht. Unsere Themen sind eher Alltagserfahrungen und der ironische Blick darauf. Unserem zweiten Gitarristen Daniel, der die Texte schreibt, geht es auch darum, was man mit der Sprache machen kann. Im Englischen findet man einfacher Reime. Dadurch wird es aber auch schneller beliebig. Eines unserer neuesten Lieder ist "Torpedos tapezieren". Das besteht aus lauter Alliteration wie "charmant scheitern" und "in Trümmern toben". Ein anderes heißt "Gisela", nach der Schriftstellerin Gisela Elsner.

Lehnt ihr als Band auch mal einen Text ab?

Es ist eher andersrum. Daniel kommt mit irgendeiner Textzeile, die wir gut finden. Und dann sagt er: Nein, kann man nicht machen. Wenn er sich durchringt, dass ein Text gut genug ist, dann sind wir alle ganz froh. Je länger es uns gibt, um so schwerer tun wir uns mit den Texten. Vielleicht weil einige Themen schon so abgegrast sind. Ein Stück heißt "Sandy Rules The Fashion Shop With Her Iron Fist". Das ist das einzige Lied ohne Text - das darf ausnahmsweise einen englischen Titel haben.

Seit wann gibt es Kühles Hemd?

Daniel und ich haben uns beim Studium kennengelernt. Wir beide machen das seit 2003, als vierköpfige Band gibt es uns seit so 2005. Über die lange Zeit hat sich die Konstellation dann durch Wegzug, Kinderkriegen und so weiter alle paar Jahre mal geändert. Gerade die Schlagzeuger haben relativ oft gewechselt. Daniel ist vor vier Jahren auch nach Berlin gezogen. Er kommt einmal in der Woche nach Leipzig zum Proben, oder versucht es zumindest.

Tretet ihr deshalb nicht so häufig auf?

Das hat tatsächlich etwas mit den häufigen Wechseln und den schwierigen Terminabsprachen zu tun. Außerdem war es nie unser Anliegen, mit der Band so viele Auftritte wie möglich zu machen oder damit Geld zu verdienen. Wir sind schon eher eine Proberaumband. Es geht darum, sich regelmäßig zu treffen und mal was anderes zu machen als was man so alltäglich tut. Inzwischen ist es eher unser Schlagzeuger Miguel, der Druck macht. Der hat mit Mount Fuji noch eine andere Band, die treten viel öfter auf.

Gibt es ein Konzert, an das du dich besonders gern erinnerst?

Mein Lieblingsauftritt war im Ortloff, zu einer Ausstellungseröffnung von HGB-Studenten. Das war irgendwie cool, weil wir so dilettantisch daherkamen und das schick angezogene Publikum am Anfang recht irritiert war. Zum Schluss haben wir aber fast alle rumgekriegt. Unsere Musik reibt sich zwar daran, passt aber von der Art der Texte und der Sichtweisen, die sich darin widerspiegeln, doch ganz gut in so einen Kunstkontext.

Kühles Hemd und Brome, Sonnabend, 21 Uhr, Kulturlounge (Dresdner Straße 25)

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.12.2013

Frank Schubert

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