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Kultur Charmantes Kuriositätenkabinett: Compagnie „Convoy Exceptionell“ im Schönauer Park
Nachrichten Kultur Charmantes Kuriositätenkabinett: Compagnie „Convoy Exceptionell“ im Schönauer Park
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07:00 03.07.2017
Familiäre Atmosphäre in der Manege: der „Convoy Exceptionell“. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Auf der Wiese im Schönauer Park steht seit dem Wochenende ein kleines, rotes Zirkuszelt. Geht man durch die Pforte des abgesteckten Geländes, ist das wie der Eintritt in eine andere Welt. Mehrere alte Laster im Stil amerikanischer Schulbusse umrahmen den Platz. Der älteste von ihnen ist 61 Jahre alt, noch fahrtüchtig und beherbergt jetzt ein niedliches Café. Ein Blick auf die anderen Wagen verrät, dass dort gerade noch gespielt, geschlafen, gewaschen und gegessen wurde. Hier hat der „Convoy Exceptionell“ sein Lager aufgeschlagen.

Wer sich darauf einlässt, besucht im Schönauer Park nicht nur eine Zirkus-Show, sondern erhascht ein bisschen vom freien Lebensgefühl des „fahrenden Volks“. Noch bevor die Vorstellung beginnt, laufen einige der Akteure musizierend über die Wiese und begrüßen die eintreffenden Gäste. Im Lastercafé versorgt Page James die Leute mit selbst gebackenen Keksen und Heißgetränken. Nina, Organisationstalent und gute Seele des Zirkus, kümmert sich um die Eintrittskarten. Im biologischen Sinne ist die Theater- und Zirkuscompagnie „Convoy Exceptionell“ zwar nicht ganz ein Familienbetrieb. Trotzdem – und trotz Dauerregens am Samstagabend – erfüllt eine warme, familiäre Atmosphäre das ganze Lager.

Das Programm, das die insgesamt sechs Darsteller plus Zirkushund Jester in der Manege aufführen, heißt „Die Hoffnung stirbt zuletzt“. Im Dienste der eher losen theatralen Rahmenhandlung stirbt der Zirkusdirektor zuerst. Die hinterbliebenen Akteure versuchen anschließend, die Show in seinem Sinne am Laufen zu halten. Da ist Chaos und reichlich Klamauk programmiert.

Kurioses Potpourri

Die Bandbreite der Showeinlagen reicht von skurrilem Blödsinn über traditionelle Zirkuselemente bis hin zu überraschend witzigen Ideen. Altmeister Bobarino Gravittini beeindruckt mit waghalsiger Jonglage. Page James zeigt professionellen Ausdruckstanz, den man ihm zuletzt zugetraut hätte. Und „Pikey the Clown“ balanciert auf einem komplett durchhängenden Seil durch die Manege – das hat man wirklich noch nicht gesehen. Noch dazu besteht das ganze Ensemble aus Multiinstrumentalisten, die mit Flaschen, Gläsern, Schraubschlüsseln und Sägen den Soundtrack zur Show spielen.

Dieses kuriose Potpourri bringt die Kleinsten genauso wie die Großen im Zirkuszelt zum Lachen. Es passt aber auch nur genau in diesen Rahmen, denn daraus zieht der „Convoy Exceptionell“ seinen riesigen anarchischen Charme. Natürlich kann man die Show mit keiner größeren Produktion vergleichen. Aber dadurch, dass alles so klein und nahbar ist, fühlt man sich mittendrin in der Zirkuswelt. Das Setting erinnert an die magische Zeit der Wandertheater und stimmt einen ganz nostalgisch. Man merkt die Leidenschaft, die in den ganzen selbstgemachten Requisiten steckt. Und besonders sympathisch ist, dass sich die Compagnie selbst nicht zu ernst nimmt. Läuft mal was schief – was soll‘s? Wenn zum Beispiel der goldige Zirkus-Nachwuchs plötzlich in der Manege steht, gehen den Zuschauern nur noch mehr die Herzen auf.

Der „Convoy Exceptionell“ gastiert noch bis 16. Juli im Schönauer Park. Vorstellungen: 6. Juli, 20 Uhr; 7./8. Juli, je 16 & 20 Uhr; 9. Juli, 11 & 19 Uhr; 13. Juli, 20 Uhr; 14./15. Juli, je 16 & 20 Uhr; 16. Juli, 11 & 19 Uhr, Reservierung 01577 1104699, Eintritt Hutspende, www.convoy-exceptionell.com

Von Friederike Ostwald

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