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"Claudio hat mich durchs Leben getragen" - Chailly im Interview über Abbado

"Claudio hat mich durchs Leben getragen" - Chailly im Interview über Abbado

1974 holte Claudio Abbado den damals 21-jährigen Riccardo Chailly als seinen Assistenten und Kapellmeister an die Mailänder Scala. Es folgten entscheidende Jahre für den heutigen Gewandhauskapellmeister.

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War an der Scala Abbados Assistent: Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly.

Quelle: dpa

Leipzig. Riccardo Chailly spricht im Interview über seinen Freund und Mentor Claudio Abbado.

Frage:

Wie haben Sie vom Tod Claudio Abbados erfahren?

Riccardo Chailly:

Ich bin heute Morgen erst aus Paris, wo eine Tournee mit den Wiener Philharmonikern endete, heimgekehrt nach Mailand. Da erreichte mich aus der Scala die Nachricht von Claudios Tod. Ich bin sehr traurig.

Was bedeutete Abbado für Sie als Dirigent?

Beinahe alles. Ich war in den 70ern sein Assistent an der Mailänder Scala. Er hat die Fundamente gelegt für meine Arbeit. Die Welt von Brahms und Beethoven, von Bruckner und Mahler. Meine Liebe zu Mahler hat er ganz konkret begründet.

Wie?

Es war in den frühen 70ern. Es gab ein Mahler-Festival in Mailand. Claudio sagte beiläufig zu mir: Heute probt Seiji Ozawa eine Sinfonie Gustav Mahlers, da solltest du dabei sein. Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich einließ. Dann probte Ozawa die Achte - und es hat mich überwältigt. Die Emotionen waren stärker, als ich verkraften konnte. Ich war fix und fertig und habe geweint. Seither hat das Werk mich nicht mehr losgelassen. Und auch die übrigen Sinfonien haben mich seitdem immer begleitet. Aber auch weit darüber hinaus: Claudio verdanke ich tiefe Einblicke, und die Erfahrungen, die ich mit ihm sammeln durfte, sie tragen mich noch heute durch mein Leben als Dirigent. Man kann ohne Übertreibung sagen: Claudio hat mich durchs Leben getragen. Später sind wir Freunde geworden, haben uns oft getroffen. Er war immer da, wenn ich einen Rat brauchte. Er hinterlässt eine große Lücke in meinem Leben. Und er hinterlässt eine riesige Lücke im Kulturleben Italiens und im Musikleben der ganzen Welt. Eine Lücke, die niemand schließen kann.

Wann haben sie ihn das letzte Mal getroffen?

2012, da hat er an der Scala, nach vielen Jahren der Abstinenz von diesem Haus, an dem wir einst gemeinsam gearbeitet haben, Mahlers Sechste dirigiert. Ich bin froh, dass ich das miterleben durfte, es war eine grandiose, eine sehr bewegende Aufführung. Hinterher haben wir uns noch gesehen, haben uns noch umarmt. Es war ein sehr schönes, ein menschlich sehr warmes Treffen. Aber dass es gerade an der Scala stattfand, erfüllt mich nun doppelt mit Trauer.

Warum?

Ich hatte gehofft, ihn noch einmal gewinnen zu können für ein Operndirigat an der Scala, deren Chefdirigent ich ja 2015 werde. Bereits auf meiner ersten Pressekonferenz habe ich angekündigt, all die Dirigenten wieder ans Pult holen zu wollen, die musikalisch prägend waren für dieses Opernhaus: Maestro Riccardo Muti, Maestro Daniel Barenboim und vor allem natürlich meinen Freund Claudio. Ich hatte so gehofft, dass er noch einmal zurückkommt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.01.2014

Peter Korfmacher

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