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Clueso gibt alles im Haus Auensee

Konzert in Leipzig Clueso gibt alles im Haus Auensee

Wenn Clueso in Leipzig ein Konzert gibt, ist das quasi ein Heimspiel: Man liebt den gebürtigen Erfurter hier. Zum „Neuanfang“ mit dem Album selben Namens gastierte der 37-Jährige am Freitag im rappelvollen Haus Auensee.

Hin und weg: Clueso-Fans am Freitag im Haus Auensee.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Berlin, Stuttgart, Würzburg, Bielefeld – und am Freitag das Haus Auensee in Leipzig. Nach seiner Clubtour geht Text- und Tonkünstler Clueso 2017 mit seinem aktuellen Album „Neuanfang“ auf Hallentour. Seit dem 24. September ist der 37-Jährige mit seiner Band unterwegs, und man merkt ihm keinen einzigen der sicher anstrengenden Konzerttermine an: Sobald er die ersten Takte singt, liefert er.

Zu „Ich hol mir neue Luft“ tritt er auf die Bühne, im Hintergrund bestrahlt von wogendem Wasser auf Leinwand. Und Singen ist für ihn wie Luftholen: selbstverständlich, entspannt. Gerade mit diesem Song schafft er eine gute Basis für das Konzert. Der ruhige, wogende Beat lässt fast die Augen schließen und in der Musik versinken wie im Wasser auf der Leinwand. Clueso ist einer dieser Künstler, der bei Konzerten nicht Protz, Prunk und Performance in den Fokus rückt, sondern einfach nur die Musik. Das unterstreicht er, indem er immer wieder Gastkünstler auf die Bühne holt oder seine Bandmitglieder namentlich sowie solistisch in den Vordergrund rückt.

Ein großer Gänsehautmoment und eine ruhige Oase im Trubel des Konzerts ist die Ballade „Wenn du liebst“, die er mit der australisch-berlinerischen Künstlerin Kat Frankie singt. Bittersüße Zwischentöne und der melancholische Text über Trennung trotz Zusammenhalt beweisen, dass die musikalische Chemie zwischen den beiden stimmt. „Sie gehört schon zur Familie“, stellt Clueso fest, als sie in das Licht der Scheinwerfer tritt.

In der ersten Hälfte des Abends wechselt er zwischen Songs, die auf dem neuen Album zu finden sind und Stücken, die vor allem die Fans der ersten Stunde abholen. Fröhliche Beats wie bei „Keinen Zentimeter“, bei denen Clueso die Textsicherheit der Konzertbesucher auf den Prüfstand stellt, werden abgelöst von Brass-gestützten, loungigen Sounds in „Wir wollen Sommer“. Die zweite Hälfte reserviert er für ältere und untypischere Lieder, wie „Cello“, das er zusammen mit Udo Lindenberg aufgenommen hatte. Auf amüsante Art und sehr locker erzählt er ein paar Anekdoten zu seinem „großen Bruder in Berlin“, imitiert Lindenbergs typische Sprechweise perfekt und erntet damit wechselweise Gelächter und Applaus.

Zu seinem neuen Lied „Anderssein“ holt er nicht nur erneut Kat Frankie auf die Bühne, sondern auch seinen Support, Rapper und Sänger Chefket. Innerhalb des Liedes lässt er beiden Künstlern den Freiraum zu glänzen: Frankie mit ihrer weichen Stimme und honigwarmem Timbre, Chefket mit bemerkenswert schnellen Lines. Der Rapper mit türkischen Wurzeln überzeugt mit gesellschaftskritischen oder emotional tiefen Texten, könnte aber den Start in den Abend als Vorband musikalisch dichter gestalten und auf ein paar Alleinunterhalter-Nummern mit gezwungener Publikumsanimation verzichten – das Potenzial dazu hat er. Er gehört zu den wenigen Rappern, die in Sekunden von schnellem, äußerst verständlichem Rap zu einer weichen, angenehm soulbehafteten Singstimme wechseln können. Bei „Rap & Soul“ oder „Lass uns fliegen“ zeigt er, dass Deutschrap textlich nicht immer unter die Gürtellinie gehen muss.

Nach eineinhalb Stunden hat man immer noch nicht das Gefühl, dass Clueso müde wird, für die Menge zu singen, er zieht Kraft aus der Begeisterung seiner Zuhörer. Nach seinem eigentlichen Schlusspunkt „Gewinner“ spielt er trotzdem noch eine Zugabe nach der anderen und will nicht aufhören: „Ich könnte das ganze Konzert noch mal von vorne spielen!“. „Zu schnell vorbei“ denken sich sicher seine Fans, müssen aber nach „Barfuß“ trotzdem den Heimweg antreten – heiser gesungen, aber glücklich.

Von Katharina Stork

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