Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Clueso gibt alles im Haus Auensee
Nachrichten Kultur Clueso gibt alles im Haus Auensee
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:20 08.10.2017
Ein wahrhaft bunter Abend: Clueso, Band und Gäste beglücken ihre Fans im vollen Haus Auensee. Quelle: Foto: Christian Modla
Anzeige
Leipzig

Berlin, Stuttgart, Würzburg, Bielefeld – und am Freitag das Haus Auensee in Leipzig. Nach seiner Clubtour geht Text- und Tonkünstler Clueso 2017 mit seinem aktuellen Album „Neuanfang“ auf Hallentour. Seit dem 24. September ist der 37-Jährige mit seiner Band unterwegs, und man merkt ihm keinen einzigen der sicher anstrengenden Konzerttermine an: Sobald er die ersten Takte singt, liefert er.

Zu „Ich hol mir neue Luft“ tritt er auf die Bühne, im Hintergrund bestrahlt von wogendem Wasser auf Leinwand. Und Singen ist für ihn wie Luftholen: selbstverständlich, entspannt. Gerade mit diesem Song schafft er eine gute Basis für das Konzert. Der ruhige, wogende Beat lässt fast die Augen schließen und in der Musik versinken wie im Wasser auf der Leinwand. Clueso ist einer dieser Künstler, der bei Konzerten nicht Protz, Prunk und Performance in den Fokus rückt, sondern einfach nur die Musik. Das unterstreicht er, indem er immer wieder Gastkünstler auf die Bühne holt oder seine Bandmitglieder namentlich sowie solistisch in den Vordergrund rückt.

Ein großer Gänsehautmoment und eine ruhige Oase im Trubel des Konzerts ist die Ballade „Wenn du liebst“, die er mit der australisch-berlinerischen Künstlerin Kat Frankie singt. Bittersüße Zwischentöne und der melancholische Text über Trennung trotz Zusammenhalt beweisen, dass die musikalische Chemie zwischen den beiden stimmt. „Sie gehört schon zur Familie“, stellt Clueso fest, als sie in das Licht der Scheinwerfer tritt.

In der ersten Hälfte des Abends wechselt er zwischen Songs, die auf dem neuen Album zu finden sind und Stücken, die vor allem die Fans der ersten Stunde abholen. Fröhliche Beats wie bei „Keinen Zentimeter“, bei denen Clueso die Textsicherheit der Konzertbesucher auf den Prüfstand stellt, werden abgelöst von Brass-gestützten, loungigen Sounds in „Wir wollen Sommer“. Die zweite Hälfte reserviert er für ältere und untypischere Lieder, wie „Cello“, das er zusammen mit Udo Lindenberg aufgenommen hatte. Auf amüsante Art und sehr locker erzählt er ein paar Anekdoten zu seinem „großen Bruder in Berlin“, imitiert Lindenbergs typische Sprechweise perfekt und erntet damit wechselweise Gelächter und Applaus.

Zu seinem neuen Lied „Anderssein“ holt er nicht nur erneut Kat Frankie auf die Bühne, sondern auch seinen Support, Rapper und Sänger Chefket. Innerhalb des Liedes lässt er beiden Künstlern den Freiraum zu glänzen: Frankie mit ihrer weichen Stimme und honigwarmem Timbre, Chefket mit bemerkenswert schnellen Lines. Der Rapper mit türkischen Wurzeln überzeugt mit gesellschaftskritischen oder emotional tiefen Texten, könnte aber den Start in den Abend als Vorband musikalisch dichter gestalten und auf ein paar Alleinunterhalter-Nummern mit gezwungener Publikumsanimation verzichten – das Potenzial dazu hat er. Er gehört zu den wenigen Rappern, die in Sekunden von schnellem, äußerst verständlichem Rap zu einer weichen, angenehm soulbehafteten Singstimme wechseln können. Bei „Rap & Soul“ oder „Lass uns fliegen“ zeigt er, dass Deutschrap textlich nicht immer unter die Gürtellinie gehen muss.

Nach eineinhalb Stunden hat man immer noch nicht das Gefühl, dass Clueso müde wird, für die Menge zu singen, er zieht Kraft aus der Begeisterung seiner Zuhörer. Nach seinem eigentlichen Schlusspunkt „Gewinner“ spielt er trotzdem noch eine Zugabe nach der anderen und will nicht aufhören: „Ich könnte das ganze Konzert noch mal von vorne spielen!“. „Zu schnell vorbei“ denken sich sicher seine Fans, müssen aber nach „Barfuß“ trotzdem den Heimweg antreten – heiser gesungen, aber glücklich.

Von Katharina Stork

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Kultur Nach Brandbrief gegen AfD - Berliner Intendant bekommt Morddrohungen

Hassmails von der einen Seite, lauter Beifall von der anderen: Der Chef des Revuetheaters löst mit seiner Kritik an der AfD heftige Diskussionen aus.

07.10.2017

Nach zwei EPs in fünf Bandjahren nun der große Wurf: Mit dem Debüt „Dass ihr Superhelden immer übertreibt“ legt Karl die Große das beste Leipziger Popalbum seit der h-moll-Messe vor.

07.10.2017

Die türkische Schriftstellerin Asli Erdogan und der in der Türkei inhaftierte deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel haben am Freitag in Leipzig den „Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien“ erhalten. „Gefängnis ist wie Krieg“, sagte Erdogan, die im vergangenen Jahr fast fünf Monate inhaftiert war.

07.10.2017
Anzeige