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Cornelia Lotter stellt am Freitag ihren Leipzig-Krimi "Gottesgericht" vor

Cornelia Lotter stellt am Freitag ihren Leipzig-Krimi "Gottesgericht" vor

Sie versteckt sich unter Perücken und hinter farbigen Kontaktlinsen. Sie schläft in einem Loch, tief in den Eingeweiden einer Industrieruine. Sie ist Kirsten Stein, die neue Heldin im Reich der Leipziger Regionalkrimis.

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Cornelia Lotter: Gottesgericht - Ki und die Schatten der Vergangenheit. fhl Verlag, Leipzig; 235 Seiten, 12 Euro

Quelle: fhlVerlag

Autorin Cornelia Lotter setzt sie in ihrem ersten Abenteuer gleich einem "Gottesgericht" aus, und wurde für ihr Manuskript im November mit dem 1. Leipziger Krimipreis ausgezeichnet. Der beinhaltet die Veröffentlichung des Romans im Leipziger fhl-Verlag.

Lotter ist mutig. Sie stellt dem Leser ihre Hauptfigur zuerst als Opfer vor. Kirsten Stein - genannt Ki - ist in Leipzig abgetaucht, um sich den paranoiden Besitzansprüchen ihres Ex-Freunds für immer zu entwinden. Bei einer Messerattacke wäre sie fast ums Leben gekommen. Geblieben sind Narben und ein merkwürdiges Dasein zwischen Gewalt und Latte macchiato. Ihren Lebensunterhalt verdient Ki als Detektivin. Als zwei ihrer Klienten ermordet werden, ahnt sie, dass ihr Ex ihr wieder auf den Fersen ist.

Bei all dem spielt die Stadt Leipzig immer mit. Plagwitz mit seinen Industriebrachen und der Künstlerszene in der Alten Baumwollspinnerei beschreibt Lotter authentisch. Schönster Kniff: Das Café Mule, Kirsten Steins Lieblingsort, wird saniert und verliert nach und nach die Buchstaben seines Schriftzugs. Verändern, zerkratzen, verschwinden - das passt zur Heldin und zur Handlung.

Andere Orte bleiben Staffage. Ein Besuch in der Thomaskirche hat etwas von Pflichtübung, und die Reflexion über Atheismus und Religion in der DDR nimmt Tempo aus der Handlung. Überraschend, wie in die nüchtern erzählte Story immer wieder Schockeffekte platzen, und die Heldin mit gekreuzigten Katzen und übel zugerichteten Leichen konfrontiert wird.

Lotter bürdet der Story in 236 Taschenbuchseiten einiges auf, und dafür muss ihre Heldin breite Brust machen. Ki hat eine Vergangenheit als Domina und als Anwärterin der Polizeischule, überlebte eine Vergewaltigung und den Mordversuch ihres Ex-Freundes. Zusätzlich erklärt sie als gelernte DDR-Bürgerin dem Leser die Zeitgeschichte, inklusive Ausreise über die Prager Botschaft.

Aber irgendwie findet die Tübinger Autorin, die selbst 1984 von Weimar in den Westen übersiedelte, im Laufe der Erzählung ihren Rhythmus. Das liegt vor allem an Martin Bender. Der Leipziger Hauptkommissar wird erst schablonenartig als einsamer Wolf mit Liebe zur italienischen Oper etabliert. Im gegenseitigen Belauern und mit aufkeimender Sympathie gewinnen Ki und der Kommissar aber endlich an Menschlichkeit. Gerade rechtzeitig, um beim Showdown gebührend mitzuleiden.

Ki darf weiter in Leipzig ermitteln: Der zweite Krimi-Band ist in Arbeit. "Eltertränen - Ki und die verlorenen Kinder" wird wieder im fhl-Verlag erscheinen. Der Leser darf hoffen, dass die Autorin sich nun von Pflichterklärungen zur Stadt und zur Heldin befreit fühlt. Dann kann sie ihrer Story vertrauen und erzählen.

 

 

Buchpremiere: Cornelia Lotter liest am 22. März, 20.15 Uhr, in der Leipziger Buchhandlung Hugendubel (Petersstraße 12-14) aus "Gottesgericht - Ki und die Schatten der Vergangenheit".

 

 

Cornelia Lotter: Gottesgericht - Ki und die Schatten der Vergangenheit. fhl-Verlag, Leipzig; 235 Seiten,12 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.03.2013

Evelyn ter Vehn

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