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Kultur Daniel Kehlmann schreibt „Lob über Literatur“
Nachrichten Kultur Daniel Kehlmann schreibt „Lob über Literatur“
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08:00 20.07.2010
Daniel Kehlmann, aufgenommen am 14. März 2009 auf der Buchmesse Leipzig. Quelle: Andreas Döring
Berlin

15 seiner jüngsten Kritiken, Aufsätze, Festreden und Vorlesungen hat der Rowohlt-Verlag jetzt gesammelt unter dem Titel „Lob. Über Literatur“ herausgegeben. Darunter ist auch die Eröffnungsrede bei den Salzburger Festspielen 2009, in der Kehlmann mit einer harschen Kritik am deutschen Regietheater für Wirbel in der Kulturszene sorgte. Es ist der zweite solche Sammelband, nachdem 2005 bereits „Wo ist Carlos Montúfar? Über Bücher“ erschien.

Auch diesmal geht es wieder um die Großen der Literaturgeschichte: Von Thomas Bernhard über Samuel Beckett und Thomas Mann bis hin zu Shakespeare - und der ist für Kehlmann der allergrößte: „Shakespeare ist so absurd gut, dass das eigene Literatendasein gemessen an ihm sofort fraglich erscheint.“

Klug und belesen scheut sich Kehlmann nicht, über große Schriftsteller zu schreiben und zu urteilen. Meistens fallen die Urteile aber positiv und wenig überraschend aus. So ist beispielsweise der „Roman eines Schicksallosen“ des Nobelpreisträgers Imre Kertész auch für Kehlmann ein „Werk, das nicht untergehen wird, solange Menschen Bücher lesen.“

Aber der 1975 in München geborene Kehlmann schreibt nicht nur über andere, sondern erzählt in mehreren im Buch abgedruckten Vorlesungen auch von sich selbst und seinen Schwierigkeiten mit der Schriftstellerei. „Es ist ein seltsamer Beruf. Ein wenig lächerlich für einen erwachsenen Menschen. Sie sitzen daheim und denken sich Geschichten aus, die nie passiert sind.“

Dass für ihn trotzdem nie etwas anderes in Frage kam, versteht sich von selbst, aber unverstanden fühlt sich Kehlmann immer noch:

„In meinen Romanen ging es mir immer um das Spiel mit der Wirklichkeit ... und es gehörte zu meinen bedrückendsten Erlebnissen als Schriftsteller, dass so etwas in Deutschland einfach nicht verstanden wird.“

Überhaupt komme man in Deutschland als Schriftsteller ja so gut wie nie zum Schreiben, weil man ständig interviewt werde. „Das deutsche Literaturmilieu ist in ingeniösester Weise darauf ausgerichtet, Menschen von der Literaturproduktion abzuhalten“, klagt Kehlmann. Und sind es nicht die Journalisten, dann sind es die Leser, die beispielsweise falsch angewendete Konjunktive kritisieren, so wie sie in Filmen falsche Uniformen kritisieren. „Uniformen und Konjunktive, da kommt der deutsche Kulturkonsument in Rage.“

Kehlmann erzählt auch von seinen schwierigen Anfängen. Nach der Veröffentlichung seines ersten Romans „Beerholms Vorstellung“ sei er von seiner Agentin gebeten worden, für zwei Tage zu Presseterminen nach München zu kommen. Aber damals wollte ihn noch niemand interviewen - so dass Kehlmann unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren musste. Sein nächstes Buch - „Unter der Sonne“ - wurde vom Verlag versehentlich nicht in das Verzeichnis Lieferbarer Bücher eingetragen - und war damit erstmal gar nicht zu kaufen.

Erst 2003 kam mit „Ich und Kaminski“ der Durchbruch für Kehlmann. Zwei Jahre später gelang ihm mit „Die Vermessung der Welt“ ein Bestseller, der in mehr als vierzig Sprachen übersetzt wurde.

Aber auch der plötzliche Erfolg war nicht immer einfach für den zurückgezogen in Wien und Berlin lebenden Autor. „Der Ruhm ist ... eine Glückskatastrophe, die bewirkt, dass man es dann, zumindest für eine Weile, weniger mit Freuden und Qualen der Formulierung zu tun hat als mit chinesischen Raubdrucken, mit katalanischen Fehlübersetzungen und mit Steuerprüfern.“

Daniel Kehlmann, Lob. Über Literatur

Rowohlt Verlage, Reinbek

192 Seiten

18,95 Euro

ISBN 9783498035488

Christina Horsten, dpa

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