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Kultur „Das Blut so laut“: 45 Jahre City und ein vertontes Testament
Nachrichten Kultur „Das Blut so laut“: 45 Jahre City und ein vertontes Testament
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21:58 04.04.2017
Die Band City wird in diesem Jahr 45. Quelle: dpa
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Leipzig

Das Volkslied „Der Mond ist aufgegangen“, das vertonte Testament einer Lyrikerin und ein Roadmovie mit einem Mörder: Diese Mischung findet sich auf einem neuen Rock-Album aus Berlin, das diesen Freitag erscheint. Es ist die 15. Platte der Band City. Die fünf Musiker, die alle über 60 sind und überhaupt nicht ans Aufhören denken, feiern in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen: Den 45. Geburtstag der Band und den 40. Geburtstag ihres größten Hits „Am Fenster.“

Sänger Toni Krahl (67) sagt am Dienstag bei der Präsentation des Albums: „Die Jahre sind ins Land gezogen und auch an uns nicht spurlos vorbeigegangen.“ Der Glatzkopf mit der prägnanten rauchigen Stimme und seine vier ebenfalls kahlköpfigen Kollegen wirken aber immer noch jünger, als sie sind. In Jeans und Lederjacke oder Jackett stecken durchtrainierte Körper. Am 28. April beginnt die Tour in Schwerin.

Das Album heißt „Das Blut so laut“. Das ist eine Zeile aus dem Hit „Unter der Haut“ aus dem Jahr 1983. Der neue Song ist quasi dessen Fortsetzung, aber: „Wir sind inzwischen erwachsen geworden, reifer. Es gibt mehr Themen, die uns heute interessieren - nicht nur die Schönheit der Weiblichkeit“, erklärt Krahl dazu. „Die Platte hat eine ziemliche Breite. Das geht von der kryptischen Lyrik von Hildegard Maria Rauchfuß bis zu ein paar Geschichten aus dem Alltag, die jeder erlebt haben könnte.“

Leipzigerin schrieb "Am Fenster"

Die Leipziger Lyrikerin Hildegard Maria Rauchfuß (1918-2000) gehört quasi fast mit zur Band: Von ihr stammt die Hymne „Am Fenster“. Mit diesem Song sprang die Ost-Rockband 1977 in die Charts im fernen Griechenland und bekam als erste DDR-Band überhaupt eine Goldene Schallplatte. Im größten Hit der Gruppe werden Klänge osteuropäischer Folklore mit rockigen Rhythmen kombiniert. „Dem Lied wünscht man eine längere Lebensdauer, als es manchem Tagesschlager beschieden ist“, urteilte damals eine Tageszeitung.

„40 Jahre "Am Fenster" heißt nichts anderes, als sich vor diesem Song zu verbeugen“, sagt Geiger Georgi „Joro“ Gogow (68). „Am Anfang hab ich gar nicht Geige spielen wollen.“ Die Leipziger Dichterin sei einst „vom Blitz getroffen“ gewesen, als sie erfahren habe, dass eine Rockband ihre Zeilen vertont habe, berichtet Gitarrist Fritz Puppel (72). Der Song sei der Band „vom Himmel zugefallen“.

Rauchfuß auch im neuen Album vertreten

Auch auf dem neuen Album ist die Dichterin präsent - posthum. Die Band bekam nach dem Tod von Rauchfuß eine Mappe, in der sich ihr Testament befand. Dieses ist nun vertont. Der erste Song des Albums: „Marias Worte“. An „Am Fenster“ erinnert City 2017 im Lied „Die Sonne, die Sterne“. In dem Roadmovie-Stück wird ein Mörder per Anhalter mitgenommen - und summt den großen Hit der Ostberliner Band im Auto vor sich hin.

In einem Kulturhaus in Köpenick hatte im Frühjahr 1972 alles begonnen. Dort stand die City Rock Band, wie sie ursprünglich hieß, das erste Mal auf einer Bühne. Vor etwa 200 Zuhörern sang sie Songs von Santana, den Rolling Stones und Jimi Hendrix nach. Weil ihnen die englische Sprache nicht sonderlich lag, stiegen die Musiker aber schnell auf Deutsch um. Zehn Jahre später pilgerten dann schon 10 000 Fans zum Open-Air-Konzert in den Berliner Plänterwald. City hatte sich in die Spitze des DDR-Rocks gespielt.

LVZ

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