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Kultur Das Echo der Vergangenheit - Rock Meets Classic in der Leipziger Arena
Nachrichten Kultur Das Echo der Vergangenheit - Rock Meets Classic in der Leipziger Arena
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21:19 26.03.2015
Alle Stars der Rock-Geschichte gemeinsam auf der Bühne. Quelle: Wolfgang Zeyen
Leipzig

Doch keine Spur von der Person, die der Großproduktion Rock Meets Classic am Mittwoch vor nur 1500 Besuchern in der Arena Leipzig zwischenzeitlich den größten Energieschub gegeben hat.

Dass Gianna Nannini der heimliche Star einer insgesamt gelungenen Show war, lag weder an den geringen bis beträchtlichen Schwächen einiger männlicher Kollegen noch dem inkonsequenten Konzept – sondern schlicht an der glorreichen Idee, diese sagenhafte italienische Kraftröhre eingeladen zu haben.

Wer sie je erlebte, der weiß: Wo die 58-Jährige auftaucht, lässt sie Andere sogar dann alt aussehen, wenn sie es – anders als bei Rock Meets Classic – nicht sind. Mit ihrem großen Hit „America" zieht die Nannini ihr Publikum mit, flitzt die Bühne entlang, legt „Bello e impossibile" und „Latin Lover" nach. Sogar das totgespielte Uralt-Stück „Volare" aus dem Jahr 1958 setzt sie noch unter Dampf. Natürlich wird es der Show keinesfalls gerecht, wollte man sie auf diese rund 20 Nannini-Minuten reduzieren.

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Ein Achtungszeichen setzt schon der kurze Auftritt von Marc Storace, Frontmann der Schweizer Hardrockband Krokus, mit AC/DCs „Thunderstruck" und dem eigenen „Longstick Goes Boom". Und mag mancher auch John Wetton für zu soft halten – denen, die seine Band Asia mochten, fährt eine Gänsehaut über die Arme, dass der Mann mit dem ballrunden Bauch da vorne mit immer noch stabiler Stimme „Don‘t Cry", „The Smile Has Left Your Eyes" oder „Only Time Will Tell" singt; Rückkehr nach langjähriger schwerster Alkoholkrankheit.

Rockig wie Nutella-Brot

Und gegen Eric Martin (mit zarten 54 das Nesthäkchen im Lineup) steckt selbst in Wettons Watte noch Härte. Trotz sympathischer, belebender Ausstrahlung – der Sänger der kalifornischen Gruppe Mr. Big gehört mit seinem Schnulzpop nicht in dieses Programm. „Just Take My Heart", das Cat-Stevens-Cover „Wide World" oder „Be With You" – alles in etwa so rockig wie ein Nutella-Brot scharf ist. Gut, dass Nannini vor der Pause das Ganze aufraut. Und für angemessene Stille sorgt, als sie um eine Schweigeminute für die Opfer des Flugabsturzes in den Alpen bittet.

Wie auch in den vorherigen Ausgaben legt das fabelhafte Bohemian Symphony Orchestra Prag unter Leitung von Bernhard Wünsch den klassischen Mantel um das Breitschultrige, Kantige des Rock’n’Roll. Und das bringt natürlich einer wie Rick Parfitt mit, auch wenn er selbst beinahe bedenklich schmal geworden ist. Die 66-jährige Hälfte von Status Quo – neben Francis Rossi – bearbeitet unvermindert zielstrebig und boogielastig sein Instrument, offenbart jedoch vor allem beim auf Melodiekonsequenz ausgelegten „In The Army Now" erhebliche vokale Defizite.

Bei „Rockin 'All Over The World" ist nichts Filigranes gefordert, und jetzt geht die Party richtig los, recken gleich vier Gitarren im Parallelschwung ihre Hälse, denn die spielfreudige Matt Sinner Band schaltet sich ein. Und wer glaubt, Sinfoniker können nicht rocken, wird eines Anderen belehrt. Die Cello-Damen zum Beispiel lassen die Mähnen fliegen und ihre Instrumente auf dem Metallstachel Pirouetten drehen.

Dann kommt er, einer der größten Rocksänger aller Zeiten. Allein Ian Gillans gestisch eigentlich unspektakuläre Anwesenheit zwingt alle aus den Sitzen und manche an den Bühnenrand. Der 69 Jahre alte Frontmann von Deep Purple hat klischeehafte Merkmale des Hardrockers wie möglichst langes, nachgefärbtes (Rest-)Haar oder Lederklamotten längst abgehakt. Es genügt diese am Mittwochabend etwas angestrengte und dennoch einzigartige Stimme, die im orchestral aufgepolsterten „Perfect Strangers" jene Zeile singt, die Deep Purples Bedeutung in zig Millionen Biographien formuliert: „I Am the Echo Of Your Past" – die fantastischen Songs der 1968 gegründeten Band hallen nach als Soundtracks für prägende Lebensphasen.

Genau das feiern die 1500. Nach „Highway Star", „Perfect Strangers" und „Hush" appelliert Gillan in „When A Blind Man Cries", sich der eigenen komfortablen Lebensumstände bewusst zu werden, von denen andere nur träumen können. Nach gut zweieinhalb Stunden empfangen Orchester, Chor und die alten Männer ihren verdienten Applaus. Warum Nannini nicht zwischen ihnen stand, konnte auch der Veranstalter nicht klären. Vielleicht war sie woanders in der Leipziger Nacht unterwegs – Energie verschenken.

Mark Daniel

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