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Das Journalismusprojekt Correctiv arbeitet unabhängig – und hat hochfliegende Pläne

Das Journalismusprojekt Correctiv arbeitet unabhängig – und hat hochfliegende Pläne

David Schraven ist Journalist. Ihm ist wichtig, Kompliziertes so zu veranschaulichen, dass es jeder versteht. Erst recht, wenn es um Correctiv geht. Vor neun Monaten hat er das Büro gegründet, um Recherchen zu bewerkstelligen, die Lokalzeitungen an die Grenzen der Machbarkeit stoßen ließen.

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Wollen Skandale aufdecken: der Correctiv-Geschäftsführer Christian Humborg (l) und der Leiter des Recherchebüros David Schraven.

Quelle: Britta Pedersen (Archivfoto)

Schraven wählt das Beispiel der Sparkasse in Dinslaken. Warum sie in einer finanziellen Schieflage ist, berichtet Correctiv demnächst in einer Zeitung der Region. Der Artikel wird Auftakt sein für weitere Veröffentlichungen. Schraven will wissen, ob Dinslaken ein Einzelfall ist oder der Missstand System hat. Wie sehen die Finanzstrukturen der über 400 Sparkassen in Deutschland aus?

Correctiv hat ein System entwickelt, um die jeweils vor Ort verfügbaren Informationen zu sammeln. Es wird Lokaljournalisten und Interessierten kostenlos zur Verfügung stehen, die Daten werden frei zugänglich sein. Auf diese Weise soll am Ende jeder erfahren, wie es um die eigene lokale Sparkasse steht, aber auch, wo grundsätzliche Defizite liegen. Nach diesem Prinzip arbeitet Correctiv auch bei anderen Themen.

Die finanzielle Starthilfe verdankt Schraven der Brost-Stiftung. Sie zahlt in den ersten drei Jahren je eine Million Euro an Correctiv. Der Brost-Familie gehörte einmal die Hälfte der WAZ Mediengruppe, die heute Funke Mediengruppe heißt und Schravens Arbeitgeber war. Ziel ist, die Finanzierung breiter aufzustellen. Schon 2015 kann Schraven mit 1,6 Millionen Euro kalkulieren. Die Stiftung des Lörracher Versandhändlers Schöpflin hat 100.000 Euro zugesagt, die Rudolf-Augstein-Stiftung 35.000, die Bundeszentrale für politische Bildung 83.000 Euro für zwei Jahre. Hinzu kommt die Community, deren Mitglieder meist 10 Euro zahlen, manche 5, andere bis zu 600 Euro. Knapp 300 Mitglieder sind es bisher, die von Correctiv über Pläne und Zahlen auf dem Laufenden gehalten werden. Schraven träumt von 30.000 Mitgliedern und sagt, jede Veröffentlichung sorge für einen Schub.

So war das auch nach der zunächst in der Münchner „tz“ erschienenen Recherche, welche Organisationen besonders von den Bußgeldverordnungen mancher Richter profitieren – und welche eigenen Interessen dabei eine Rolle spielen. Demnächst will Correctiv Transparenz in die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen TTIP bringen. Die Computergrafik ist fast fertig, zugespielte Unterlagen warten auf Veröffentlichung.

Neben dem Geld der Mäzene und der Community verfügt Correctiv über zwei weitere Erlösquellen: Einzelne Rechercheprojekte werden durch Crowdfunding finanziert. Zudem hat Correctiv eine Verlagstochter gegründet. Im Onlineshop erhältlich sind Bücher über das Handwerk des Schreibens, einzelne Recherchen wie die zum Abschuss des Flugs MH-17 über der Ukraine und der Comic-Wälzer über rechten Terror. „Weiße Wölfe“ heißt er, ist gerade in zweiter Auflage erschienen und hat schon 15.000 Euro eingebracht.

Die grafisch aufbereitete Reportage ist für Schraven ein Weg, Journalismus jenen nahezubringen, die etablierte Medien eher meiden. Zu dem Thema hat er auch eine Ausstellung organisiert. 2016 plant das Theater Dortmund, eine weitere Correctiv-Reportage über Nazis aufzuführen. Schraven will mit neuen Erzählformen experimentieren. Sein Antrieb sei nicht, Katholiken katholisch zu machen: „Wir fördern Medienkultur.“

Da Correctiv, über das ein prominent besetzter Aufsichts- und Ethikrat wachen, gemeinnützig ist, sind Spenden steuerlich absetzbar. Möglich machen das Seminarangebote. Es geht darum, interessierte Bürger zu befähigen, Informationen zu sammeln, zu verwerten und zu verbreiten. Die ersten Schulungen klären über Auskunftsrechte und Datenschutz auf. Im Herbst geht es auf Tour, auch in Dörfer, in denen Zeitungen auf dem Rückzug sind und deren Bevölkerung mit Informationen unterversorgt ist.

Den „Spiegel“-Rechercheur Markus Grill als Chefredakteur gewonnen zu haben, betrachtet Schraven als Coup. Er kann sich von Juni an dann ganz auf die journalistische Umsetzung der Geschichten konzentrieren. Gerade entwickelt er ein Fernsehformat.

Ulrike Simon

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