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Das Leben ist ein Walzer: André Rieu in der Arena Leipzig

Das Leben ist ein Walzer: André Rieu in der Arena Leipzig

Für einen echten Walzerkönig dreht sich die Welt im Dreivierteltakt. Man schwingt beschwingt durchs Leben. Jeder Tag perlt wie Champagner, und alle haben sich dabei ganz doll lieb.

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Seelenstreichler: André Rieu in der Arena Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Es ist diese Musik (oder genauer: die Art ihre Aneignung und Darbietung), die das Wunder vollbringt, das menschliche Sein in einer so gar nicht unerträglichen, sondern plötzlich ganz selbstverständlich aufscheinenden Leichtigkeit vorzuführen. Selbst Carl Orffs "O Fortuna" oder Verdis Gefangenenchor klingen da wie beschwipst vor Glück, und man ist sich sicher, dass das selbst bei, sagen wir mal, Mozarts "Lacrimosa" so sein würde - vorausgesetzt natürlich, André Rieu nehme sich diesem an.

Die "Walzerkönig"-Tour nun führte ihn am Donnerstag mit seinem Johann Strauß Orchester und begleitenden Solisten in die gut besuchte Arena Leipzig. Und es liegt nicht nur an den von Anfang an begeisterten Zuschauern, dass einem hier recht bald jeglicher kritische Wind aus den Segeln genommen, oder zumindest zum lauen Lüftchen herabgemildert wird: "Ach, das tut der Seele einfach gut" sagt da ein älterer Herr im Publikum und lächelt - ja, beseelt eben.

Kleinlich, wer da maulen würde, dass das insgesamt immer etwas dick aufträgt, oder etwa die Snare-Drum sich gern mal penetrant laut scheppernd über den Sound legt, hinter dem - zumindest anfänglich - die Background-Sängerinnen des Orchesters akustisch verschwinden. Was sich aber noch alles zum Positiven hin einpendelt im Laufe des Abends, zu dessen Beginn recht bald Schostakowitschs traumhafter Walzer aus der Jazz Suite Nummer 2 erklingt, der seine Wirkung freilich auch ohne vokal dazu gereichtes, schmachtendes "Schubidu" erzielt.

Ein Teil des Erfolgs von André Rieu besteht natürlich darin, dass man mit den dargebotenen Stücken nicht allzu viel verkehrt machen kann: Es sind die kollektiv - und zwar weltweit, wie Rieu immer wieder betont - verinnerlichten Melodien der Musical-, Operetten und Walzerliteratur, die gespielt werden. In Fracks und Roben wogt dazu das Orchester wie die Wellen der "Schönen blauen Donau". Drei "Platin Tenöre" geben ihr Stelldichein mit drei attraktiven Sopranistinnen. Lehar folgt auf Webber, Strauß auf Verdi und nur oberflächlich betrachtet, ist der Argentinier Carlos Bueno ein Ausreißer aus dem musikalischen Schema. Schließlich ist der "Valse" einer der drei Tänze des Tango Argentino. Womit sich, wenn Bueno auf Bandoneon zur üppigen Orchesterbegleitung "Adios nonino" und "Libertango" spielt, bestens zeigt, dass auch in Buenos Aires die Welt nicht anders rotiert, als in Wien - oder eben Leipzig.

Auch das dürfte etwas sein, was "der Seele gut tut". Dieses Gefühl einer allumfassenden, harmlos-herzigen Verbundenheit, die Impresario Rieu, der die Arena gern mit charmanter Ironie als "romantische Halle" bezeichnet, zu erwecken vermag. Das Dasein, leicht und elegant wie ein Walzer. Für die Länge seiner Show erweckt Rieu diese Illusion gekonnt zum Leben. Steffen Georgi

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.01.2014

Steffen Georgi

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