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Kultur Das „Open Mic“ ist Kult im Tonelli’s
Nachrichten Kultur Das „Open Mic“ ist Kult im Tonelli’s
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00:39 16.04.2018
Ran ans Mikro: im Tonelli's gibt’s an jedem zweiten Donnerstag des Monats das Open Mic mit der Band um Gitarrist Jörg Anders (rechts). Quelle: Foto: Dirk Knofe
Leipzig

Vorgestern ist es wieder passiert. Zum 136. Mal hat das Open Mic das Tonelli’s gefüllt. In Begleitung der hochkarätig besetzten Band stellen sich an jedem zweiten Donnerstag des Monats Menschen vor das Mikro, die Lust auf Singen und Performen haben; ein professioneller Hintergrund ist dafür nicht nötig, mitmachen kann jeder. Über das beliebte Format sprachen wir mit Jörg Anders, Gitarrist und Kopf der Open Mic Band.

Das Open Mic genießt in Leipzig Kultstatus. Wie ist das Ganze entstanden?

Dresdner Kollegen haben das Konzept aus New York mitgebracht, wo das übrigens über Standards läuft und nicht so akribisch individuell vorbereitet wird. In Dresden hab ich jedenfalls mal als Aushilfe in der Band mitgespielt, war begeistert und dachte: Das funktioniert auch in Leipzig. Also hab ich das Open Mic vor gut zwölf Jahren im Tonelli’s angeboten.

Eine Band begleitet jemanden, der vorher seinen Song eingereicht hat und dann am Mikro steht. Manche nennen das schnöde „Live-Karaoke“. Was sagst Du zu der Einordnung?

Sie haut nicht hin. Der Aufwand für das Open Mic ist in der Vorbereitung und der Durchführung deutlich größer als eine Karaoke-Datei abzuspielen, außerdem handelt es sich bei uns um eine Show mit Moderation – und die Atmosphäre ist völlig anders als in einer Karaoke-Bar.

Inwiefern hat sich das Open Mic in den gut zwölf Jahren verändert?

Interessanterweise so gut wie gar nicht. Die Vorbereitung ist durch die weiter entwickelte Technisierung leichter geworden, jeder von uns Musikern hat über eine Dropbox Zugriff auf die benötigten Dateien; auf digitalem Wege lässt sich ein Song zum Beispiel schneller transponieren, also in eine andere Tonart übertragen. Ansonsten ist alles so geblieben, wie wir es begonnen haben.

Inzwischen sind viele Beiträge auf hohem Niveau. Schreckt das Laien ab, auch aufzutreten?

Ich kann nur an alle appellieren, unbedingt mitzumachen. Es ist charmant und großartig, wenn nicht jede Darbietung professionell gesungen wird, hier geht es nicht um Perfektion. Das Publikum feiert den Mut der Auftretenden mit großem Applaus und honoriert gerade die Patzer. Übrigens ist das Open Mic nicht nur für Musikbeiträge gedacht: Gäste können auch etwas vorlesen, einen Witz erzählen oder Zaubertricks präsentieren. Wir sind für alles offen.

Wie lange arbeitet die Band an den eingereichten Stücken?

Eine Woche vor dem jeweiligen Termin haben wir täglich damit zu tun, Noten rauszusuchen, die Songs zu transkribieren, das Ganze einzustudieren und mit den Interpreten Absprachen zu treffen. Zwei, drei Stunden vor der Show gibt’s eine Generalprobe. Dank der Organisation von Anja und Alex klappt das bestens.

Reich wird man als Musiker im Tonelli’s nicht – was ist die Motivation, trotzdem weiter zu machen?

Zum Leben und Geld verdienen hat jeder von uns andere Projekte. Das Open Mic ist für uns eine herrlicher Spaß und ein schönes Heimspiel. Im Alltag sind wir in anderen Städten unterwegs, beim Open Mic treffen wir tolle Kollegen und enge Freunde, das ist wie eine große Familie. Außerdem ist es für uns spannend, Songs zu spielen, die wir nie in unsere Bandprojekte nehmen würden. Manche von denen funktionieren live überraschend gut, das begeistert uns selbst.

Erinnerst Du Dich an einen besonders spektakulären Auftritt?

Da gab es einige. Wir hatten gleich zwei irre Phil-Collins-Interpreten, und einmal kam ein hier urlaubender Musical-Sänger aus Teneriffa auf einen Song vorbei. Ein Typ voller Energie, das war außergewöhnlich.

Ist ein Fall bekannt, bei dem das Open Mic Sprungbrett für eine Karriere war?

Ein paar Sängerinnen oder Sänger treten tatsächlich inzwischen semiprofessionell mit Bands auf. Einen bundesweiten Durchbruch hatte noch keiner, aber das ist eh nicht das Ziel. Die Leute sollen sich ausprobieren, Erfahrungen sammeln und Spaß haben.

Das nächste Open Mic steigt am 10. Mai im Tonelli’s am Neumarkt 9 um 22 Uhr, der Eintritt kostet 5 Euro. Für eine Teilnahme wird vorab eine Info über den Beitrag benötigt, bei Songs in Form von mp3-Dateien. Anmeldungen bei den Organisatoren Anja und Alex sind bis zwei Wochen vor dem Termin möglich – per Mail an tonellis.openmic@gmail.com oder über www.facebook.com/openmicleipzig. Außerdem liegen am Open-Mic-Abend Anmeldezettel aus.

Von Mark Daniel

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