Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Das Wuppertaler Tanztheater ein Jahr nach dem Tod von Pina Bausch

Das Wuppertaler Tanztheater ein Jahr nach dem Tod von Pina Bausch

Sie erneuerte den zeitgenössischen Tanz, war über Jahrzehnte Deutschlands erfolgreichster Kulturexport und erhielt Kulturpreise selbst noch nach ihrem Tod: Vor einem Jahr, am 30. Juni, starb in Wuppertal die Tänzerin und Choreographin Pina Bausch.

Wuppertal. Im Wuppertaler Tanztheater geht es mit ihren Inszenierungen weiter. Nur wenige Tage zuvor hatten Ärzte bei der 68-Jährigen eine schwere Krebserkrankung festgestellt. Zwölf Monate nach dem Tod der charismatischen Künstlerin steht „ihr" Wuppertaler Tanztheater, das sie mit rund 40 Choreographien in fast ebenso vielen Jahren vom Skandal zum Welterfolg geführt hat, mit neuen Strukturen auf festen Beinen. Bis 2013 gelten die Verträge, die Pina Bausch noch zu Lebzeiten abgeschlossen hat. Die Künstlerische Leitung, die sich unmittelbar nach dem plötzlichen Tod der Tänzerin zusammengefunden hat, habe sich mittlerweile konsolidiert, heißt es intern. Der 1950 geborene Franzose Dominique Mercy, Bausch-Tänzer der ersten Stunde, ihr 15 Jahre jüngerer Assistent Robert Sturm und die erst 2008 nach Wuppertal gekommene Geschäftsführerin Cornelia Albrecht stehen für eine gute Mischung aus Tradition und Neuerung.

Die Werk von Pina Bausch strahlt über den Tod hinaus

Sowohl die Stadt Wuppertal als auch das Land Nordrhein-Westfalen hatten schon unmittelbar nach der schockierenden Todesnachricht eine feste Finanzierung von insgesamt gut drei Millionen Euro jährlich zugesagt, an der trotz Finanzkrise nicht gerüttelt werden soll. Die bundesweit beachtete Theaterkrise in der Schwebebahnstadt findet im weltberühmten Tanztheater folglich nicht statt. Die Frage nach dem Funktionieren der gut 30-köpfigen Compagnie, die entgegen ersten Befürchtungen nach dem schweren Verlust nicht auseinandergelaufen ist, beantwortet das traditionell medienscheue Tanztheater mit einem einfachen Hinweis: „Sehen Sie im Internet auf unseren Spielplan!". Etliche Gastspielreisen der kommenden Monate von Rio bis Hongkong, von Istanbul bis Paris mit Bausch-Klassikern wie „Nelken" oder „Cafe Müller" sowie die Neueinstudierung von „Kontakthof" sind dort verzeichnet. Diese „extrem ambitionierte Spielzeit" sei doch wohl nur mit einem engagierten und funktionierenden Ensemble möglich, argumentiert das Tanztheater. Nicht nur die existenziellen Themen wie etwa die Geschlechter- Beziehung in den Stücken der Bausch („Ich will nicht wissen, wie sich die Menschen bewegen, sondern was sie bewegt.") sind eine globale Erfolgsgarantie der Wuppertaler Tanztheater-Arbeit. Auch der 3-D-Film „Pina", den Star-Regisseur Wim Wenders als Hommage an seine enge Freundin im Herbst in die Kinos bringen will, dürfte zum weiteren Weltruhm der Solinger Gastwirtstochter beitragen.

Umfangreiche Materialien müssen in einem Archiv gesichert werden

Ob, wann und wie es möglicherweise neue Stücke von anderen Choreographen am Wuppertaler Tanztheater geben wird, diese Frage sei noch eindeutig zu früh gestellt, lässt die Stadt und auch das Ensemble wissen. Allerdings dürfe das Haus auf Dauer nicht zur „Bausch-Konserve" erstarren. Derzeit gehe es zunächst auch darum, den riesigen Fundus aus Produktionsmaterialien zu mehr als 46 Stücken, darunter etwa 7500 Videos sowie mehr als 35 000 Pressekritiken, in einem noch nicht ganz definierten Archiv zu sichern und auszuwerten, um die flüchtige Kunst des Tanzes für die Nachwelt zu sichern. Dass sich die notorische Kettenraucherin zu Lebzeiten keinen Deut um ihren künstlerischen Nachlass geschert hat, ist allen Insidern bekannt. Ronald Kay als früherer Lebensgefährte der Künstlerin und ihr gemeinsamer Sohn Salomon (28) haben dafür im vergangenen Jahr eine Stiftung gegründet, bei der auch die Urheberrechte der Aufführungen liegen. Nachdem die Umbenennung des Hindenburgplatzes am Bausch-Geburtsort Solingen in peinlichem kommunalpolitischen Hickhack gescheitert ist, sind die Wuppertaler nun vorsichtig: Hier legt OB Peter Jung am Mittwoch einen Kranz auf dem Grab der Künstlerin nieder. Ein Foto der hageren Welt-Tänzerin, die ihrer spröden „Alltagsstadt" Wuppertal lebenslang die Treue gehalten hat, wird neben den Dichtern Armin T. Wegner und Else Lasker-Schüler in die kommunale Ehrengalerie gehängt.

Gerd Korinthenberg, dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Hier finden Sie Infos und Fotos vom Leipziger Opernball 2017 unter dem Motto „Moskauer Nächte“ mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Eine neue Ausstellung in der Galerie des Neuen Augusteums widmet sich der Geschichte der Universitätskirche sowie der Entstehung des Neubaus. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album 2
    Leipzig-Album 2

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr