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Nachrichten Kultur Das funktioniert großartig: Das junge Philipp Rumsch Ensemble in der Leipziger Nato
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17:40 16.02.2017
Offenbarte beim Konzert in der Nato hohes Potenzial: das Philipp Rumsch Ensemble mit Musikern aus Leipzig und Berlin. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Dabei ist das, was das Ensemble zu Gehör bringt, in einem entscheidenden Punkt erst einmal recht weit von dem entfernt, was Jazz maßgeblich definiert: Improvisation nämlich. Nicht, dass die ausgeklammert ist, nur fügt sie sich anderen Prämissen. Die da wären: Struktur, Strenge, Minimalismus. Den Soundschichtungen in rhythmischer Reduktion, Harmonien in Wiederholungen und Verschiebungen. Das ist durchaus auch von einer gewissen Exaltiertheit, von der großen, dramatischen Geste getragen. Einer Geste aber, die gleichwohl nie den Kontrollverlust riskiert; das heißt, nie aus dem Schema aus- oder wenigstens zu dessen Rändern aufbricht.

Dennoch oder genau deshalb lädt das Philipp Rumsch Ensemble zu einem Klangabenteuer ein, das zwar nichts neu erfindet (was eh keine Qualitätskategorie ist), aber von einer Suggestionskraft ist, die unbenommen erst einmal berechtigt, dass sich der Bandleader und Komponist dezidiert auf Namen wie Erik Satie oder Steve Reich beruft. Kompositorisch die Paten für das, was späterhin auch Künstler wie Brian Eno oder Aphex Twin schaffen sollten – zwei weitere Musiker, auf die Rumsch verweist.

Es gehe ihm darum, einen Umkehrprozess zu versuchen, erklärt der Musiker zum Konzert. Die elektronisch-digitale Tonsprache, die ja eine Nachbildung „realer“ Klänge sei, eine – wenn man so will – maschinelle Abstraktion ist, wieder in die Hände von Menschen, von Musikern zu legen. Und eben damit wird sie aus dieser Abstraktion befreit.

Intervallhaftes, subtiles Mäandern zwischen Ruhepunkt und Repetition

Nun ist in einer Konzertkritik nicht der Platz, derlei künstlerische Intention, diesen kompositorischen, oder ja schon philosophischen Impuls kritisch zu befragen und zu vertiefen. Stattdessen gilt einfach zu konstatieren, dass die Musik als solche live großartig funktioniert. Und dass trotz eines Konzertraums, der für diese Art an Klängen nicht wirklich optimal ist.

Denn tatsächlich braucht das Ensemble einen anderen, einen schlicht größeren Resonanzrahmen, in dem jenes intervallhafte, subtile Mäandern zwischen Ruhepunkt und Repetition sich auch in seinen Feinheiten ausbreiten kann. Als ein Auf- und Anbranden und ein Verklingen, das mehr ist als ein bloßes Lauter und Leise. Und nur um es gesagt zu haben, bevor Befindlichkeiten provoziert werden: Das ist keine Kritik am Jazzclub oder der Nato, sondern nur einfach so, dass deren Club-Ambiente samt einschlägiger Akustik mit der Klangwelt des Philipp Rumsch Ensembles nur bedingt kompatibel ist.

Die Gruppe formierte sich erst im letzten Jahr aus Leipziger und Berliner Musikern und stellt schon jetzt eine fraglos interessante Klangfarbe dar. Dass da technisch noch nicht immer alles auf der Höhe wirkt, ist auch insofern erst einmal marginal, weil das Nato-Konzert unter anderem vor allem eins gezeigt hat: Potenzial. Im Frühjahr oder spätestens im Sommer soll die erste CD erscheinen. Man darf gespannt sein.

Von Steffen Georgi

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