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„Das ganze Fernsehen ist Beschiss“: Oliver Kalkofes Theatershow in Hamburg gefeiert

„Das ganze Fernsehen ist Beschiss“: Oliver Kalkofes Theatershow in Hamburg gefeiert

Ein Auto, eine Dauerwelle und ein Mann. Sein Auftrag: mit offenem Hemd die Berliner Mauer zum Einstürzen zu bringen. Eine David-Hasselhoff-Kopie gibt den „Knight Rider“ im Papp- Auto und singt inbrünstig und mit Brusthaarausschnitt „I’ve Been Looking For Freedom“.

Hamburg. Doch schon folgt eine vertraute Melodie - „man ruft nur Flipper, Flipper, gleich wird er kommen, jeder kennt ihn, den klugen Delfin“. Eine Frau rennt mit Plüsch-Delfin auf dem Kopf über die Bühne. Beim „Wort zum Sonntag“ tanzt schließlich der Geistliche heiter zur Pippi-Langstrumpf-Melodie. „Hey, ich bin Priester...Ich mach’ mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt“. Seine eigene Lieblings-Fernsehwelt hat sich TV-Kritiker Oliver Kalkofe erstmals als Theaterautor geschaffen - und dafür bei der Uraufführung viel Beifall geerntet.

Im Hamburger Schmidt Theater zeigte der 44-Jährige am Donnerstagabend seine Revue „Volles Programm - Die wirklich ganz tolle TV-Show-Show“. Kalkofe schrieb das Buch, stand aber nicht selbst auf der Bühne. Neben ihm gehörte Schmidt-Musikchef Martin Lingnau zum Autorenduo, Regie führte Theaterchef Corny Littmann. Kalkofe wirft mit der Show einen Blick zurück auf eine Zeit, „als das Fernsehen zwar auch nicht besonders gut war, wenigstens aber noch gut sein wollte“. Inzwischen werde es immer schlechter. „Das Fernsehen ist so flüchtig geworden und alles so austauschbar. Wo kann man da ansetzen?“, hatte Kalkofe, der selbst derzeit eine schöpferische TV- Pause einlegt, erst jüngst geklagt.

„Die Glotze - unendliche Weiten“ tönt es zu Beginn aus dem Off. „Viele Lichtjahre von jedweder Intelligenz entfernt, dringt das Fernsehen in Abgründe vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“ Auf der Bühne misst die „Raumschiff Enterprise“-Crew „kaum empfangbare Hirnwellen der primitiven Spezies vom Planeten Publikum“.

Kalkofe lässt Prof. Grzimek darüber spekulieren, ob Flipper vielleicht doch am Ende auf einer Pizza Tonno landet, holt Wim Thoelke noch einmal mit seiner Show „Der große Preis“ zurück in die Erinnerung und baut die Southfork Ranch der Familie Ewing wieder auf. „Bobby, ich habe geträumt - 31 Folgen lang!“, wehklagt Pam. „Du bist gestorben, Lucy wurde immer kleiner und dicker, Miss Ellie war plötzlich eine ganz andere Frau und „Denver“ wurde erfolgreicher als wir.“ Und „Dallas“-Fiesling J.R. Ewing wird erschossen.

Bunt gemixt wurden die Programmfetzen, vor allem aus der Zeit von 1960 bis 1990. Die in einer TV-Testbild-Kulisse spielende Band und das Darsteller-Ensemble überzeugten allerdings bisweilen mehr als einige Textpassagen. An so mancher Stelle vermisste man Kalkofes sonst so scharfzüngige und bissige Kommentare, seine Kunst bewies er dann aber umso mehr wieder an anderer Stelle. Frivole Anspielungen gehören im Schmidt Theater auf der Reeperbahn dazu, so manchen Spruch etwa zum Missbrauchsskandal hätte man aber lieber nicht gehört. Umso größer das Gelächter, als Talkmaster „Adolph“ mit Hitler-Frisur und - Bart zu seiner „lieben Kollegin Eva Herman“ überleitete. Kalkofes Botschaft zum Finale mit Hape-Kerkeling-Melodie: „Das ganze Fernsehen ist Beschiss.“

"Volles Programm" ist noch bis 13. November im Schmidt Theater zu sehen.

Dorit Koch, dpa

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