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Kultur Das große Brüllen zum Advent - Internationale Insektenschau in Leipzig
Nachrichten Kultur Das große Brüllen zum Advent - Internationale Insektenschau in Leipzig
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23:59 30.11.2014
Was für ein Hingucker: die "Nasenzikade" Pyrops ruhli aus Indonesien. Quelle: Wolfgang Zeyen
Leipzig

In der GutsMuths-Halle der sportwissenschaftlichen Fakultät der Uni gab es aber auch diesmal kein großes Krabbeln. Vielmehr waren alle Exponate fein säuberlich aufgespießt und akkurat zu Familien zusammengestellt zu bestaunen: kunterbunte Schmetterlinge, imposante Käfer und faszinierende Zikaden.

Letzteren galt in diesem Jahr besonderes Augenmerk. Schließlich kenne jeder, der mal in Südeuropa im Urlaub war, ihren typischen Gesang. "Western-Filme sind ohne dieses Geräusch überhaupt nicht denkbar", sagt Reichenbach, Professor am Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung und Insektenkundler von Kindesbeinen an. Der griechische Dichter Xenarchos kommentierte dieses Phänomen einmal so: "Glücklich leben die Zikaden, denn sie haben stumme Weiber". Reichenbach lacht. "Ja, die Männergesänge sind betörend, sollen schließlich die Damen aufhorchen lassen." Die Fortpflanzung sei nämlich ihr einziger Zweck: "Erwachsene paaren sich und legen Eier." Bis der Nachwuchs schlüpft, können aber schon mal Jahre vergehen. Was ihnen 2013 nicht nur in den USA dicke Schlagzeilen als "Sexhungrige Zikaden-Brut" bescherte. Nach 17 Jahren krabbelten dort Milliarden reifer Tiere aus der Erde. Für den Leipziger nichts Außergewöhnliches: "Je größer die Tiere, desto länger die Entwicklungszeit, je wärmer, desto kürzer, lautet die Faustregel." Na, und damit es überhaupt dazu kommt, werde inbrünstig gesungen. "Thopha colorata (Goldener Trommler) versammeln sich, nachdem sie sich als unscheinbare braune Larven bis zu sieben Jahre von Wurzeln australischer Eukalyptusbäume ernährten, in großen Gruppen an den Bäumen und brüllen dann regelrecht", sagt der Professor schmunzelnd. Nach zwei Wochen sei der Spuk aber vorbei, könne die nächste Generation wachsen. Jede Art habe andere Rufe und Zeiten des Gesangs, ergänzen Sammler rundum. Ja, das Liebesleben der Zikaden ist allen bekannt, deren Farbenpracht und Anmut für Besucher der Schau aber schon eine Überraschung.

Reichenbach faszinierten Muscheln, Schnecken, Käfer bereits als Junge. Nach einer Pause habe etwa vor 30 Jahren der Urlaubsfund eines toten Nashornkäfers seine alte Liebe wieder auflodern lassen. Inzwischen interessiert den Wissenschaftler vor allem der Skarabäus samt Verwandtschaft. Sammeln und Präparieren, die kleinen Händchen und Fühlerchen, das sei ein wunderbarer Ausgleich zur Computerarbeit. "Ich lebe eine begrenzte Zeit, da will ich auch etwas Schönes machen."

Zur eigenen Erbauung stellt auch Harald Schulz aus Hannover den kleinen Tierchen nach. Etwas Besonderes zu besitzen, sei das Ziel. Alles liege im Schrank, unter Verschluss. "Richtige Sammler führen nichts vor, die Kästen aufzuhängen, ist verpönt", betont der 74-jährige frühere Bankkaufmann.

Für einen Bockkäfer macht Michael Minkwitz schon mal 100 Euro locker. Seit er 16 ist, fasziniert die Metamorphose der Insekten den jetzt 41-jährigen Beamten aus Altenburg.

Alles, was ein Insektenkundler braucht, hat Vladislav Malý aus Prag mitgebracht. Deutsch spricht er leider kaum, aber das stört nicht. Die Sammler eint ihr Hobby.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.12.2014

Lachmann, Cornelia

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