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"Das hätte ich nicht erwartet": Leipziger Opern-Verwaltungsdirektor Jagels zieht Bilanz

"Das hätte ich nicht erwartet": Leipziger Opern-Verwaltungsdirektor Jagels zieht Bilanz

Seit März ist Ulrich Jagels als Verwaltungsdirektor an der Oper Leipzig beschäftigt. Nun ist seine erste Spielzeit am Augustusplatz Geschichte, und es scheint, als sei er wider Erwarten auf einen Erfolgszug aufgesprungen.

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Ulrich Jagels ist seit 1. März 2013 an der Oper Leipzig.

Quelle: Kirsten Nijhof

Leipzig. Frage: Bis Sonntagabend war die Oper Leipzig mit Mann und Maus mit Wagners Frühwerken in Bayreuth zu Gast. Was hat das Haus davon?

Ulrich Jagels:

Die Oper Leipzig hatte Gelegenheit, ihr Potenzial einem überregionalen und internationalen Publikum vorzustellen, hat sich als verlässlicher Kooperationspartner bewährt - und wir behalten zwei Produktionen, die gemeinsam mit der BF Medien realisierten "Feen" und "Das Liebesverbot", die auf Dauer in unserem Spielplan bleiben.

Insgesamt steht die Oper Leipzig zum Ende Ihrer ersten Spielzeit am Haus gut da. Hätten Sie das so erwartet?

Nicht in dieser Dimension. Überrascht hat mich vor allem die sehr positive Entwicklung bei den Besucherzahlen, das hätte ich so nicht erwartet.

Heißt konkret?

Verglichen mit der Vorsaison haben wir die Besucherzahl um rund 12.000 Besucher auf etwa 166.000 steigern können, das entspricht einem Plus von rund 7,5 Prozent, obwohl es in Oper und Ballett sieben Vorstellungen weniger gab als im Vorjahr und deutlich weniger kleine Veranstaltungen, also solche im Foyer oder im Kellertheater.

Wie verteilen sich die Vorstellungen auf die Häuser?

Insgesamt hatten wir in der Saison 2012/13 327 Vorstellungen, davon 150 in der Musikalischen Komödie.

Sollte diese Entwicklung nicht Grund genug sein, häufiger zu spielen?

Das wird kaum möglich sein. Jedenfalls nicht im großen Haus, weil durch jede Vorstellung Kosten entstehen und weil auch die technische und personelle Ausstattung der Oper Leipzig das nicht zulässt. Tatsächlich werden wir aber die Vorstellungszahl in der Musikalischen Komödie leicht erhöhen.

Steigende Besucherzahlen sind das eine, die Einnahmen das andere. Wie ist die Entwicklung da?

Noch deutlicher: Wir haben die Erlöse aus dem Ticketverkauf um 750.000 auf 4,25 Millionen Euro erhöhen können.

Wenn das so weiter geht, ist die Oper Leipzig ja finanziell bald aus dem Gröbsten heraus.

Das wird sich in dieser Größenordnung nicht wiederholen lassen. Aber immerhin sind wir nun bei den Auslastungs- und Erlöszahlen in dem Bereich, wo ein Opernhaus wie das Leipziger auch hingehört.

Worauf führen Sie diese Erfolge zurück?

Im Wesentlichen auf die Spielplanpolitik des Intendanten. Ich hätte gedacht, dass es länger dauert, bis das beim Publikum ankommt. Normalerweise braucht eine solche Neuausrichtung ja ein wenig Zeit. Ohne Akzeptanz beim Publikum geht es jedenfalls nicht, kein Haus kann sich auf Dauer leisten, das Publikum aus ideologischen oder ästhetischen Gründen links liegen zu lassen.

Wie sieht denn die Auslastung derzeit aus?

Wir haben sie gegenüber der Vorsaison über alles von 62,7 auf 68,5 auf steigern können.

Und wo wollen Sie langfristig hin? 80 Prozent?

Das wäre schon sensationell. Realistisch betrachtet wäre es bereits ein Erfolg, könnten wir das Erreichte halten. Denn Sondereffekte wie das Wagner-Jahr haben ja dabei auch eine Rolle gespielt, und die lassen sich nicht ohne Weiteres wiederholen.

Traditionell sieht die Arbeitsteilung in deutschen Theatern so aus: Der Intendant kümmert sich um künstlerische Visionen, und der Geschäftsführer gibt den Spielverderber, der ihm auf die Finger klopft und ihn auf den Boden der Tatsache zurückholt ...

... das kann man so pauschal erstens ohnehin nicht sagen, und zweitens stimmt es für Leipzig erst recht nicht.

Warum?

Weil Ulf Schirmer selbst schon einen sehr klaren Blick auf die wirtschaftlichen Dinge hat, er hat nicht nur die Kunst im Sinn, sondern interessiert sich auch für diese Sachen sehr. Was natürlich auch mir die Arbeit sehr erleichtert.

Zurück zum Geld: Darf die Oper die Mehreinnahmen behalten, oder muss sie die 750.000 unverhofften Euros im Rathaus abliefern?

Ich gehe davon aus, dass das Geld im Unternehmen bleibt und dort der künstlerischen Arbeit zu gute kommt. Denn an der grundsätzlich schwierigen finanziellen Lage des Hauses ändert sich dadurch nichts. Die großen Herausforderungen stehen noch bevor.

Nämlich?

2014/15 steht ein neuer Tarifvertrag an. Sollten dann die Tarife um 2,5 statt um 1,5 Prozent erhöht werden, würde allein dies angesichts der rund 650 Beschäftigten am Haus eine Deckungslücke von gut einer Million Euro für die Oper Leipzig ausmachen. Das macht deutlich, dass bei einem Personalkostenanteil von mehr als 80 Prozent Tariferhöhungen aus eigener Kraft nicht kompensierbar sind.

Sehen Sie eine Erhöhung in dieser Größenordnung kommen?

Es ist reine Spekulation, aber ich könnte mir vorstellen, dass es in diesem Bereich sein wird. Im April wissen wir mehr.

Wie sieht es beim Haustarifvertrag der Oper Leipzig aus?

Der ist im Sommer 2011 ausgelaufen.

Und ein neuer?

Verhandlungen über einen neuen Haustarifvertrag finden nicht statt, sind auch nicht angedacht.

Also werden die Zuschüsse weiter steigen müssen?

Davon gehe ich aus - und die Erfolge helfen sehr dabei, dies zu kommunizieren.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.07.2013

Peter Korfmacher

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