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Das hat natürlich Wumms: Max Herre vor 3000 Fans im Leipziger Clara-Zetkin-Park

Das hat natürlich Wumms: Max Herre vor 3000 Fans im Leipziger Clara-Zetkin-Park

Einerseits hat Max Herre sein Ensemble für den Auftritt im Leipziger Clara-Zetkin-Park im Vergleich zur ursprünglichen "MTV Unplugged"-Aufzeichnung vor bald einem Jahr beinahe halbiert.

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Sein rechter, rechter Platz ist leer, da wünscht sich Max Herre bald die Herren Megaloh, Fetsum, Tua sowie Grace Risch und Rachel Scharnberg her.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Was die Parkbühne noch immer an die Grenze ihres Fassungsvermögens führt: 22 Musiker wie am Samstagabend stapeln sich dort sonst selten.

Andererseits soll es der 41-jährigen Hiphop-Lichtgestalt, dem Castingshow-Juror und diesjährigen Echo-Preisträger im Laufe der fast 140 Konzertminuten mehrfach gelingen, den "größten, schönsten, besten Chor der Welt" zu aktivieren, wie er das Gros der 3000 Zuschauer im seit Monaten ausverkauften Areal nennt. Und dieser Gesangsverein fehlte seinerzeit bei der "Kahedi Radio Show" im Funkhaus in Berlin.

"Ich wusste, dass ihr eine gute Musikhochschule habt", wird Herre bald loben. "Aber dass gleich die ganze Stadt musikalisch ist -". Dass das Publikum in der Tat Stimmgewalt demonstriert, hat mindestens zwei gute Gründe. Erstens lässt sich schon an der Tatsache, dass die Schlange vor der Toilette ungefähr fünf Mal so lang wie die am Bierstand ist, das Geschlechterverhältnis ablesen - man muss fraglos zugeben, dass weibliche Fans weniger verkniffen sind, wenn es darum geht, lauthals mitzusingen. Und zweitens ist der Wucht dieses Klangkörpers nur schwer zu entrinnen.

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Leipzig. Einerseits hat Max Herre sein Ensemble für den Auftritt im Leipziger Clara-Zetkin-Park im Vergleich zur ursprünglichen "MTV Unplugged"-Aufzeichnung vor bald einem Jahr beinahe halbiert. Was die Parkbühne noch immer an die Grenze ihres Fassungsvermögens führt: 22 Musiker wie am Samstagabend stapeln sich dort sonst selten.

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Vier Streicher, drei Bläser, zwei Organisten, Vibrafon, Gitarre, Bass, Percussion, Schlagzeug (hinter Plexiglas), ein über allem thronender DJ, drei Hintergrund-Sängerinnen, der permanente Back­up-MC-Gaststar Afrob und eine mannshohe Basstrommel, nur damit Pianist Roberto Di Gioia insgesamt fünf oder sechs Mal drauf hämmern kann: Mag auch der Unplugged-Charakter vor fünf Jahren, als Herre mit dem Liedermacher-Album "Ein geschenkter Tag" unterwegs war, größer gewesen sein als jetzt unter der Überschrift der traditionsreichen, zugkräftigen MTV-Reihe - diese Form des Hiphop ist für das Live-Erlebnis gemacht.

Wie kaum ein anderer deutschsprachiger Künstler orientiert sich Herre an den Vorläufern der Gattung: an Soul, Reggae, Funk, Jazz. Das hat natürlich Wumms. So sehr, dass man am Bühnenrand selbst die sich üblicherweise in abgeklärter Coolness gefallende Spezies der Roadies beim eifrigen Hopsen und Fuchteln beobachten kann.

Darüber hinaus springt bei jeder Gelegenheit ein neuer Gaststar ins Rampenlicht. Gerade erst hat sich der Deutsch-Eriträer Fetsum verabschiedet, nachdem er seine sagenhafte Soul-Stimme im Vorprogramm nach dem Lagerfeuer-Prinzip nur zu einer Gitarre zur Geltung gebracht hatte. Da kehrt er schon zurück, um inmitten des Spektakels von "Aufruhr" zu singen und später das wunderschöne Lied "Vida", das Herres unehelicher Tochter gewidmet ist. Sängerin Grace Risch vertritt Herres Gattin Joy Denalane äußerst hörenswert im Freundeskreis-Klassiker "Esperanto" und in "1ste Liebe", die an diesem Sommerabend freilich nicht der Heimatstadt Stuttgart, sondern Leipzig gilt. Lediglich das folgenreiche Duett "Mit Dir" fehlt dem Konzert - so wie Denalane selbst, die zeitgleich auf RTL irgendeinen Casting-Nachwuchs begutachtet.

An der Seite von Herre und Tua aus der Rap-Boygroup Die Orsons gibt Grace Risch in "Solang" der "Dystopie" des Lebens ihre melancholische Note, und als die Scheinwerfer ein einziges Mal von rot auf grünblau schalten, singt sie das bewegende "Berlin/Tel Aviv". Im wieder roten Licht unterstützt sie noch Afrob bei dessen mitreißender Solo-Nummer "Get Up". Wie die Hauptfigur entstammt er "dem Schoß der Kolchose", einem Stuttgarter Hiphop-Netzwerk der 90er, und ist fast noch zungenfertiger als der Chef.

Bei "Rap ist" gesellt sich Megaloh dazu, ein charismatischer Deutsch-Nigerianer aus Moabit. Die Wortschrauberei zu dritt ist mal was für die Rap-Heads im Rund. Wie später bei "Tabula rasa" und "Wenn der Vorhang fällt" führt das Trio die Bedeutung der rechten Hand eines Rappers vor, die das Versmaß in allen Schlangenlinien vorwegnimmt, illustriert, akzentuiert, während die linke nur das Mikro hält. Was erst, wäre wie zwei Tage zuvor in Köln noch Samy Deluxe dabei.

Nicht zuletzt dank der Flageoletts aus Philip Niessens Gitarre und dem gestrichenen Kontrabass des sonst munter groovenden Michael Paucker füllt die Erfolgsnummer "A-n-n-a" im feinen Arrangement von Orchesterchef Lillo Scrimali das Unplugged-Etikett doch mit Inhalt. Ansonsten erinnert diese letzte Parkbühnen-Party der Saison aber eher an die FK-Allstars-Vollversammlungen der späten 90er. Wie damals gehört Ton, Steine, Scherben das letzte Wort: "Halt dich an deiner Liebe fest." Zu Rio Reisers Zeilen dirigiert Max Herre seinen Leipziger Chor letztmals - vorerst.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.09.2014

Mathias Wöbking

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