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Das i-Tüpfelchen Pathos: HIM heizen im Leipziger Haus Auensee ein

Das i-Tüpfelchen Pathos: HIM heizen im Leipziger Haus Auensee ein

Die finnische Band HIM hat auch am Freitag im Haus Auensee geschafft, kunstvoll auf dem schmalen Grat zwischen Düstermetal und Pathos zu wandeln - ohne je runterzufallen und im Kitsch zu landen.

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Und dann ist da noch Ville Valo: Der charismatische HIM-Sänger im Haus Auensee.

Quelle: Thomas Kube

Leipzig. Wenn der Herbst sich so wie am vergangenen Freitag von seiner ungemütlichen Seite zeigt, verstecken sich die meisten Menschen in ihrer Wohnung und denken, im Dunst der Heizungshitze sitzend, dem schlechten Wetter ein Schnippchen geschlagen zu haben. Die schlauen Füchse unter uns aber wissen, dass es auch anders geht. Und schlau waren vor allem die, die an diesem Abend ins Haus Auensee pilgerten. Denn dort konnte man sich nicht nur in einem Meer von 2300 Besuchern an wohliger, zwischenmenschlicher Fanwärme erfreuen, sondern sich ebenso von der finnischen Band HIM mächtig einheizen lassen.

Die sind zwar seit mittlerweile 18 Jahren im Geschäft, doch haben noch längst nicht ausgedient. Erst in diesem Jahr erschien ihr neuestes, mittlerweile achtes Studioalbum "Tears on Tape", das wieder einmal dem sogenannten, von den kunstreich bemalten Rockern geprägten "Love Metal" frönt und in dieser Nacht im Rahmen ihrer Deutschlandtour live vorgestellt wird.

Dabei lassen sich die fünf Herren nicht gerade lumpen. Neben der eindrucksvoll ausgeklügelten und daher ziemlich faszinierenden Lichtshow, ist es insbesondere ihre Musik, die selbst nach all der Zeit noch immer unablässig mitzureißen vermag.

Es braucht gar nicht viel, um die Menge vor der Bühne euphorisch aufschreien zu lassen, als seien HIM finnische Götter in Schwarz, die den Rock in Eigenregie erfunden haben. So drischt Drummer Mika Kristian Karppinen schon mal auf sein Schlagzeug ein, als wären seine Sticks aus klingendem Stahl, während Gitarrist Mikko Viljami Lindström deutlich macht, wie sexy Riffs eigentlich klingen können. Das mag manchmal für das Genre insgesamt ungewohnt glatt und durchproduziert klingen, zeigt jedoch gleichermaßen, auf welchem Level der Professionalität HIM nun angekommen sind.

Und dann ist da natürlich noch Ville Valo selbst. Dieser hagere Mann, der sich schwungvoll lasziv an sein Mikrofon tänzelt und nur die schönsten Töne für selbiges bereithält. Er lebt, noch mehr als alle anderen, den "Love Metal", wenn er zunächst grölt und grient und schreit, nur um dann wieder sanft liebliche Phrasen der unendlichen Liebe in die Luft zu hauchen. Genau darin liegt sicherlich auch der Zauber dieser Band begründet. HIM schaffen es stets, das i-Tüpfelchen an wohlformuliertem Pathos so zu präsentieren, dass es nicht peinlich wirkt, sondern sich äußerst melodisch ins Hirn frisst, um dort auf immer zu verweilen.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass es gerade ihre die Jahre überdauernden Klassiker wie "Join Me" oder "Wings of a Butterfly" sind, bei denen sich das Publikum dermaßen vor Freude und in Ekstase windet, dass man meinen könnte, allein diese lediglich aneinandergereiht würden für ein erfolgreiches Konzert schon ausreichen. Da darf es dann auch gern, dank drei Discokugeln, wie auf einem Ball des zelebrierten Kitschs funkeln und schimmern.

Denn es gilt: Wenn selbst die hartgesottenen Lederjacken-Träger in diesem Mädchentraum der romantischen Raumbeleuchtung dazu rhythmisch schunkeln, weiß man, dass hier mit HIM letztlich große Könner am Werk sind, die von der ersten bis zur letzten Minute einfach alles geben und dadurch genau richtig machen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.10.2013

Anne-Sophie Kretschmer

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