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Das klang nach Jazz, Hardrock und viel Blues: Joe Cockers letztes Konzert in Leipzig

Das klang nach Jazz, Hardrock und viel Blues: Joe Cockers letztes Konzert in Leipzig

Er ist kein lässiger Entertainer. Sein Gesicht bleibt während des gesamten Konzerts ernst und sehr angespannt. Wo andere elegante Tanzschritte hinlegen, zucken bei ihm nur die Hände.

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Joe Cocker hat im April vergangenen Jahres in der Arena Leipzig rund 8000 Fans begeistert. (Archivfoto)

Quelle: André Kempner

Er singt seine Lieder nicht, sondern sie entringen sich ihm, finden mühevoll den Weg aus unergründlichen Seelentiefen herauf ans Licht. Oft scheint es, als quäle er sich damit, in jedem einzelnen Song verausgabt sich Joe Cocker vollkommen: Er ist der Schmerzensmann des Rock’n’Roll. Am 16. April 2013 war er in der Arena Leipzig.

Gleich nach dem Start mit der aktuellen Single „I Come In Peace“ legt er das Jackett ab und springt vier Jahrzehnte zurück. Mit „Feeling Alright“ beginnt sich das Hit-Karussell zu drehen, während die Schweißflecken auf seinem Hemd immer größer werden. Die unglaublich intensive Ballade „Up Where We Belong“ wird zum ersten dramatischen Höhepunkt. Die emotionale Hochspannung in der proppevollen Arena entlädt sich danach in orkanartigem Jubel.

Bewegend, wie die Menge nur kurz später ganz sanft die ersten Worte von „You Are So Beautiful“ mitsingt. Unaufgefordert natürlich, der Meister käme nie auf die Idee, Mitklatschen oder Mitsingen einzufordern. Zwei knappe Ansagen und die Vorstellung der Musiker müssen als Verbalkommunikation reichen. Die Band jedenfalls hat die namentliche Würdigung mehr als verdient. In jeder Position exzellent besetzt, entrollt das Oktett hinter dem Meister mit viel Spielfreude und handwerklicher Präzision den Cocker-typischen Breitwand-Rock’n’Roll.

Das klingt nach Jazz und Hardrock, nach Soul und viel viel Blues. Und wenn Multiinstrumentalist Norbert Fimpel sein „Weltmeister“-Akkordeon aus Klingenthal schultert, ist mit „N’oubliez Jamais“ auch eine sehr eigenwillige Lesart des Begriffs „Musette“ zu genießen. Am Stutzflügel sitzt der brillante Nick Milo; Gene Black könnte an der Gitarre mit seinem harten Anschlag locker jeden Heavy-Metal-Jungspund an die Wand spielen. Zentraler Hingucker auf der Bühne ist jedoch die umwerfende Oneida James-Rebeccu am Viersaiter, mit einiger Wahrscheinlichkeit the sexiest bass alive. Jeder andere würde neben dieser attraktiven Powerfrau zur Nebenfigur degradiert. Cocker aber weiß genau, dass ihm hier niemand die Show stiehlt.

Nach 80 Minuten, die Masse hat sich gerade bei „Unchain my Heart“ so richtig gehen lassen, leitet ein ellenlanges Hammond-Solo pünktlich den Höhepunkt jeder Cocker Show seit fast 45 Jahren ein: Er hat mit „With A Little Help From My Friends“ die Hippies in Woodstock gerockt, die Welt mit einem infernalischen Urschrei schockiert und nebenbei unfreiwillig die Luftgitarre erfunden. Den legendären Schrei kriegt er fast so gut hin wie damals. Während des danach ausbrechenden Jubels huscht für Sekundenbruchteile der Anflug eines Lächelns über sein Gesicht. Als sei er eine schwere Last los geworden.

Lars Schmidt

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