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Das neue Leben von 9 Welten

Leipziger Band mit neuem Album Das neue Leben von 9 Welten

Aus dem Kern der Halleschen Metalband Insomnium Astrorum formte sich eine sanftere Variante unter dem Namen 9 Welten. Die hat ihr jüngstes Album „The Sea I’m Diving In“ auf den Markt gebracht – und damit ein neues Achtungszeichen gesetzt, obwohl die Band geschrumpft ist...

Momentan ein Trio: 9 Welten.

Quelle: www.giacomoastorri.it

Leipzig. Vor vielen Jahren gab eine Zeit, in der sich etliche der bösesten Unholde des skandinavisch orientierten Black Metal auf die friedvolle Mystik der Wälder besannen, um fortan akustischer Schwermut zu frönen. So geschehen auch bei der Halleschen Extrem-Metal-Herde Insomnium Astrorum, aus deren Kern sich ein sanftes Dunkelfolk-Ensemble namens 9 Welten kristallisierte.

Der Name geht auf jene neun Welten zurück, die von der mythologischen Welten-Esche Yggdrasil durchzogen werden, vom Totenreich Helheim (erinnert sich jemand an die Leipziger Kneipe dieses Namens?) über Midgard bis zum Göttersitz Asgard. Die neue Band machte Anfang des Jahrtausends rasch Furore, weil sie mit ungestellter Natürlichkeit vermochte, sowohl die alten Fans mitzunehmen, als auch im gothic-affinen Neo-Folk-Sektor zu punkten; der Auftritt beim Wave Gotik Treffen 2003 brachte den Plattenvertrag. Und eroberte man auch die „klassischen“ Folksgruppen, wie sie sich alljährlich in Rudolstadt versammeln: 2005 waren sie zum Weltmusikpreis Ruth nominiert. Das alles noch vor dem ersten richtigen Album, das 2006 die hochgesteckten Erwartungen in punkto Musikalität, Innerlichkeit und Melodiegefühl mehr als erfüllte. Mit dem Nachfolger „Destrunken“ ließen sie 2009 ein Meisterwerk folgen, große Entwicklungen schienen sich anzubahnen. Es folgte: nichts.

Nach einer Serie von Konzerten und Tourneen stiegen zwei Protagonisten aus. Ersatz war nicht so schnell zu finden, die Band verschwand von den Bühnen und damit aus der Aufmerksamkeit. Doch sie hörten nicht auf zu arbeiten und sich musikalisch zu entwickeln. Der zur zentralen Figur gewordene Gitarrist und (nunmehr) Sänger Meinolf Müller rekapituliert die Geschichte des jetzt vorliegenden Tonträgers: „,The Sea I’m Diving In“ hat sich über einen langen Zeitraum von circa 6 Jahren entwickelt. Erste Ideen und Arrangements entstanden 2010. Darauf haben wir dann aufgebaut und im Laufe der Zeit immer wieder mit neuen Sounds experimentiert. Wir wollten eine noch kraftvollere und epischere Atmosphäre schaffen.“

Genau diese tritt dem geneigten und dann auch mit einiger Wahrscheinlichkeit überwältigten Hörer in ganzer opulenter Schönheit entgegen: „Sicherlich war es unserem privaten Musikkonsum geschuldet, der sich über die Jahre natürlich auch entwickelt hat: Wir wollten den Kompositionen eine dramatischere Dynamik durch kraftvolle Postrock-Elemente und orchestrale Streicherflächen geben. Zudem haben wir die Lieder mit Gesang konzipiert“, erklärt Müller, mit dem der Bandmittelpunkt nach Leipzig wanderte.

Sie haben sich derzeit auf ein kreatives Trio reduziert. Neben der Stimme und der Gitarre von Müller setzt die Violine von Alice Deinert starke Akzente. Dunkelromantikern ist sie von Haggard, Die Kammer und Empyrium bekannt. David Zaubitzer, der neben seinen Gitarren auch ein hervorragendes Cello spielt, war schon bei Insomnium Astrorum dabei.

Nach langer erfolgloser Suche nach einem Schlagwerker, der diesen Geist aufgreifen könnte, baten sie Niko Knappe, Kopf und (Studio-)Drummer der Leipziger Dark Suns, sich der Stücke, die bisher nur mit Computerbeats unterlegt waren, für die Aufnahmen anzunehmen. Knappe kniete sich rein – und genau dieser menschlich generierte Rhythmus, durchaus zurückhaltend, aber mit konstantem Nachdruck gespielt, setzt nun das Tüpfelchen. Entstanden sind Lieder, die sich aus einem ruhigen Grundduktus heraus zu beträchtlicher Emotionalität entwickeln, ohne sich in aufgesetzten Lärmorgien zu verlieren. Der Gesang macht alles viel persönlicher, was aber nicht heißt, dass dem Film im Kopfkino nun eine strenge Regie verordnet würde: Die Texte sind ohnehin zur Hälfte von Edgar Allen Poe. Insgesamt eine sphärische, sehnsuchtsvolle, melodiös-mystische Mischung aus Pagan Folk und Filmmusik, Postrock und Liedermacherei.

Zu dritt, vor allem ohne Schlagzeug, werden diese unglaublich berührenden Lieder kaum auf der Bühne umzusetzen sein. Doch Meinolf Müller macht Hoffnung: „Derzeit arbeiten wir für die Liveumsetzung mit zwei weiteren Musikern für Schlagzeug und Bass zusammen.“

Wir werden sie also wieder spielen sehen. Irgendwann. Zeit spielt bei dieser Musik ohnehin keine Rolle.

Von Lars Schmidt

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