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Deep Purple in Leipzig: 6000 Fans feiern Kultband in der Arena mit "Smoke on the Water"

Deep Purple in Leipzig: 6000 Fans feiern Kultband in der Arena mit "Smoke on the Water"

6000 Fans in den besten Jahren haben am Montagabend in der Arena Leipzig mit Deep Purple knapp zwei Stunden lang die große Zeit des harten Rock beschworen. Von der 1968er Gründungs-Besetzung nur noch Schlagzeuger Ian Paice (64) dabei.

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Deep Purple in der Arena Leipzig: Die Fans feierten die Rockband aus Großbritannien.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Aber auch mit den "Nachrückern" ist das musikalische Ergebnis verdammt gut. Die Fans warteten vor allem auf einen Song: "Smoke on the Water".

Richie Blackmore stand einst an der Gitarre fürs geniale Berserkern, Jon Lord an der Orgel für die gleichfalls geniale, eher klassisch orientierte Ambition. Beide zusammen machten sie Deep Purple groß, einzigartig. Und wenn die beiden sich im Rausch ausufernder Soli in herzlicher Hassliebe ausdauernd aneinander abarbeiteten, wurden aus Rock-Konzerten psychedelische Gottesdienste. Vorbei.

Am Montagabend in der mit rund 6000 Fans anständig gefüllten Arena Leipzig fehlen sie notgedrungen. John Lord ist im letzten Sommer in den Rocker-Himmel aufgestiegen, Richie Blackmore längst in die Niederungen scheinmittelalterlichen Geschrammels hinab.

Klassik-Ausflug zu Bach

Überhaupt ist von der 1968er Gründungs-Besetzung nur noch Ian Paice (64) an der Schießbude dabei. Sänger Ian Gillan (67) ist der Senior der aktuellen Besetzung und geht mittlerweile auch als Urgestein durch: Von ’69 bis ’73, von ’84 bis ’89 und seit 1992 ist er dabei. Roger Glover (66) beackert ebenfalls mit Unterbrechungen seit 1969 den Bass. Don Airey (64) an den Keyboards muss seit 2002 die großen Fußstapfen des seligen Lord zu füllen versuchen, und der 58-jährige Jungspund Steve Morse sich seit 1994 an Blackmore messen lassen.

Das Ergebnis ist verdammt gut. Weil Nachrücker erstens durch die Bank famose Musiker sind und sie sich zweitens hinreichend große Dosen der Gene ihrer Vorbilder haben spritzen lassen, um zu gewährleisten dass Deep Purple Deep Purple bleibt. Weil sie andererseits als Persönlichkeiten eigenständig genug sind, um Deep Purple nicht zur eigene Cover-Band verkommen zu lassen.

So tauschen vor Morse und Airey im Laufe der knapp zwei Stunden in der Arena bisweilen die historischen Rollen: Der sensationelle Gitarrist lässt sich in Leipzig den Klassik-Ausflug zu Bach nicht nehmen, was Blackmore im Leben nicht eingefallen wäre. Und Airey drischt rund um seine in Haydns Kaiserquartett (oder, je nach Deutung, die deutsche Nationalhymne) mündende Verbeugung vor dem großen Thomaskantor so hemmungslos auf seine Orgel und das das stattliche Equipment ein, dass es eine Freude ist. Schön, dass es noch Rockbands gibt, die die große Kunst des großen Solos mit Hingabe pflegen. Und, klar: Paice, der Herr der Stöcke, er hat auch eins.

Derlei ist heute fast ausgestorben. Das sieht man auch dem Publikum an: Während die Fans der ersten Jahre (das Durchschnittsalter im Saal ist nicht sehr weit von dem auf der Bühne entfernt) sich zu den Solo-Eskapaden mit geschlossenen Augen in Ekstase wiegen, schütteln die versprengt vor allem im Innenbereich stehenden jugendlichen Schlachtenbummler eher horizontal die Köpfe.

Doch auch die haben einen schönen Abend. Weil Frontmann Gillan die langen Soli zur vokalen Rekreation nutzt, seine Stimmritze den strapaziösen Abend so mit anstand und Würde durchsteht. Charisma und Energie des freundlichen älteren Herrn mit dem sachten Bauchansatz, beeindrucken, derweil er sich da den Rock aus der Seele brüllt. Für „Child In Time", reicht’s dennoch nicht mehr. Seit zehn Jahren schon lässt er vorsichtshalber die Kehle von dieser grandiosesten aller Rock-Hymnen.

Sonst aber, schließlich trägt die Tour den Namen „The Songs That Built Rock" fehlt nichts wirklich schmerzhaft. Zu Prokofjews „Romeo und Julia" (da muss man als harter Rocker erst mal drauf kommen) ziehen Deep Purple ein, dann folgt atemlos Kracher auf Kracher. Zwischen „Strange Kind Of Woman aus dem Jahr 1971 und „The Battle Rages On" von 1993: „Fireball" (rasant, rasant, Chapeau, Herr Paice!), „Strange Kind Of Woman" „Lazy" und „No One Came". Und so weiter und sofort.

Warten auf das unverwüstliche Riff der Riffs

Natürlich dröhnt am Ende des regulären Programms gegen Viertel vor elf „Smoke On the Water" unwiderstehlich zerrend durch den Saal, und nicht wenige der 6000 lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie vor allem darauf gewartet haben. Auf das unverwüstliche Riff der Riffs, auf einen Text, den sie mitbrüllen können.

Mit „Hush" beginnt der Zugabenblock. Und nach knapp zwei Stunden am Rockdenkmal sehen auch die Jüngsten ein, dass früher vieles viel besser war. Besser jedenfalls als die Vorband Edguy aus Fulda. Obwohl die für sich betrachtet auch nicht schlecht sind, dicht, treibend, kraftvoll und über einen fabelhaften Sänger verfügen.

Doch gegen die Grandezza der gut gelaunten rüstigen Rock-Opas aus Großbritannien, die keinerlei aufgesetzte Show brauchen, sondern mit diebischer Freude fortwährend Bonbons und Lollis ins Publikum werfen, glänzt das deutsche Jungmetall doch ziemlich matt.

Peter Korfmacher

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