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Kultur Den Kopf voll eingängiger Melodien: Zum 70. von Günther Fischer
Nachrichten Kultur Den Kopf voll eingängiger Melodien: Zum 70. von Günther Fischer
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19:46 20.06.2014
Günther Fischer Quelle: dpa

Da wusste Günther Fischer schon, was er machen wollte: Jazz spielen und komponieren.

Als er 1967 sein Quartett zusammen holte (u.a. mit Reinhard Lakomy) war in der DDR gerade Beat-Eiszeit. So wurde Günther Fischer, als Quartett, Quintett und Sextett, in studentischen Kreisen so etwas wie ein Ersatz. Diesen Zuspruch, den Günther Fischer und Klaus Lenz damals hatten, muss sie wohl selbst etwas erstaunt haben. Sie spielten schließlich nichts Gefälliges.

Allerdings war der Jazz, mit dem er durch die DDR und das Ausland (auch West) tourte, immer nur die eine Seite des Komponisten Günther Fischer. Die andere wurde 1970 populär, als bei Amiga die LP "Das war nur ein Moment" erschien. Manfred Krug singt Lieder von Günther Fischer - und die waren so eingängig, dass die Platte zum Hit mit drei weiteren LPs wurde. Wobei eine mit Traditionals gefüllt war, die Günther Fischer modern bearbeitet hatte. Die Geburt eines Traumduo, das vor der DDR-Ausreise von Manfred Krug jahrelang tourte - und mit der Wende zerbrach. Krug hatte in seiner Stasi-Akte gelesen, Günther Fischer als IM entdeckt und ihn 1993 in einem offenen Brief im "Spiegel" kleiner Mozart und Arschloch genannt. Günther Fischer bestreitet allerdings bis heute, jemals IM gewesen zu sein.

Die deutschen Nachwende-Querelen ließ Günther Fischer ohnehin hinter sich, als er 1997 nach Cork (Irland) zog, wo er die meiste Zeit des Jahres lebt, auch Jazz-CDs aufnimmt und Konzerte spielt, obwohl er sein Haus am Seddinsee behalten hat. Gefragt war der Musiker aus Teplitz ohnehin bereits zu DDR-Zeiten im Ausland. Mit der Musik zum Kino-Melodram "Schöner Gigolo, armer Gigolo" (1979) mit David Bowie und Marlene Dietrich war er bereits früh im westlichen Film angekommen.

Soundtracks zählen zu den Dingen, die Günther Fischer am meisten beschäftigen - und dazu gehört weiß Gott nicht nur "Solo Sunny" (1980) mit seinen so zeitlosen Songs. Für über 200 Filme und Serien hat er bislang komponiert - vom Indianerfilm "Tecumseh" über die Komödie "Ein irrer Duft von frischem Heu", das TV-Drama "Geschlossene Gesellschaft", die Hermann-Kant-Verfilmung "Der Aufenthalt" und die Satire "Märkische Forschungen" bis zu "Whisky mit Wodka" und "Sushi in Suhl", nicht zu vergessen die TV-Erfolgsserien "Der letzte Zeuge", "Familie Dr. Kleist" und "Die Stein". Auch für die kultige TV-Show "Showkolade" schrieb er drei Jahre lang die Musik. Zuletzt hat Günther Fischer, nach der CD "Es gibt Tage ..." (2010), einige Konzerte mit Armin-Mueller Stahl gegeben. Im Herbst folgen weitere. So ist der Terminkalender des Mannes, der seit 1972 mit der Ärztin Petra verheiratet ist und am 23. Juni 70 Jahre alt wird, weiterhin gut gefüllt - und sein Kopf voller Melodien. Norbert Wehrstedt

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.06.2014

Norbert Wehrstedt

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