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Kultur Der Asiate geht mit seinem Debütalbum „Kätzchenfleisch“ auf Deutschland-Tour
Nachrichten Kultur Der Asiate geht mit seinem Debütalbum „Kätzchenfleisch“ auf Deutschland-Tour
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21:15 05.11.2015
Seit gestern auf „Reiskultour“: Der Asiate alias Andy Ziernstein (27). Quelle: Ballyhoo
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Leipzig

Er tut nur so. Der Leipziger Rapper „Der Asiate“ spielt höchst amüsant mit der Angeberei und dem Böse-Buben-Image, die viele Hiphop-Kollegen ganz im Ernst pflegen. Via Facebook und Youtube hat der 27-Jährige, der im normalen Leben Andy Ziernstein heißt, bereits eine beeindruckende Fanschar mobilisiert. Heute erscheint sein Debütalbum „Kätzchenfleisch“, mit dem er seit gestern auf Deutschland-Tour ist.

Warum nennst du dich „Der Asiate“?

Meine Mutter ist Deutsche, mein Vater Vietnamese. Er kam 1982 nach Deutschland. Weil mein Vater aus Asien kommt, hatte ich in der Schule schnell den Spitznamen weg, da ich der einzige mit Migrationshintergrund war. Heute benutze ich den Namen als Pseudonym.

Wie bist du zur Musik, wie zum Rappen gekommen?

Ich war schon immer ein Fan guter Rapmusik. Zuerst habe ich viel Hiphop aus den USA gehört, später deutschen Rap. Meine Vorbilder sind 2Pac und Samy Deluxe. Dann fing ich an, eigene Stücke auf Deutsch zu schreiben. Die deutsche Sprache war mir immer näher als die englische. Man kann vieles besser ausdrücken und spricht die Leute direkt an, die hier leben. Dann habe ich mich mit anderen Hiphoppern in der Szene gebattlet und festgestellt, dass ich ziemlich gut bin. Seit 2008 nehme ich meine Stücke auf und produziere Musikvideos in Eigenregie. Ich bin zuerst viel in Leipzig aufgetreten. Die Konzerte habe ich selbst organisiert.

Wie war für dich die Arbeit am ersten Album?

Für mein Debüt habe ich im Homestudio viel vorproduziert, so dass für die Plattenproduktion die Beats im Grunde alle standen. Sie mussten nur noch angefettet werden. Die Raps habe ich in einer Woche aufgenommen.

Welche Reaktionen erhoffst du dir?

Ich hoffe, dass sich die Leute von meiner Musik und den witzigen Texten gut unterhalten fühlen. Viele Lyrics im Hiphop ziehen dich einfach nur runter, sind zu ernst, zu politisch und sprechen nicht den Alltagskonsumenten an. Wir lesen und hören doch schon jeden Tag schlechte Nachrichten in den Medien. Ich will mit meiner Musik wieder die Lockerheit, den Witz in den Hiphop zurückbringen. Viele, die mich hören, sind noch jünger – zwischen 18 und 25 Jahren alt – da will man einfach nur Spaß haben und eine Partyplatte auflegen.

Wie kam es zum Plattenvertrag?

Meine Freundin Lumaraa, die auch rappt, hatte einen Kontakt zu Delta Music. Sie hat die Weichen gestellt. Dann hat man sich getroffen und den Vertrag unterschrieben.

Wieso hebst du dich von anderen Hiphop-Künstlern ab?

Ich bin ein witziger Typ und mache Hiphop mit Comedy. Ich nehme absichtlich das viel zu coole Gangster-Rapper-Image auf die Schippe und spiele damit. So schaffe ich mir ein Alleinstellungsmerkmal, hebe mich von anderen Rappern der Szene ab, die oft mit ihrem Gehabe einfach komisch wirken.

Warum heißt das Album „Kätzchenfleisch“?

Ich habe mich gefragt, was ist lustig und typisch für die Asiaten? Da dort viel Katzenfleisch gegessen wird, lag es nahe, so ein Thema auf den Titel zu bringen und die verschiedene Zubereitungsarten zu erläutern. Klar sollte jedem aber sein, dass ich damit nicht ernst mache. Angst, dass die Katzennothilfen in Leipzig nach Erscheinen des Albums Alarm schlagen, habe ich aber nicht. Daneben verarbeite ich Themen aus meinem Leben wie den Abschluss des Plattenvertrags oder meinen Ex-Job als Bademeister.

Comedy-Rap mit 250.000 Fans

Deutscher Hiphop ist das Steckenpferd von Andy Ziernstein (27) alias „Der Asiate“. Der nahe Bautzen geborene und seit vier Jahren in Leipzig wohnende Reimkünstler legt am Freitag sein Debütalbum mit dem Titel „Kätzchenfleisch“ vor, das beim Label „Bassukah“ erscheint. Neben durchgehend klassischen Hiphop-Beats erwarten den Zuhörer humorige Texte und viel Selbstironie. Mit seinem Witz will Ziernstein gängige Hiphop-Klischees auf die Schippe nehmen und schlägt mit seinem Comedy-Rap eine neue, erfrischende Richtung im Genre ein. Ein Unbekannter ist „Der Asiate“ in der Szene trotz Debüt jedoch nicht. Seit 2008 ist er als Rapper in Region und Onlinekanälen unterwegs und zählt 250 000 Fans auf Facebook und Youtube. Am Donnerstag hat in Freiburg seine „Reiskultour“ begonnen. Höhepunkt der Tournee ist das letzte Konzert am 3. Dezember im Leipziger Täubchental.

Als Sohn eines Einwanderers – wie stehst du zur Flüchtlingskrise?

Natürlich habe ich dazu eine Meinung. Da ich aber Comedy mache, ist das derzeit kein Thema für mich oder meine Texte. Ich finde es aber gut, wenn sich zum Beispiel Klaas und Joko, die sonst nur Klamauk machen, gegen Rassismus aussprechen.

Was willst du über die Tour verraten?

Zusammen mit meinem DJ o-Two werde ich bundesweit in elf kleineren Clubs mit bis zu 300 Leuten den Abend auftreten. In jeder Stadt kommen verschiedene Gastmusiker dazu und unterstützen uns. Im Vorprogramm wird Gary Washington die Leute anheizen. In Leipzig gibt es mehrere Überraschungen für die Fans. Viele Freunde werden mit uns auf der Bühne Programm machen und Reis werfen. Für mich ist es eine große Sache, in meiner Heimatstadt Leipzig mit meinem Debütalbum aufzutreten. Ich bin schon ein wenig aufgeregt.

Wo siehst du dich in der Zukunft?

Im Moment laufen die Vorbestellungen für das Album sehr gut. Daher ist bereits eine zweite Platte im Gespräch. Ich bin Optimist und gehe mit der Zeit.

Von Oliver Becker

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