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Der Funk ist auferstanden: Neues Album der Leipziger Band Schwarzkaffee

Der Funk ist auferstanden: Neues Album der Leipziger Band Schwarzkaffee

Leipzigs Funkorchester ist zurück. Das knappe Dutzend beseelter Freaks um Bass Hendrik Herchenbach schaffte dank zahlreicher Fundraising-Unterstützer, sein drittes Album im gewohnt verrückten Artwork in den Dienst der Sache zu stellen: Seit kurzem funkt mit hoher Energie das "Radio Freakquency" eine Übertragung von einem schrillen Planeten, den viele untergegangen wähnen.

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Kein Himmelskörper, vielmehr eine Leipziger Band: Schwarzkaffee, um genau zu sein.

Quelle: Florian Ostermann

Doch ganz falsch! Er war immer da, nur nicht so heftig von der Sonne beschienen.

Dabei sind Schwarzkaffee viel mehr als eine Revival-Kapelle auf der Suche nach den guten alten Zeiten: Nach einem etwas merkwürdigen Intro - Radio eben - holt die Band viel Anlauf für einen mutigen Sprung zwischen die Stühle: Raschid D. Sidgi, längst einer der wichtigsten MCs der Stadt, eröffnet das Werk mit sattem Rap auf funky Gebläse. Dieser Opener ist schwerer Stoff für HipHopper, da gründlich verjazzt, für Jazzer ist er dafür vielleicht ein wenig zu Hip & Hop.

Die Nummer beginnt in vornehmstem Understatement mit den Worten "Obacht, Menschheit!" und lässt ebenso wie der Folgetrack "The Reincarnation Of Funk" keinen Zweifel an der frohen Botschaft: Verkündigt wird die Auferstehung des Funk aus der Asche der Siebziger und seine Neuschöpfung im aktuellen Jahrtausend. Vorneweg beim Wiedereinzug in die Arena der Popularmusik schreiten die Propheten. Sidgi gibt den amerikanischen Freikirchenprediger. Große Dinge werden prophezeit, die Mission beschworen und Gelöbnisse abgenommen. Raschid Sidgi ist - Figaro-Hörer wissen das - ein sehr guter Radiosprecher. Priester kann er also auch. Man weiß ja nie, wozu das mal gut ist.

Danach kippt das Ganze unvermittelt in smoothigen Vokaljazz. Das ist ein ganz anderer Flow und kontrastiert komplett den Power-Funk mit Bassdruck und Tanzmessage. Doch Maike Lindemanns Stimme ist dem gewachsen. Sie hat den Jazz in der Kehle und hält den Spannungsbogen. Funk kann sie auch, wie sie später eindrucksvoll unter Beweis stellt. Und so groovt sich das Album weiter. Sparsam und transparent produziert, kommt die instrumentale Vielfalt der Bigband richtig zum Tragen.

Sie gönnen sich viele Reminiszenzen an die Gründerzeiten, vor allem an die seinerzeit gebauten schweren Elektro-Orgeln, sind bei den Bläsern hoffnungslos jazzverliebt. In der Mitte das in jeder Hinsicht zentrale Stück: Auf einem unglaublich zwingenden Rhythmus chantet die Gemeinde selig: "Praise The Lord (For The Funk)". Dazu ein Gitarrensolo, bei dem auch der Metaller flachliegt.

Danach chillen sie ein wenig, um am Ende wieder richtig aufzudrehen. Das Schlussstück ist ein echter Retro-Knaller. "It's Alright" bringt jede Schlaghosen-Party zum Kochen, die Nummer hätte sogar in den Siebzigern selbst funktioniert. Straight nach vorne, tanzbar und mit hohem Gute-Laune-Faktor. Die meisten wären froh, mit so einem Hammer ein Album eröffnen zu können. Schwarzkaffee bringen das Stück am Schluss: Das muss man sich erst mal leisten können!

Auf diese Weise entlassen sie uns aber mit einem Lächeln auf den Lippen, leicht tänzerischen Schrittes mit Lust auf mehr - und siehe, aus dem Füllhorn purzelt prompt noch ein Hidden Track. Diese Botschaft sollte gehört werden!

Schwarzkaffee: Radio Freakquency (Transport Music/Kick The Flame/Broken Silence) - erhältlich für 17,50 Euro plus Versandkosten unter www.schwarzkaffee.de. Die Band spielt kommende Woche in Rostock (25. April) und Berlin (26. April), am 4. Juli tritt sie beim Tanz- und Folkfest in Rudolstadt auf; nächstes Leipziger Konzert: 18. Oktober, 20 Uhr, Werk 2 (Kochstraße 132)

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.04.2014

Lars Schmidt

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