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00:19 12.07.2017
Stilleben mit Hörern – eine Aufnahme vom Festivalsamstag, die die Idylle des (Hörspiel-)Sommers nahe bringt. Quelle: Foto:Dirk Knofe
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Leipzig

Es ist wieder soweit: Die Festival-übliche Kulisse macht sich seit Freitag am Elsterwehr breit, der Wind schwebt über das Wasser, in dem sich die Sonne spiegelt. Aus Lautsprechern tönt es über das idyllische Plätzchen, an dem sich jährlich tausende Menschen sammeln, um gemeinsam im Gras zu verweilen und ausgewählten Hörspielen zu lauschen.

Darth Vader schneidet Brot, ein Waldmopsrudel oder doch eher ein schwarzes Loch? In den letzten Wochen konnte man in Leipzig Plakate und Sticker mit diesen Sätzen in bunter Neonschrift auf schwarzem Grund entdecken. Plakatiert wurden die Antworten der Zuhörer zum Hör-Spiel, auf der festivaleigenen Website wurden fleißig Geräusche erraten mit sehr skurrilen und lustigen Erklärungen, erzählt man in der Eröffnungsrede. Bis zu 60 Leute suchen sich am ersten Festivaltag Platz unter den großen Bäumen des Hains, „aber im Laufe des Festivals werden es bestimmt immer mehr“, wünscht sich Veranstalter Marcus Heinke.

Ein Sprecher umgarnt die Anwesenden mit seiner Stimme, er säuselt Liebeserklärungen, versucht die Wand zwischen Sprecher und Hörern zu durchbrechen. „Ich bin in deinem Gehörgang.“ Er macht es sich in unseren Ohren bequem, auf der Suche nach des Hörers Liebe. Ganz nach seinem Titel „Lieber Hörer“, ein prämiertes Hörspiel aus dem Jahr 2008, das das Festival einläutet.

Der Wind gleitet durch den Hain und hinterlässt Gänsehaut – der Himmel zieht sich zu. Passend zur düsteren Thematik der nächsten Geschichte „Wir sind nicht das Ende“. Eine Frau und ein Mann, eine Liebe, und dann ist da die letzte Nachricht von ihm – „Ich liebe dich“ – genau am Tag, als die Twin-Towers unter der Gewalt mehrerer Flugzeuge zusammen brachen. Viele Fragen sind in ihrem Kopf, tiefe Ungewissheit, sie scheint daran zu zerbrechen. Sie liebt einen Mörder, und warum liebt ein Mörder sie?

Nach den zwei ersten Hörspielen folgt eine Ansprache von Skadi Jennicke; die Kulturbürgermeisterin ist dieses Jahr Schirmherrin des Projekts. Dem Regen trotzend, hält sie eine kurze Ansprache, betont ihre persönliche Liebe zum Hörspiel, ein kleines Interview folgt. Doch dann platzt der Starkregen dazwischen, die schwarze Wand rückt unvermeidlich näher, bis alle auf dem Gelände unter Zelte und schützende Bäume fliehen müssen. Das nächste Hörspiel geht im Regen unter, für kurze Zeit wird das Festival unterbrochen.

Am zweiten Tag ist der Wettergott besser gelaunt, ein Meer aus Picknickdecken umringt die kleine Bühne, dem Ort, von dem die Geschichten strömen. Die Blätter der alten Bäume werden durch denWind zum Rauschinstrument, gefallenes Laub knistert unter der Decke. Deutlich mehr Menschen trauen sich dank guter Wetterlage auf den Richard-Wagner-Hain. Von Familien bis Pärchen, alt und jung, viele treffen sich, um wieder absurden, lustigen und kreativen Geschichten zu lauschen.

Das Samstagabendprogramm trägt das Motto „Sex und so“; begonnen wird mit einem Stück von Sibylle Berg „Und jetzt: Die Welt“. Eine Frau in den Zwanzigern geht mit sich ins Gericht, sie zieht Bilanz, schildert ihre Angst des Alterns, das sich für sie so nah anfühlt. Vieles wird aufgeworfen, überprüft: Familie, Karriere und Liebe – und auch die plagende Einsamkeit.

Es dunkelt, der Tag wechselt in die Nacht, und der erste Live-Act des Festivals „Zym Olump“ betritt die Bühne. Die Akteure müssen die Frage klären, wie Peters Reise zu Ende geht und verschaffen den Fans von Prinz Peter und MC endlich Gewissheit. Sie nehmen alle im Einklang einiger Synthie-Punk- und Indie-Einlagen mit auf den langen Weg Peters, der sich in Froißen auf den letzten Metern befindet – ein hörenswertes Happy End.

Der Hörspielsommer geht am Montag ab 16 Uhr mit Familienprogramm weiter, 18.15 Uhr folgt das Abendprogramm unter dem Titel „Immer wenn es klingelt, ist es niemand.“ Weiteres steht auf der Seite www.hoerspielsommer.de.

Von Sarah Englisch

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