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Der Kitschflüsterer: Bosse im ausverkauften Werk 2

Der Kitschflüsterer: Bosse im ausverkauften Werk 2

Axel Bosse galt, nachdem er 2003 unter dem Namen Bosse den Versuch einer Solokarriere gestartet hatte, als Geheimtipp der Indie-Szene. Mit seinen vom Rock geküssten Popklängen vermochte er zwar nicht die großen Hallen zu füllen, aber dennoch immer wieder aufs Neue die stetig wachsende Fanschar von sich zu überzeugen.

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Axel Bosse (33) im Werk 2.

Quelle: André Kempner

Mit dem Album "Wartesaal" gelang ihm 2011 schließlich der Durchbruch. Seitdem steht man, kündigt Bosse sich für die eigene Stadt an, Schlange vorm Einlass. Denn auf den großen Bühnen ist er nun endlich zu Hause.

In Leipzig ist das am vergangenen Freitag nicht anders. Ins Werk 2 zieht es den Braunschweiger, das er schon im Jahr zuvor gefüllt hat. Auch an diesem Abend ist sein Konzert mit 1200 Besuchern restlos ausverkauft; die Halle A insbesondere von Paaren bevölkert, die vor Liebe zueinander sowie Vorfreude auf den Auftritt des Sängers nur so strahlen.

Der Grund dafür offenbart sich schnell: Axel Bosse, der in dieser Nacht unter anderem sein fünftes, im März erschienenes Studioalbum "Kraniche" vorstellt, ist der Kitschflüsterer Deutschlands schlechthin. Seine Texte richten sich schlicht und ergreifend nach dem Leben sowie den darin zu findenden Wahrheiten des Daseins. Bosse singt unprätentiös und ehrlich von dem, was ihm durch den Kopf geht, sei es noch so simpel. Das hat, selbst in Reimform gebracht, zwar niemals lyrische Perlen der Weisheit zur Folge, trotzdem scheint es zu berühren, wenn von schönen und schaurigen Gefühlen oder den Tücken des Lebens berichtet wird.

Da können sich selbst die hartgesottenen Zyniker, obwohl das Mikrofon vor geschmalzten Texten beinahe überlauft, ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen. Pathetisch mag das nämlich sein, erfrischend authentisch jedoch ebenso. Der Optimismus, den der stolze Vater einer Tochter in seinen Songs verpackt, greift erschreckend schnell um sich, und bald schunkelt das Menschenmeer im Takt der alles und jeden erfüllenden Liebe.

Das täuscht allerdings nicht über die Beliebigkeit seiner Musik hinweg. Die Stücke folgen einfachen, vor sich hin plätschernden Melodien, die wahrlich wenig progressiv und recht schnell wieder vergessen sind. Bosse hingegen verausgabt sich, ganz Möchtegern-Rocker, sogar bei den einfachsten Beats für seine ihm zujubelnden Fans, die jeden gespielten Track für heftige Hüpfereien zu nutzen wissen, und bauscht damit seine Songs merklich auf, während er, gleich einem Wackeldackel mit dem Kopf beständig rhythmisch nach oben und unten schellend, zwischen seiner Band umhertänzelt.

Auf die große Bühne gehört er trotz dessen, das merkt man schnell, nach all der Zeit auf jeden Fall. Nicht, weil er unbedingt der beste Künstler oder Entertainer ist, sondern weil er als Sprachrohr für die Gefühle fungiert, die sich oftmals nicht alle auszusprechen trauen. Das macht ihn nahbar und sympathisch. Denn Mut zur Wahrheit, obgleich rosarot und von einem glitzernden Konfettiregen beseelt, kann man irgendwie immer gut gebrauchen. Anne-Sophie Kretschmer iAm 14. Dezember kehrt Bosse für ein Zusatzkonzert nach Leipzig zurück, dann im Haus Auensee (Gustav-Esche-Straße 4), Karten für 28,75 Euro im LVZ-Media Store (Höfe am Brühl), den LVZ-Geschäftsstellen und unter der gebührenfreien Tickethotline 08002181050.

Ein Video mit Eindrücken vom Konzert und einem Kurzinterview mit Axel Bosse sind auf www.lvz-online.de/kultur zu finden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.04.2013

Anne-Sophie Kretschmer

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