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Nachrichten Kultur Der Leipziger Schriftsteller Thomas Kunst stellt seinen neuen Roman vor
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13:42 30.11.2015
Thomas Kunst: Freie Folge. Verlag Jung und Jung; 256 Seiten (mit CD), 24 Euro Quelle: Verlag
Leipzig

Ein herrschaftliches Haus samt weitläufigem Anwesen, irgendwo in der Stille norddeutscher Wälder. Eine Frau, die dort mit Tochter und Sohn lebt. Ferner ihr Gatte, ein Geschäftsmann kurz vorm Abschluss irgendeines großen Deals, der nur an den Wochenenden bei seiner Familie ist. Dann ein rumänisches Dienstmädchen und natürlich diese Hunde, Münsterländer, mit denen die Kinder täglich nach der Schule im Wald verschwinden. Zu welchen Spielen auch immer.

„Freie Folge“ heißt der Roman des Leipziger Autors Thomas Kunst, der mit dieser übersichtlichen Figurenkonstellation im verdächtigen Idyll beginnt. Verdächtig, weil all diese Alltags-Normalitäten in den beobachteten Nuancen wie im Tonfall ihrer Schilderung sehr schnell eine Dissonanz unter der sprachlich glanzvoll komponierten Oberfläche fühlen lassen.

Es ist eine Exposition des emotional allzu Wohltemperierten, die hier Seite um Seite eine Tag-für-Tag-Beschreibung als sprachrhythmische Kunst der Fuge betreibt. Aus der sich dann aber bald jene thematischen Variationen und erzählerischen Modulationen kristallisieren, die diesen Roman geradezu expandieren lassen. Stilistisch weit hinaus über die Grenzen seiner literarischen Gattung treibend und thematisch eine Gefühlsexpedition und im wörtlichen Sinne Weltreise vollziehend, die aufzeigt, welch extravagante Ausnahmeposition der Autor Thomas Kunst in der deutschen Gegenwartsliteratur einnimmt.

Echte Welt-Literatur

„Freie Folge“ ist eben kein Roman, der sich begnügt mit jenen imaginations- und spracharmen Abbildungstechniken einer Prosa, die sich auf „die Wirklichkeit“ beruft, aber letztlich kaum mehr vollführt, als deren Schattenspiele mal besser, mal schlechter zu illustrieren. Kunst indes illustriert nicht. Nie. Vielmehr erschafft er dank einer nur noch selten anzutreffenden stilistischen und inhaltlichen Radikalautonomie eine (seine) Welt – in der zugleich aber auch das uns Bekannte, oft auch das allzu Bekannte, seinen festen Platz hat.

Die sinnlosen Sehnsüchte, die im selben Moment blind und klarsichtig machen können für das eigene Dasein. Die Verlorenheit und das Gefühl einer essenziellen Fremdheit, eines Fehl-am-Platze-Seins auch in der vermeintlichen Geborgenheit des Gewohnten. Und darüber natürlich die Lust auf den Ausbruch, die Suche nach dem Abenteuer und dem richtigen Ort, die hier in wahrlich freier Folge ausufert. Vom Waldgrundstück in die Bukowa, in grönländische Geisterstädte, nach Neufundland, Kambodscha oder Los Angeles.

Echte Welt-Literatur also. Allerdings eine, in der die Welt wie die Literatur ein auch sperriges, nicht immer leicht zu erreichendes Autonomiegebiet ist. Eine Enklave, ein Sprachexil in Zeiten der Sprachverarmung. In der Selbstbehauptung nun, in der dieses Buch diese Enklave verteidigt, trägt es nicht selten den Charakter einer Zumutung. Und ist genau auch darin etwas, das der Literatur heute fehlt, wie lange nichts mehr.

Buchpremiere und Lesung mit Musik: 1. Dezember, 19 Uhr, Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig, Deutscher Platz 1; der Eintritt ist frei

Thomas Kunst: Freie Folge. Verlag Jung und Jung; 256 Seiten mit CD, 24 Euro

Von Steffen Georgi

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