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„Der Rest ist banaler Erlebnishunger“: Reitler mit Debütalbum in der Nato

Konzert „Der Rest ist banaler Erlebnishunger“: Reitler mit Debütalbum in der Nato

Man kennt die Musiker in Leipzig aus vielen Zusammenhängen auf und hinter der Bühne. In der Nato stellen Torsten Reitler, Jörn Drewes, Matthias Keppler und Peter Krutsch – zusammen die Band Reitler – am Donnerstag ihr Debütalbum „Es geht mir gut“ vor.

Leipzigs Supergroup Reitler: Peter Krutsch, Torsten Reitler, Matthias Keppler und Jörn Drewes (von links).

Quelle: Bertram Bölkow

Leipzig. Eine Band – bestehend aus mehreren Protagonisten – nur mit dem eigenen Nachnamen zu überschreiben, zeugt auf den ersten Blick von Selbstbewusstsein. Wobei Torsten Reitler, Frontier der nach ihm benannten Kapelle, über diese schwerwiegende Entscheidung sagt: „Der Bandname war übrigens nicht meine Idee, die Kollegen waren von ,Reitler’ überzeugt, sowohl inhaltlich als auch vom Klang her.“

Nun gibt es am Donnerstag in der Nato die Record-Release-Party zum ersten Longplayer „Es geht mir gut“, einer lospreschenden, rockenden Liedersammlung, wobei Titel wie „Alles auf Anfang“, „Ruinen von Morgen“ oder „Haare am Sack“ schon im Vorfeld klarstellen, dass Bierernst nicht unbedingt Reitlers Vorname ist.

„Bei Reitler verschmelzen ganz unterschiedliche Musik- und Banderfahrungen. Keppi hat seine musikalischen Wurzeln in den 1970ern, wo er mit der M. Jones Band den wilden Osten bis zum Ural bespielte. Jörn, Peter und ich sind Kinder des 80er-Jahre-Postpunks. Daher kommt die gewisse Rotzigkeit, die wir auch aus unseren Schnulzen nicht rauskriegen. Was auch besser so ist,“ erzählt Torsten Reitler, im Brotberuf PR-Chef der Moritzbastei – und reicht, befragt nach der Intension, Musik zu machen (schließlich haben Jungrocker oft das Bedürfnis, in den Augen potenzieller Verkehrspartner*innen interessanter zu werden) nach: „Komischerweise waren Mädels nie mein Hauptmotiv fürs Musikmachen. Ich war nicht der unscheinbare, kleine Paul-Simon-Typ, der nur Songs geschrieben hat, damit ihn auch mal eine küsst. Aber dafür sind halt seine Lieder die eindeutig besseren. Lieder und Texte brauchen einen, der sie in die Welt trägt. Meine Lieder haben mich ausgesucht. Das ehrt mich sehr, weswegen es doch sehr unhöflich und kunstfeindlich wäre, mich ihnen zu verweigern. Also verhelfe ich ihnen auf die Bühne. Der Rest ist banaler Erlebnishunger. Man lernt viel beim Musikmachen, neue Leute, neue Orte, neue Abenteuer.“

Produziert hat den frischen Rundling Hendrik Gundlach, nicht nur gut gebuchter Tonorganisator, sondern auch Mitglied der legendären Düster-Trasher „Die Pest“, wobei der hiesige Heldenmacher-Musikverlag Kick The Flame (unter anderem Olaf Schubert, Arpen, Dark Suns oder Annuluk) die Aufgabe übernommen hat, den Vertrieb zu stemmen.

Nun ist Leipzig Lebensmittelpunkt der Aufstrebenden und zwingt mittlerweile auch zu Gedanken über die Szene. Da ist Torsten natürlich prädestiniert, ein Statement abzugeben: „Die musikalische Vielfalt und Qualität in Leipzig kann einen schon ein bisschen zur Verzweiflung treiben. Bei uns geht es ganz altmodisch um den Song und den Text. Bei vielen aktuellen Produktionen steht ja eher der Sound im Vordergrund, unser minimalistischer Ansatz wirkt da zwischen all den Soundperlen fast ein bisschen mickerig. In Leipzig reagieren viele mit: ,Ganz schön unterproduziert, euer Zeug’. Andererseits verstellt der Sound so nicht den Kern der Lieder.“

Textlich gibt sich die Band eine angenehme Unangepasstheit, macht sich sogar ein bisschen über die grassierende Negativität der Jetztmenschen lustig – wie in „Es geht mir gut“: „Früher oder später sind da immer diese Zweifel / Wozu hab ich so oft nein gesagt, die Chancen waren da / Ich sollte längst ganz entspannt am Stadtrand Rasen mähen / Längst schon ernten als zu ackern und zu säen … Das Leben liegt in meinen Händen / Die Sonne steht am Himmel für mich / Sorgt euch nicht um mein Befinden / Es geht mir gut, ich lach euch ins Gesicht.“ Das lässt hoffen, auf einen länger haltenden und in sich zufriedenen neuen Klangtupfer für die Stadt, einen Tupfer, der vielleicht einige der in all der Schnelligkeit gerissenen Kratzer mit musikalischer Medizin bestreichen kann. Da darf es auch gern mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein sein.

„Mit dem Stimmbruch verschwand mein Knabentenor und mit ihm jegliches stimmliches Selbstvertrauen. Punk war dann die Ermutigung, dass jeder so darf, wie er kann. Morrissey und Manfred Krug haben mir schließlich den Weg gewiesen, und mit ein bisschen Übung, viel Selbstüberschätzung und Learning by doing ist dann eine Stimme herausgekommen, mit der ich mich vor die Leute traue.“

Reitler, davor Jon Lupus, Donnerstag, 20.30 Uhr, Nato (Karl-Liebknecht-Straße 46), Eintritt 12/10 Euro. Das Album „Es geht mir gut“ ist vor einer Woche bei Kick the Flame erschienen; www.radioreitler.de

Von Volly Tanner

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