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Kultur Der Tenor-Weg zum Herzen: Gaston Rivero und Olena Tokar in der Oper Leipzig
Nachrichten Kultur Der Tenor-Weg zum Herzen: Gaston Rivero und Olena Tokar in der Oper Leipzig
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15:26 26.04.2015
Gaston Rivero und Olena Tokar in der Oper Leipzig. Quelle: Peter Korfmacher

Aber eine Aufführung von dieser Qualität habe ich hier noch nie erlebt. Von wegen: Früher war alles besser!"

Die Aufführung, die nicht nur Seiffarth an diesem Samstagabend in der Oper Leipzig großzügig mit Superlativen bedenkt, ist die diesjährige Gala des Hauses. "Gaston And Friends" ist sie überschrieben, und im Zentrum steht der aus Uruguay stammende, in New York lebende Tenor Gaston Rivero, Jahrgang 1978, auf der ganzen Welt gefragt und in Leipzig im Spielplan vertreten unter anderem als Cavaradossi, Rodolfo, Pinkerton, Alfredo, Ismaele. In seiner Gala reicht er nun Ausschnitte weiterer Traumpartien nach, die das Repertoire für einen Sänger seines Traumfachs bereithält. In der ersten Halbzeit aus der Feder Giuseppe Verdis, Radames ("Aida"), Don Carlos, Troubadour, in der zweiten von Bizet (Don Jose, "Carmen"), Puccini (Calaf aus "Turandot") und dem Zarzuela-Komponisten Pablo Sorozábal. Da zeigt sich über rund zweieinhalb Stunden, dass für keinen Musiker der Weg zum Herzen so kurz ist wie für einen Tenor. Und da drängen sich schon angesichts des stilistisch weit gespreizten Repertoires Vergleiche zum jungen Domingo auf ­- und Rivero hält ihnen auch qualitativ stand.

Bruchlos führt der unprätentiöse Weltklasse-Tenor seine herrliche Stimme durch die Register. Die Höhe ist silbrig, das Fundament bronzen. Dramatischer Schlagkraft steht lyrischer Schmelz gegenüber. Wenn es drauf ankommt, wie in "Di quella pira" aus dem "Troubadour", kann er gewaltige Luftmengen bewegen, ohne dass sein Timbre sich verhärtet. Und am anderen Ende der Skala verfügt er über betörend samtene Farben. Schöner etwa, geschmeidiger, eleganter, subtiler als er sie singt, ist die Blumenarie aus "Carmen" auch auf CD nicht zu haben. Nur im "Don Carlos"-Duett schaukeln er und Bariton Matthias Hausmann sich martialisch auf. Doch über den ganzen Rest des Abends ist Rivero intelligenter, disziplinierter, stilsicherer Gestalter.

Und verlässlicher Partner. Denn die Gala-Freunde sind diesem Tenor nicht nur Staffage, er braucht sie auch nicht, um zwischendurch mal Luft zu schnappen. Tatsächlich macht er am Ende des strapaziösen Hitparaden-Programms den Eindruck, als könne er ohne weiteres noch mal von vorn anfangen. Nicht wenige im passabel besuchten Saal würden es begrüßen. Denn nicht nur Roland Seiffarth hat gemerkt, dass hier vokale Maßstäbe gesetzt werden.

So würde man gern noch einmal das betörend zärtliche "Parle-moi de la mère" aus "Carmen" hören, das Rivero mit Olena Tokar als Micaëla in wunderweiche Töne gießt. Würde sofort ein zweites Mal mit Karin Lovelius das kraftvolle Aida-Duett "Già i sacerdoti adunansi" nehmen. Oder Alessandro Zuppardos Opernchor. Oder das Gewandhausorchester, das Anthony Bramall hinter den Solisten bereitwillig in diese so unterschiedlichen Opern-Welten folgt, virtuos, sinnlich, erlesen in den Orchestersätze von Verdi, Bizet und Chapí, reaktionsschnell, sensibel, farbsatt, wenn Bramall die Sänger auf Händen durch den Abend trägt.

Und den Zugabenblock, den könnte Rivero auch gern wiederholen: "Dein ist mein ganzes Herz" aus dem "Land des Lächelns" und Agustín Laras rauschendes, flirrendes, lüsternes, funkelndes "Granada". Macht er aber nicht. Schade. Johlen, Jubeln, Trampeln im Saal. Und wer nicht genug Rivero bekommen hat an diesem Abend, oder Tokar oder Lovelius oder Hausmann: Die vier sind ja flächendeckend im Spielplan der Oper Leipzig vertreten.

Gaston Rivero ist am 23. Juni wieder als Pinkerton in Puccinis "Butterfly" zu Gast auf der Bühne der Oper Leipzig. Tickets sind erhältlich im LVZ Media Store in den Höfen am Brühl, in allen LVZ-Geschäftsstellen, über die gebührenfreie Tickethotline 0800 2181050, auf www.lvz-ticket.de, unter Tel. 0341 1261261 oder an der Opernkasse.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.04.2015

Korfmacher, Peter

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