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Kultur Der alte Hase kann es immer noch - Howard Carpendale ganz gefühlsecht in Leipzigs Arena
Nachrichten Kultur Der alte Hase kann es immer noch - Howard Carpendale ganz gefühlsecht in Leipzigs Arena
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13:17 18.04.2014
Howard Carpendale in Leipzig. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Und ja, recht behielt er, der alte Hase des deutschen Schlagers: Am Donnerstag trat Howard Carpendale in üppiger Besetzung, mit acht Musikern samt drei Background-Sängern, in der fast ausverkauften Arena auf.

Und nach all den Jahrzehnten, die Howie inzwischen schon im Geschäft ist, muss man einfach gestehen: Der Mann kann es. Immer noch. Und vielleicht sogar besser denn je. Nun mag es sein, dass man das, was Carpendale bietet, inzwischen auch deshalb mehr schätzt, weil es gemessen an der derzeit hypererfolgreichen Konkurrenz á la Fischer und Berg, schon rein musikalisch einen wohltuenden Kontrast markiert. Und darüber fast als die Ehrenrettung des deutschen Schlagers aufscheint.

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Denn Carpendales Konzert zeigt immer wieder, dass auch Schmalz gefühlsecht klingen kann. Das liegt an einer handwerklich versierten Band- und an Songs, die eben keine peinlich sterile, reißbretthafte Instant-Gefühligkeit atmen, sondern mit oft überraschenden, kleinen, effektvollen, fürs Konzert auch dezent umgebauten Arrangements zeigen, dass Kitsch und Sentiment gar nicht schlimm sind, wenn man es gut aufzubereiten versteht.

Carpendale und seine Mannen verstehen es. Und diesbezüglich wirklich schon echt zeitlose Klasse hat da etwa eine inzwischen ja auch schon 30 Jahre alte Nummer wie „Piano in der Nacht". Und ja: Hört man das jetzt mal wieder, fällt einem auf, dass das auch textlich nicht das Schlechteste ist, was in Deutsch geschrieben wurde: „Die Sonne fängt an aufzugehen/Gott, ich hätte nie gedacht/Dass mich sowas traurig macht/ Wie ein Piano in der Nacht." Welches dann natürlich sofort hingebungsvoll seine melancholischen Akkorde klimpert.

Klar, es geht auch anders. Aber selbst nerviges Humptata wie „Das schöne Mädchen von Seite 1" bringt Carpendale gut über die Runden. Die ziehen ihre Kreise wie gehabt mit neuen Songs und den großen Hits und auch alten Stücken, die nie die Aufmerksamkeit bekamen, die sich Howie für sie einst wünschte. Die Mischung kommt bestens an im Saal. Natürlich auch, weil Howie ein echter Charmebolzen ist. Und sieht man, wie hingerissen die vorwiegend weiblichen Fans davon sind, ahnt man, was die im wirklichen Leben mitunter missen mögen. Howard Carpendale gibt es ihnen. Für zwei Stunden, mit Schlagern die gefühlsecht klingen.

Steffen Georgi

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