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Der deutsche Film im Aufwind

Der deutsche Film im Aufwind

Es war nicht nur eine Feststellung, es klang wie ein Prophezeiung: „Der deutsche Film ist international geworden“, hatte Deutschlands Kulturstaatsminister Bernd Neumann kurz vor der Oscar-Verleihung im Februar in Hollywood verkündet.

Hamburg. Und er sollte recht behalten. Zwar ging der als Favorit gehandelte „Baader Meinhof Komplex“ leer aus, dafür hielt am Ende der Berliner Regisseur Jochen Freydank für seinen Kurzfilm „Spielzeugland“ die begehrteste Trophäe der Filmbranche in den Händen. Und überhaupt kam im Jahr 2009 kein internationales Festival ohne deutsche Beteiligung aus.

Die Filmverleiher und Kinobetreiber freuten sich derweil über Blockbuster wie „Ice Age 3“, „Harry Potter und der Halbblutprinz“ und James Camerons „Avatar - Aufbruch nach Pandora“, der sich innerhalb von nur zwei Wochen bis zum Jahresende immerhin auf Rang elf der deutschen Kinocharts katapultierte. Mehr als 2,3 Millionen Menschen wollten den 3D-Science-Fiction-Film seit seinem Kinostart am 17. Dezember sehen.

Klare Favoriten der Kinogänger im Jahr 2009: die Familienfilme - und die möglichst computeranimiert oder noch besser in 3D - wie der Spitzenreiter „Ice Age 3 - Die Dinosaurier sind los“. Mehr als 8,7 Millionen Menschen sahen die neuen Abenteuer um Mammut Manni, seiner Frau Ellie und Faultier Sid. Weit abgeschlagen das inzwischen sechste Potter-Abenteuer. „Harry Potter und der Halbblutprinz“ schauten sich rund 6,1 Millionen in den Kinos an.    Spitzenreiter unter den deutschen Filmen war „Wickie und die starken Männer“ von Michael „Bully“ Herbig (knapp 4,9 Millionen Zuschauer), der damit die beliebte Zeichentrickfigur zu neuem Leben erweckte und auch die Mittdreißiger in die Kinos lockte, die dann in Kindheitserinnerungen schwelgen konnten.   

Zum absoluten „Erfolgsjahr“ dürfte Produzent, Regisseur und Schauspieler Til Schweiger das Jahr 2009 verbuchen. Zwar ging sein „Keinohrhase“ Anfang des Jahres nicht in das Rennen um den Goldenen Bären bei der Berlinale, doch knackten gleich mehrere seiner Filme die magische Grenze von einer Million Zuschauern - allen voran „Zweiohrküken“. In nur gut drei Wochen wollten 2,9 Millionen Menschen die Fortsetzung von „Keinohrhasen“ sehen und verschafften der Komödie damit noch zum Jahresende den achten Rang in den deutschen Charts. „Männerherzen“ (Regie Simon Verhoeven) mit Schweiger lockte immerhin knapp 2,1 Menschen in die Kinos, ebensoviele schauten sich Quentin Tarantinos Nazi-Satire „Inglourious Basterds“ an, in der auch Schweiger mitspielte.

Dabei überschritten zahlreiche andere Filme mit deutscher Beteiligung die Millionenmarke - darunter „Die Päpstin“, „Der Vorleser“ (Oscar für Kate Winslet als bester Hauptdarstellerin), die „Buddenbrooks“ und „Horst Schlämmer - Isch kandidiere“.   

Erstaunlicherweise schnitten die Filme, die mit großem Getöse angekündigt wurden, in der Gunst des Publikums gar nicht so gut ab. Horst Schlämmer (1,3 Millionen Zuschauer) beschäftigte zwar über Wochen und Tage Nachrichtensender und Feuilletons, war letztendlich dann aber in Spielfilmlänge doch nicht ganz so witzig. Die beiden Blutsauger-Romanzen „Twilight - Biss zum Morgengrauen“ und „New Moon - Biss zur Mittagsstunde“ ließen Teenager in Scharen in Ohnmacht fallen ob des schnuckeligen Vampirs Edward (Robert Patterson), im Ranking aber kamen sie gerade mal auf Platz neun und sechs. Den von Studio Babelsberg produzierte Tom-Cruise-Film „Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat“ wollten gerade mal 1,3 Millionen Zuschauer sehen.   

Oftmals waren es die stillen Filme und Schauspieler, die von sich reden machten - häufig auch mit deutscher Beteiligung. Allen voran „Das weiße Band“ von Michael Haneke. Der Regisseur und Drehbuchautor gewann nicht nur die Goldene Palme in Cannes, sondern auch den Europäischen Filmpreis, zwei der wichtigsten Auszeichnungen des Jahres. Haneke, 1942 in München geboren, ist zwar Österreicher und hat zuletzt vor allem in Frankreich gedreht, aber sein anspruchsvolles neues Werk ist eine deutsche Produktion. Mit deutschen Schauspielern an Schauplätzen in Ost- und Norddeutschland erzählt „Das weiße Band“ von den übersteigerten konservativen und christlichen Werten am Ende des Wilhelminischen Zeitalters. Sein Film ersetzt etliche Seminare in Soziologie, Geschichte und Pädagogik. Das in Schwarzweiß gedrehte Drama ist von deutscher Seite auch zur Nominierung für den Oscar vorgeschlagen worden.   

Auch der türkischstämmige Regisseur Fatih Akin aus Hamburg sorgte international für Furore: Er gewann für seine Komödie „Soul Kitchen“ bei den ältesten Filmfestspielen in Venedig den Preis der Jury, Tom Tykwers erster Film für ein US-Studio „The International“ eröffnete die Berlinale und Tarantino setzte in „Inglourious Basterds“ neben Til Schweiger gleich auf eine ganze Reihe weiterer deutscher Top- Schauspieler wie Diane Kruger, Daniel Brühl und Martin Wuttke. Und der Österreicher Christoph Waltz, als Charakterdarsteller aus deutschen Fernsehfilmen bekannt, bekam für seine Darstellung des Obersts Hans Landa den Preis als bester Hauptdarsteller in Cannes.   

Schon vor den Jahresabschlüssen und endgültigen Zahlen rechnen die Experten mit einem Plus für die deutsche Filmwirtschaft. Die großen Kinoketten verkündeten ohnehin unlängst einen Boom dank der 3D- Technik, die zu höheren Eintrittspreisen führt. Dazu gehört ohne Zweifel Camerons Film „Avatar“, der als Meilenstein der Filmgeschichte gilt und wohl das Kinoerlebnis revolutionieren wird. In den USA verschaffte der Science Fiction den Kinos zu Weihnachten das beste Wochenendergebnis aller Zeiten. Auch Roland Emmerichs Weltuntergangsepos „2012“ (bisher immerhin 3,19 Millionen Zuschauer in Deutschland) dürfte weiter für Rekordzuschauerzahlen sorgen und gilt zudem als aussichtsreicher Oscar-Kandidat. Und der Neuseeländer Peter Jackson, der 2004 mit „Herr der Ringe“ elf Oscars gewann, bringt das Drama „In meinem Himmel“ nach dem Roman von Alice Sebold in die Kinos und wird ebenfalls als Favorit gehandelt.

Britta Schmeis und Karin Zintz, dpa

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