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Der letzte DDR-Filmminister: Horst Pehnert ist tot

Der letzte DDR-Filmminister: Horst Pehnert ist tot

Zeit für ein Geständnis: Ich war jener Manfred Martin, der am 17. Februar 1990 in der "taz" über zwei Seiten hinweg fragte "Wer war Horst Pehnert?" Als der letzte Filmminister der DDR 2009 in seinen Erinnerungen "Kino, Künstler und Konflikte" lange Passagen daraus zitierte und ein Pseudonym vermutete, habe ich ihm beim Defa-Filmpreis-Empfang gesagt, dass ich es war.

Er nahm es hin. Er hatte sicher nichts anderes erwartet. Schon zu tiefen DDR-Zeiten, mit Texten in "Sonntag" und "Film und Fernsehen", war ich ihm wohl suspekt. Kein SED-Mitglied - was soll man von so einem denn schon erwarten? Zumal der Jahr für Jahr beim Defa-Januar-Treff nach neuen Filmen von Ulrich Weiß ("Dein unbekannter Bruder", "Olle Henry") fragte. Der war ja nun weiß Gott kein Pehnert-Favorit.

Wer also war Horst Pehnert, der am 1. Dezember 1976 Stellvertretender Minister für Kultur und Leiter der Hauptverwaltung Film wurde? Kurz gesagt: ein Mann mit Funktionärs-Karriere. Geboren 1932 in Neukirchen (heute: Ortsteil von Borna) als Sohn eines Schneiders, Buchdrucker-Lehre, Journalist der FDJ-Tageszeitung "Junge Welt", Chefredakteur der "Jungen Welt", dann stellvertretender Vorsitzender des Staatlichen Komitees für Fernsehen, schließlich Filmminister in jenem Jahr, aus dem Biermann ausgebürgert wurde.

Ein Mann, der trotz dieser Karriereleiter gern Weltoffenheit verbreitete, der charmanter und wendiger als andere Genossen war. Vielleicht lag es an diesem Geschick, vielleicht auch an den brüchiger werdenden DDR-Zeiten: Er blieb in jenem Amt, das bereits zwölf Vorgänger zerschlissen hatte, so lange wie kein anderer. Er schien toleranter, blieb im Kern aber immer, wenn es hart auf hart kam, auf ideologischer Linie.

So drehte Rainer Simon zwar "Jadup und Boel", doch das Verbot für viele Jahre folgte prompt. So durfte Evelyn Schmidt "Das Fahrrad" drehen, das aber dann nur in wenigen Kopien für kurze Zeit ins Kino kam (Urteil Horst Pehnerts: trist). Konrad Wolf drehte "Solo Sunny", Rücker/Reisch "Die Verlobte", Lothar Warnecke "Die Beunruhigung", was als Öffnung durchging, andererseits verhinderte Pehnert jedoch auch immer wieder das Sichten jener Verbotsfilme von 1965 für eine lange geplante Geschichte der Defa. Oder brauchte viele Monate, damit endlich "Das Versteck" und "Feuer unter Deck", die letzten Defa-Produktionen von Manfred Krug, ins Kino kamen.

Horst Pehnert kannte sich aus in den Mechanismen des SED-Apparats. Vorgeprescht ist er nie. Er hat bisweilen Toleranz geübt, bisweilen Härte. Ob Kalkül oder doch Charakter dahinter stand, ist schwer zu sagen. Sicher sollte er die aufmüpfigen Künstler, die 1976 in Aufruhr geraten waren, wieder beruhigen. Außerdem ging es ihm offenbar um die DDR-Außenwirkung. In seine Amtszeit fielen nicht nur die verbesserten Beziehungen zur Berlinale, sondern auch die Defa-Einladung nach Cannes mit Michael Gwisdeks "Treffen in Travers", Co-Produktionen mit westlichen Firmen ("Die Grünstein-Variante", "Der Bruch") oder die Berliner Ost-West-Premiere von Loriots "Ödipussi".

In seinen 2009 erschienenen Erinnerungen hielt Horst Pehnert allerdings durchaus keine kritisch-nachdenkliche Rückschau, sondern rechtfertigte konsequent seine Filmpolitik - und druckte auch noch lange Auszüge aus altbackenen Reden ab. Am Montag ist Horst Pehnert einer Krebserkrankung erlegen - mit 80 Jahren.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.04.2013

Norbert Wehrstedt

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