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„Der schlaue Urfin“ will an die Macht, „Die zwölf Monate“ retten ein Mädchen

Weihnachtsmärchen am Schauspiel Leipzig „Der schlaue Urfin“ will an die Macht, „Die zwölf Monate“ retten ein Mädchen

Mit „Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten“ setzt das Schauspiel Leipzig die im vergangenen Jahr begonnene „Zauberland-Reihe“ von Alexander Wolkow fort. Viele magische Theatermomente fesseln das junge Publikum. Außerdem zeigt das Theater in einer Jurte im Zoo das Märchen „Die zwölf Monate“ für Kinder ab 4 Jahren.

Urfins Holzsoldaten greifen im Schauspiel an.

Quelle: Rolf Arnold

Leipzig.

Mit „Urfin“, Premiere der Uraufführung war am Samstag, die erste reguläre Schülervorstellung am Montagmorgen, setzt das Schauspiel die „Zauberland-Reihe“ des Autors Alexander Wolkow fort. Ein Kinderbuch-Klassiker in der DDR, dessen erster Teil „Zauberer der Smaragdenstadt“ eng angelehnt ist an den „Zauberer von Oz“. Das Mädchen Elli wird mitsamt Haus von einem Sturm ins Zauberland geweht, erschlägt bei der unsanften Landung die böse Hexe Gingema, findet Freunde, besteht etliche Abenteuer und verhilft dem Scheuch, neuer Herrscher der Smaragdenstadt zu werden.

So weit der Stand der im Vorjahr verhandelten Dinge. Jetzt schiebt der Tischler Urfin (Tilo Krügel) den Rasenmäher durch seinen Garten und ärgert sich über wild wucherndes Kraut, das langsam von der Bühnendecke wächst. Ein Kraut, dessen Geheimnis ihm die Eule Guamokolatokint (Sophie Hottinger) einflüstert: Getrocknet erweckt es alle Gegenstände zum Leben. Urfin tischlert sich eine Holzarmee, die auf die Smaragdenstadt zumarschiert.

Für die Bühnenadaption ist das gleiche Team am Werk wie bei Teil eins. Regisseur Stephan Beer und Georg Burger, auch verantwortlich für die Bühne, haben den Text bearbeitet. Jan S. Beyer und Jörg Wockenfuß spielen die eigens komponierte Musik live im Bühnenhintergrund ein und verleihen der Inszenierung Musical-Charakter. Besonders mitreißend, wenn die Holzsoldaten-Armee in ihrem Song rhythmisch mit den Kampfstöcken stampft und trommelt.

Überhaupt, diese Soldaten, sie sorgen für große Theatermomente. Weil ihnen die staksige Gangart und mehr noch die wuchtigen Kostüme von Kristina Böcher tatsächlich die Anmutung von Holzgestalten verleihen. Eben liegen sie noch leblos auf der Werkbank Urfins, der den letzten Schliff vornimmt, dann erheben sie sich mechanisch aus grünem Zaubernebel. Soldaten staksen, die Eule Guamokolatokint gleitet auf einem unter dem Kostüm gut versteckten Segway über die Bühne und Willina, die Fee des gelben Reiches (Nina Siewert) schwebt tatsächlich vom Bühnenhimmel herab. Bedrohlich wandert der mehrere Meter lange Sechsfüßer über die Bühne. Das sind teilweise nur kurze, aber durchweg gelungene Erscheinungen, bei denen Spiel, Kostüm und Technik gut ineinandergreifen.

So purzelt das Publikum schnell in die Atmosphäre der Zauberwelt und folgt der unkompliziert erzählten Story. Urfin nimmt die Smaragdenstadt mit einem Trick ein und wirft Scheuch (Thomas Braungardt) und dessen Kameraden, den Soldaten Din Gior (Roman Kanonik) und den Holzfäller (Andreas Dyszewski) in den Kerker. Zum Glück ist Elli (Alina-Katharin Heipe) längst unterwegs, um ihren alten Freunden mit der Krähe Kaggi-Karr (Anna Keil) beizustehen. Knappe Kampfszenen und ein Showdown, der sich mit Flugblattregen („Freiheit“) turbulent bis ins Publikum zieht, führen ins Finale.

Insgesamt eine Inszenierung, die keineswegs nur vom Nostalgie-Vorschuss zehrt. Direkter, konzentrierter und magischer als im Vorjahr findet der Wolkow-Stoff seine Umsetzung. Gags werden nicht totgeritten, Scheuchs eigenartige Sprache etwa kommt wohldosiert zum Einsatz. Krügel, mit zu Comic-Maus-Ohren hochtoupiertem Haar, spielt seinen Urfin schneidig, aber mit geschickten Abstufungen zweifelnd und nicht zu böse. Spannend sind hier die unentschiedenen Reaktionen des jungen Publikums. Die Urfin-Rede erntet Applaus und Buhrufe. Urfin bietet mit seiner zum Personenkult erhobenen Inszenierung als König eine zweite Interpretationsebene für das erwachsene Publikum. Länder, die zur alten Größe geführt werden sollen und Zitate vom „Kampf bis zum letzten Mann“ oder einem „ich liebe doch alle Menschen“ im Moment des Zusammenbruchs, bringen Momente realer Politik ins Zauberland. Dort aber gibt es ein Happy-End. Und Zugabe-Rufe.

Das Weihnachtsmärchen im großen Saal hat Tradition. Neu ist das Angebot an den Advents-Wochenenden im Zoo. In einer Jurte zeigt das Schauspiel in 45 Minuten das Märchen „Die zwölf Monate“ für Kinder ab 4. Liebevoll mit viel Witz und kleinen Mitmachelementen erzählen Julia Berke, Jonas Fürstenau und Andreas Herrmann von einem kleinen Mädchen, das von der Stiefmutter gezwungen wird, zu Silvester im Wald Schneeglöckchen zu finden. Das Mädchen trifft die zwölf Monate, die sich bereit erklären, für einen Moment dem April das Feld zu überlassen, der ihr die Blumen schenkt. Die Jüngsten dürften noch Probleme haben, der Geschichte in allen Details zu folgen. Aber es bleibt ein hübsch verspieltes Theatererlebnis mit ständigen Rollenwechseln und Schauspielern, die witzig Hase und Eichhörnchen mimen.

www.schauspiel-leipzig.de

Von Dimo Riess

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