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Der verhüllte Papst - Michael Triegel hat sein Porträt Benedikts XVI. vollendet

Der verhüllte Papst - Michael Triegel hat sein Porträt Benedikts XVI. vollendet

Michael Triegel hat im Auftrag des Bistums Regensburg Papst Benedikt XVI. gemalt. Das Bild, 80 mal 105 Zentimeter groß und in altmeisterlicher Mischtechnik geschaffen, ist nun vollendet.

Es wird am 26.  November im Leipziger  Museum der bildenden Künste der Presse vorgestellt. Es ist ein Glanzpunkt der Triegel- Werkschau "Verwandlung der Götter".

Besuch im Leipziger Kunstzentrum Spinnerei. Auch Michael Triegel hat hier sein Atelier. Es zu finden, ist derzeit allerdings gar nicht so einfach. Seit der Künstler am Papst-Porträt malt, arbeitet er lieber inkognito, das Namensschild am Atelier hat er entfernt. Selbst, wenn man dann doch zu Triegel durchgedrungen ist, bleibt das Geheimnis ums Benedikt-Gemälde noch ungelüftet. Denn Triegel schloss mit den kirchlichen Auftraggebern, seinem Galeristen Carl Schwind und Leipzigs Bildermuseum die Vereinbarung, das Porträt erst zur Ausstellung mit gut 70 weiteren seiner Bilder der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Dieser Zeitung erlaubt Triegel einen Blick aufs vollendete Porträt: Es zeigt Benedikt auf dem Stuhl Petri sitzend. In der Hand hält er ein Blatt Papier mit den Weisheiten des Heiligen Augustinus. Er ist einer der bedeutendsten Kirchenlehrer, ein Philosoph an der Epochenschwelle zwischen Antike und Mittelalter. Von Benedikt XVI. wird er verehrt. Das Blatt Papier ist bewusst ans Kreuz angelegt, das der Papst um den Hals trägt. Augustinus' Herzschlag schlägt in dieser Brust weiter.

Benedikts Augen blitzen, so dass man auf die Idee kommen könnte, der Papst wolle mit dem Betrachter sprechen: "Na, mein Freund, was hast du mir zu sagen?"

"An den Augen habe ich mich wirklich lange aufgehalten", sagt Triegel. Modell gesessen hat der Papst ihm freilich nicht. Des Malers Eindrücke stammen vor allem von einem Besuch einer Audienz in Rom. Triegel saß da in der ersten Reihe, er durfte fotografieren und Skizzen anfertigen und wurde vom Papst zum kurzen Gespräch gebeten. Eine große Falte des Gewandes wölbt sich im Nacken des Papstes. "Sie kommt daher, weil er so gekrümmt sitzen muss", sagt Triegel. Ein Handwerksmeister in Bad Soden baute zum Gemälde den Rahmen nach spätgotischem Vorbild aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit sogenanntem Wellenschlag. "Damit kommt man leichter ins Bild rein, das ist wie ein geöffnetes Fenster", weiß der Bild-Künstler.

Fürs Zeitungsfoto muss der heilige Vater dann doch verdeckt werden. Versprochen ist nun mal versprochen, nur ein bisschen originales Gemälde schaut noch raus, die Spannung steigt. Triegel gefällt diese Inszenierung. Er strahlt Zufriedenheit, Gelassenheit aus, auch weil er überzeugt ist, ein gutes, wie er sogar meint, sein bestes Porträtbild geschaffen zu haben.

Die sehr besondere Bildgeschichte begann vor anderthalb Jahren in Würzburg. Der Leipziger stellte anlässlich seines 40. Geburtstages aus. Bei einem der Rundgänge durch die Schau wurde er von Hermann Reidel, dem Leiter des Diözesanmuseums Regensburg, angesprochen, ob er sich vorstellen könne, den Papst zu malen. "Na klar", antwortete Triegel selbstbewusst. Regensburgs Bischof Gerhard Ludwig Müller stimmte zu – und ließ sich wohl auch zur Probe von Triegel für die Bistumsgalerie porträtieren.

In der vergangenen Woche erhielt Triegel Post vom päpstlichen Privatsekretär Georg Gänswein. Ein Foto des Papst-Porträts, das der Künstler in den Vatikan geschickt hatte, kam mit Siegel und Unterschrift zurück. Das Bild hat damit den Segen von ganz oben.

Eins ist schon jetzt gewiss: Das Papst-Porträt wird der Anziehungspunkt im Leipziger Bildermuseum sein – eine ganz eigene Interpretation des Ausstellungs-Titels "Verwandlung der Götter".

27. November, 18 Uhr, Vernissage der Ausstellung "Michael Triegel – Verwandlung der Götter", Bildermuseum; bis 6.2.2011;

Thomas Mayer

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