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Dettloff Schwerdtfeger nicht mehr in Leipzig

Bach-Archiv Dettloff Schwerdtfeger nicht mehr in Leipzig

Zehn Jahre lang hat Dettloff Schwerdtfeger, 41, als Geschäftsführer des Bach-Archivs und zuletzt auch als Intendant der Bachfeste das Musikleben in Leipzig mitbestimmt. Nun ist er auf dem Weg nach Bonn, wo er am 1. Januar als Geschäftsführer der Beethovenfeste neue Aufgaben übernimmt.

Unter Bachs Augen: Dettloff Schwerdtfeger (li.) und Volker Bremer, Geschäftsführer Marketing Leipzig.

Quelle: LVZ

Leipzig.  

Am Donnerstag war sein letzter Arbeitstag. Am heutigen Samstag schauen noch die Stifter zum traditionellen Fest im Bach-Archiv vorbei, dann ist das Wirken Dettloff Schwerdtfegers, 41, als Geschäftsführer des Bach-Archivs und Intendant der Leipziger Bachfeste Geschichte. Zum 1. Januar übernimmt er die Position des Kaufmännischen Geschäftsführers der Beethovenfeste in Bonn. Mitte Februar bezieht sein Nachfolger Alexander Steinhilber, in den letzten fünf Jahren Leiter des Musikreferat der Hamburger Kulturbehörde, sein Büro im Bose-Haus. Und Schwertfeger wird sich bereits heimisch eingerichtet haben im Bonner Reihenhaus, das er für sich und seine Familie gefunden hat. „Es liegt", sagt er lächelnd, „auf der richtigen, der Leipziger Seite des Rheines“. Was bemerkenswert ist für einen Bamberger, der in Köln studierte, bevor es ihn zunächst zu den Stockhausen-Kursen nach Kürten und schließlich nach Leipzig verschlagen hat. Denn für Kölner ist das Ostufer des Rheins, an dem auch die NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf liegt, die „scheel Sick“, die falsche Seite.

Darin schwingt die Wehmut mit, mit der Schwerdtfeger nach zehn Jahren Leipzig den Rücken kehrt: „Die letzten Monate standen im Zeichen des Abschieds. Wir haben uns sehr wohl gefühlt in Leipzig.“ Was die Frage nach den Gründen für den Wechsel nach Bonn aufwirft: Schwerdtfeger: „Auf jeden Fall gehe ich nicht, weil ich nicht zufrieden gewesen wäre mit der Situation hier. Aber man darf sein Leben nicht an eine einzige Position hängen, muss vielseitig aufgestellt bleiben. Und wenn man in Karriere-Kategorien denkt, ist nach einer gewissen Zeit ein Wechsel einfach notwendig. Wenn man erst einmal 15 Jahre auf einer Position verbracht hat, ist es unter Umständen für ein Fortkommen bereits zu spät.“

Zehn Jahre hat er in Leipzig geschafft. Und sein Fortgang fällt mitten in eine personelle Umbruchzeit für die Musikstadt. Denn neben der Spitze des Bach-Archivs, wo ja vor kurzem erst auch Peter Wollny Christian Wolff als Direktor ablöste, stehen auch anderswo die Zeichen auf Veränderung: Im Gewandhaus ist Riccardo Chailly auf dem Sprung, sein Nachfolger Andris Nelsons bereits bestimmt. In der Thomaskirche hat sich Anfang des Jahres Georg Christoph Biller vom Amt des Thomaskantors zurückgezogen, sein Nachfolger soll bis April feststehen. An der Hochschule für Musik und Theater hat gerade Martin Kürschner sein Rektorat angetreten. In der Musikalischen Komödie läuft sich ein neues Leitungs-Triumvirat warm.

In diesen Zeiten des Umbruchs hinterlässt Schwerdtfeger Bach-Archiv und Bachfest in ausgezeichnetem Zustand: Den Auftrag „einer stärkeren Verankerung des Bachfestes in der Stadt und noch höhere internationale Ausstrahlung“, hatte ihm der damalige Kulturbürgermeister Georg Girardet ins Stammbuch geschrieben, als Schwerdtfeger am 1. Januar 2006 am Thomaskirchhof seine Arbeit aufnahm. Beide Hoffnungen erfüllten sich: Während seiner Amtszeit stiegen die Besucherzahlen des Bachfestes von 43 000 auf 74 000, das Budget von 1,2 auf 2,1 Millionen Euro. Wobei Schwerdtfeger auch bei seinem Weggang nicht müde wird zu betonen, dass Zahlen zwar wichtig seien, aber keineswegs die Hauptsache: „Das Bachfest ist“, sagt er, „ein Festival, das für Inhalte steht, keines der Namen. Wenn sich Künstler bei uns nicht im Stande sehen, auf die Bedürfnisse der Festivaldramaturgie einzugehen, verzichten wir im Zweifelsfalle auf die großen Namen.“

Die Situation, die er vor zehn Jahren in Leipzig vorgefunden hat, ähnelt in gewisser Weise der, die sich ihm nun in Bonn präsentiert. Das Beethoven-Fest sucht nach einem geeigneten Profil. Und nach der Depression, die sich nach dem Verlust des Hauptstadt-Status eingestellt hat, sucht das Metropölchen am Rhein n och immer nach einer Identität. Wobei der Umstand helfen kann, dass mit Ludwig van Beethoven einer der unbestrittenen Giganten der Musikwelt in der Stadt geboren ist. „Wenngleich es natürlich ein grundsätzlicher Unterschied ist, das Beethoven in Bonn nur geboren ist, während Bach in Leipzig seine kompositorisch fruchtbarste Zeit verbrachte.“

Da stellt sich die Frage nach denkbaren Synergien zwischen beiden Festivals in er Zukunft. Schwerdtfeger: „Das Gewandhausorchester war ja auch in der Vergangenheit regelmäßig beim Beethovenfest zu Gast, und sich sehe keinen Grund, warum man das ändern sollte. Und beim Bachfest 2020 wäre es doch ziemlich logisch, wenn sich der 250. Geburtstag Beethovens darin widerspiegelte. Dann könnte zum Beispiel John Eliot Gardiner mit seinem Orchestre romantique e revolutionnaire die Missa solemnis in Leipzig aufführen – und, wenn er das will, danach gern auch in Bonn.“

Von PETER KORFMACHER

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